Ben & Jerry’s droht der Verlust seines zweiten Mitgründers. Ben Cohen erwägt, das Unternehmen zu verlassen, sollte der angestrebte Rückkauf der Eismarke vom Lebensmittelkonzern Unilever scheitern. Er werde „nicht Teil einer Firma bleiben, die ihre soziale Mission nicht verwirklichen kann.“ Das sagte Cohen der „Süddeutschen Zeitung“.
Pro-palästinensische Eissorte kommt nicht
Sein Mitgründer Jerry Greenfield hatte bereits im September seinen Rückzug bekanntgegeben. Er warf Unilever vor, politische Aktivitäten unterbunden zu haben. „Jerry hat ein großes Herz und eine niedrige Toleranz für Konflikte. Er konnte diese ganze Situation nur schwer ertragen“, zitierte die Zeitung Cohen.
Die beiden Gründer haben eine Kampagne namens „Free Ben & Jerry’s“ gestartet. Ziel sei es, dass Unilever Ben & Jerry’s erlaube, ein unabhängiges Unternehmen mit sozial orientierten Investoren zu werden. Die Marke solle wieder frei sein, ihre soziale Mission zu erfüllen und ihre Werte ohne Kompromisse zu leben. So heißt es auf der Webseite der Kampagne. Dazu gehören deutliche politische Statements. So war Ben Cohen im Mai bei einer Protestaktion gegen den Gaza-Krieg im US-Kongress festgenommen worden. Die Markteinführung einer neuen Eissorte, die als „Solidarität mit dem palästinischen Volk“ gedacht war, hatte Unilever kürzlich abgelehnt.
Unilever weist Vorwürfe zurück
Greenfield und Cohen hatten sich beim Verkauf an Unilever im Jahr 2000 das Recht festschreiben lassen, für ihre Werte einzustehen. Beide blieben im Unternehmen, steuerten das Geschäft aber nicht mehr. Mehr als 20 Jahre lang habe man sich auch unter dem Dach von Unilever „für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenrechte“ eingesetzt, begründete Greenfield seinen Rückzug im September. Jetzt sei Ben & Jerry’s aber „zum Schweigen gebracht worden“, aus Angst, die Mächtigen zu verärgern.
Unilever wies die Vorwürfe zurück. Man sei anderer Meinung und habe ein „konstruktives Gespräch“ mit beiden Gründern gesucht. Unilever will sein Eiscreme-Geschäft inklusive Ben & Jerry’s in ein eigenständiges Unternehmen auslagern, hatte aber bislang keinen offiziellen Zeitpunkt genannt.