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Interview mit Carsten Koch und Martin Steinmetz „Dass die Industrie zum Discount geht, ist eine Form von illoyalem Verhalten“ - Interview: Teil 2

Sonja Plachetta | 14. August 2015

Die Edeka Nord will statt auf Massenware künftig mehr auf besondere, qualitativ hochwertige Produkte sowie auf Eigenmarken setzen. Die Geschäftsführer Carsten Koch und Martin Steinmetz über eine neue Kommunikation zum Endverbraucher, die Neuausrichtung des Gutfleisch-Programms und die Optimierung der Logistik.

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Trotzdem haben Sie das Gutfleisch-Programm nach der Kritik neu ausgerichtet. Was haben Sie verändert?
Koch: Wir haben den Kontroll- und Überwachungsmechanismus geändert. Die Reportings von den Kontrollen gehen nun direkt an uns und nicht mehr wie vorher an die QS-zertifizierten Kontrollorganisationen. Jetzt können wir besser sehen, ob die Überwachungen durchgeführt wurden und ob es Auffälligkeiten gab. Außerdem übernehmen für uns jetzt drei Organisationen in einem Rotationssystem das Monitoring, und wir behalten uns selbst vor, für unangemeldete Kontrollen in die Ställe zu kommen. So ist das Gute an dem Vorfall, dass wir unser gesamtes Qualitätssicherungssystem optimiert haben.

Was hat es mit Programm „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ auf sich?
Koch: Wir arbeiten seit 25 Jahren mit dem Biopark Mecklenburg-Vorpommern, einem Zusammenschluss von Bio-Landwirten, zusammen. Einige dieser Landwirte kooperieren mit dem WWF und haben ein Programm für Artenvielfalt aufgelegt auf extensiv biologisch bewirtschafteten Agrarflächen. Durch Zusatzmaßnahmen sollen Biotopbedingungen entstehen, um Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren zu fördern. Die Landwirte haben hier eine Nutzungseinbuße. Dafür bezahlen wir als Edeka Nord den Landwirten (dem Biopark) 5 Cent mehr pro kg, die wir auch nicht an den Endverbraucher weitergeben. Das aktuelle Pilotprojekt geht bis 2017, aber ich bin optimistisch, dass es danach edekaweit ausgerollt werden kann – je nach Verfügbarkeit solcher Flächen.

Wie viele Produkte gibt es aus diesem Programm?
Koch: Da wir das Fleisch auch in Wurstwaren verarbeiten, ist das Spektrum ziemlich groß. Es sind mehr als 90. Und es soll weiter ausgebaut werden. Partiell haben wir schon Lieferengpässe.

Ist es nicht zu viel des Guten, wenn ein Artikel wie die „Unsere Heimat“-Kartoffeln mit EU-Biosiegel, Logo von Biopark, grünem „Landwirtschaft für Artenvielfalt“-Logo und dem WWF-Panda gekennzeichnet ist?
Koch: Ja, aber wenn die Ansprüche der Verbraucher steigen, steigt auch die Komplexität der Produkte und damit die Informationsnotwendigkeit. Über diese verschiedenen Programme bieten wir im Internet umfassende Informationsmöglichkeiten an.

Wollen Sie auch Ihre Eigenmarke „Unsere Heimat“ ausbauen?
Koch: Unbedingt. Vor allem bei „Unsere Heimat bio“ im Obst- und Gemüsebereich kommt immer mehr dazu.

Edeka-Chef Markus Mosa sagt, die Edeka forciere Eigenmarken, um unabhängiger von der Industrie zu werden. Was ist Ihre Motivation, Ihre Eigenmarken zu stärken?
Koch: Man muss sagen, dass das Innovationstempo der Industrie teilweise etwas schwach ist. Da haben unsere Eigenmarken oft das höhere Innovationstempo. Zudem können wir darüber den Kunden besser binden, weil er sie nur bei uns bekommt und sich auf die Qualität verlassen kann. Und wir können ja nur froh sein, dass wir Eigenmarken haben, wenn die Markenhersteller ihre Produkte unter Preis beim Discounter verkaufen.

Wie entwickeln sich die Geschäfte der Edeka Nord bisher im Jahr 2015?
Koch: Bis Juni haben wir eine Umsatzsteigerung von über 3 Prozent erreicht, aber nicht auf vergleichbarer Fläche, weil wir letztes Jahr ordentlich expandiert haben.

Was sind Ihre Expansionspläne für 2015?
Koch: Wir wollen qualitativ wachsen. Deshalb planen wir saldiert mit einem Flächenwachstum zwischen 1 und 2 Prozent.

Welche Ziele haben Sie für 2015?
Koch: Wir wollen die Services für unsere Einzelhändler ausbauen, u. a. durch das Bearbeiten von Sortimenten und die Verbesserung unserer Logistikleistung. Die Vollautomatisierung bedeutet, dass wir eine Sortimentsausweitung im Lager Zarrentin herstellen und unseren Kaufleuten so einen stabileren Betrieb bieten können. Dafür haben wir mit rund 65 Mio. Euro auch viel Geld investiert.

Steinmetz: Die vollautomatische Kommissionierung in Zarrentin erreicht inzwischen eine Tagesspitzenleistung von 110.000 Picks, das entspricht 60 Prozent unseres Gesamtausstoßes im Trockensortiment. Im August nehmen wir auch den automatischen Warenausgang in Betrieb.