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Interview mit Dr. Jenna Bell Von wegen langweilig: Grünkohl ist hip

Susanne Klopsch | 16. Januar 2015

Bei gesundheitsbewussten US-Amerikanern macht Grünkohl das Rennen. Was sonst noch Trend ist und wird in den USA, das verrät die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Jenna Bell.

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Kein anderes Land hat unsere Ernährung und Ernährungsgewohnheiten so geprägt wie die USA. Zum Frühstück stehen Cornflakes, Frosties und Smacks auf dem Tisch, zum Mittagessen steuert man gerne McDonalds, Burger King, Subway und Pizza Hut an, und der Siegeszug von Popcorn, Donuts, Bagels, Muffins und Brownies ist nicht aufzuhalten. Die Kehrseite der Medaille: Mehr als ein Drittel der erwachsenen US-Amerikaner ist adipös – bei den Sechs- bis Elfjährigen sind es 18 Prozent, bei den 12- bis 19-Jährigen 21 Prozent (Quelle: Centers for Disease Control and Prevention). Übergewicht ist Ursache vieler Krankheiten wie Herz- und Koronarerkrankungen, Diabetes sowie unterschiedlichste Formen von Krebs und kostet das US-amerikanische Gesundheitswesen jährlich fast 150 Mrd. USD (ca. 126 Mrd. Euro).

Kein Wunder, dass Ernährungswissenschaftler, Ärzte und Ernährungsberater nach neuen gesunden Trends in der Ernährung suchen. Inzwischen hat man dieses Problem der USA auch auf allerhöchster Ebene erkannt: Präsidentengattin Michelle Obama macht sich seit einiger Zeit dafür stark, dass an den Schulen des Landes ein gesundes Mittagessen angeboten wird und mehr für die körperliche Bewegung an den Schulen gesorgt wird.

Im LP-Interview spricht Ernährungswissenschaftlerin Dr. Jenna Bell über die neuesten Ernährungstrends aus den USA

Welche Trends aus dem Jahr 2014 werden sich fortsetzen?
Dr. Jenna Bell: Nicht jeder Trend des Jahres 2014 wird sich 2015 erfolgreich fortsetzen, aber klar erkennbar ist, dass das Thema glutenfrei uns noch weiter sehr stark begleiten wird. Gluten ist Ursache einer Reihe von Krankheiten, wie Darmentzündungen und Allergien. Besser gesagt ist es der Gluten-Bestandteil Gliadin, ein Lektin (Protein), das in hohen Mengen den Darm undicht machen kann. Aber auch der positive Trend, sich in der Ernährung an örtliche und jahreszeitliche Gegebenheiten auszurichten, wird sich fortsetzen. Buy local ist hier das Motto – wer braucht Erdbeeren im Winter und Spargel aus China?

Welche Trends werden sich eher nicht fortsetzen bzw. stabilisieren?
Derzeit ist zu beobachten, dass sich der einstmalige Hype Agave eher abschwächt als weiter fortsetzt. Agave wird hauptsächlich als natürliches Süßungsmittel eingesetzt und wird nach und nach durch das wirkungsvollere, natürliche Süßungsmittel Stevia ersetzt. Auch der Trend Sojamilch hat seinen Zenith überschritten. Das liegt daran, dass es mittlerweile interessante Alternativen zu Sojamilch und Sojaprodukten gibt.

Und welcher neuer Trend wird uns in diesem Jahr beschäftigen?
Ganz oben steht natürliches Kokosnusswasser, aber auch Kaktuswasser ist total in. Sie sorgen für eine Flüssigkeitszufuhr ohne Zuckerzusatz, Kokoswasser verfügt über Vitamine, Mineralstoffe, Antoxidantien und Elektrolyte. Auch Aktivkohle hat die Tendenz, zum Trend zu werden. Sie wird schon seit vielen Jahren in der chinesischen und ayurvedischen Medizin zur Darmgesundheit und Entgiftung eingesetzt. Aktivkohle wird in den USA bereits Säften und anderen Getränken zugesetzt. Desgleichen Amaranth – das Powergetreide, das eigentlich kein Getreide ist, sondern ein Pseudogetreide. Die kleinen Amaranth-Körnchen bergen eine schier unglaubliche Fülle an leicht verwertbaren Nähr- und Vitalstoffen. Sehr zur Freude all jener, denen das Klebereiweiß im Getreide gesundheitliche Probleme bereitet, denn Amaranth ist absolut glutenfrei.

Kohl scheint ja ebenfalls in zu sein.
Oh ja, der gute alte Kohl erlebt eine Renaissance – Grünkohl, Weißkohl, Rotkohl und Co. sind in aller Munde. Kohl ist voller Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und zudem kalorienarm. Kohl wird zum Beispiel als Pizzabelag genutzt und mittlerweile sogar als Chips zum Knabbern angeboten.


Als weiterer Trend für 2015 sehe ich Yacon. Yacon gehört zu den gesündesten Süßungsmitteln, hat einen hohen Gehalt an Inulin und bietet gesunde Präbiotika. Yacon ist eine wunderbare Zuckeralternative, hilft beim Abnehmen und hat einen niedrigen glykämischen Index.

Das klingt ja alles sehr gesund. Gibt es auch Trends, die eher Mainstream sind?
Ganz angesagt sind derzeit die Cronuts, die Verbindung von Croissant und Donut. Im Getränkebereich werden sich die Water-Enhancers weiter durchsetzen: Das sind superkonzentrierte Sirups in verschiedenen Geschmacksrichtungen, die einfaches Wasser mit Geschmack und Süße, aber auch Vitaminen versehen. Auch zu beobachten ist, dass selbst gemachtes Essen für den Verbraucher immer wichtiger wird, das heißt: weg vom Massenfood und Massenproduktion. Zudem verwenden einige Hersteller nicht nur immer mehr natürliche Aromen und Zutaten, sie beschränken die Zahl der Zutaten auch auf maximal fünf.

Zur Person
Dr. Jenna A. Bell ist Ernährungswissenschaftlerin und Senior Vice President sowie Director of Food & Wellness bei Pollock Communications. Sie ist Bestseller-Autorin zahlreicher Ernährungs- und Diätbücher und schreibt Kolumnen für die US Weekly, Style, Men’s Health und Runner’s World. Sie tritt regelmäßig bei Ernährungssendungen der großen Sender wie ABC, NBC und FOX auf und hat eigene Radiosendungen. Die Ironman-Teilnehmerin berät zudem diverse Unternehmen zum Thema Sportlerernährung. Sie hat einen Doktor in Ernährung mit Auszeichnung der University of New Mexico, einen Master in Ernährung der University of New Hampshire.