Geflügelpest Stallpflicht in Risiko-Regionen

Lebensmittel Praxis | 25. November 2014

Tierseuchen-Experten von Bund und Ländern haben vereinbart, eine Risikobewertung durch das Friedrich-Loeffler-Institut abzuwarten, die heute vorliegen soll. In Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gilt für Hühner und anderes Geflügel bereits in Gänze oder in bestimmten Regionen Stallpflicht.

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Baden-Württemberg und Sachsen verstärkten die Kontrolle von Wildvögeln. In Thüringen (1,7 Mio. Hühner) muss trotz der Gefahr durch das Vogelgrippe-Virus vorerst kein Geflügel in den Stall.

In Schleswig-Holstein betrifft die Stallpflicht vor allem Gebiete in der Nähe der Küste und größerer Gewässer, die von Wildvögeln als Rastplatz und Flugroute benutzt werden. Außerdem sollen die Beobachtung von Wildvögeln ausgeweitet und das bestehende Hausgeflügel-Monitoring fortgesetzt werden.

In Nordrhein-Westfalen sollen Gebiete in Ostwestfalen, am Niederrhein und im Münsterland als Risiko-Regionen eingestuft werden. Die Stallpflicht gelte für konventionelle Betriebe, Bio-Betriebe und private Halter von Hausgeflügel. Alle freilaufenden Legehennen, Masthühner und Puten, aber auch Enten und Gänse oder sonstiges Geflügel müssen bis auf Weiteres in ihren Ställen bleiben, um einen direkten Kontakt zu Wildvögeln zu vermeiden.

In Mecklenburg-Vorpommern mit seinen 13 Mio. Stück Nutzgeflügel sowie in einigen Regionen Niedersachsens und Brandenburgs gibt es bereits eine Stallpflicht. Von der Stallpflicht ausgenommen sind in Mecklenburg-Vorpommern  lediglich Tauben, die als nicht anfällig für die Vogelgrippe gelten. Als Einstallung gilt auch die Unterbringung in überdachten Volieren.

Am Freitag hatten die niedersächsischen Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim die Stallpflicht verordnet, nachdem in den Niederlanden in Grenznähe eine Geflügelfarm von dem Virus befallen worden war. Auch Landkreise können nach einer entsprechenden Risikoeinschätzung für ihren Bereich eine Stallhaltung anordnen. Eine solche behördliche Anordnung ist z. B. für Legehennen-Halter wichtig, die Freilandeier produzieren. Dann nämlich dürften die Eier weiterhin als Freiland-Eier vermarktet werden, auch wenn die Tiere für maximal zwölf Wochen innerhalb eines Jahres in den Ställen gehalten werden mussten.

Bei Rügen war am Wochenende das Vogelgrippe-Virus H5N8 erstmals in Europa bei einem Wildvogel, einer Krickente, bestätigt worden. Der Nachweis stütze die Hypothese, dass Wildvögel an der Übertragung beteiligt seien. Der Ornithologe Franz Bairlein von der Vogelwarte Helgoland hält aber auch den internationalen Handel für eine Möglichkeit der Übertragung. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Vogelgrippe über einen Wildvogel übertragen wurde, ist nicht größer, als dass es über internationale Tierprodukte erfolgt ist“, sagte er. „Wir müssen überlegen, wie ein so scheuer Wildvogel mit aufgestallten Puten in einem Mastbetrieb in Kontakt kommen sollte“, sagte Bairlein in Anspielung auf den ersten Fall in Deutschland Anfang November in Heinrichswalde (Landkreis Vorpommern-Greifswald). Da seien noch viele Fragen offen. In Heinrichswalde mussten rund 30.000 Tiere getötet werden, nachdem 2.000 verendet waren.

Bei der Mecklenburger Landpute GmbH in Severin sind die freilaufenden Waldputen und Bio-Hähnchen schon seit einiger Zeit im Stall. Das haben man nach dem Ausbruch der Geflügelpest in Heinrichswalde vorsichtshalber gemacht, da man das Risiko nicht einschätzen könne, so Geschäftsführer Armin Kremer.

Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft begrüßt die in einzelnen Bundesländern bereits ausgesprochene Stallpflicht. Bei aller gebotenen Vorsicht mahnt er angesichts lediglich eines bestätigten Falles und eines zusätzlichen Befundes an einer Wildente dennoch zur Besonnenheit. Fälschlicherweise sei in Medienberichten von der Einberufung des nationalen Krisenstabs die Rede gewesen. Das Bundesministerium habe ausdrücklich bestätigt, dass der Krisenstab nicht einberufen wurde, sondern dass lediglich ministeriumsintern täglich eine Runde auf Fachebene zur Bewertung der Lage zusammenkomme.