„In allen Bereichen haben wir ein Minus zu verzeichnen. Das ist keine gute Entwicklung, aber sie spiegelt die wirtschaftliche Realität vieler produzierender Unternehmen in Deutschland wider.“ Das sagte IPV-Geschäftsführer Karsten Hunger zum Auftakt der Mitgliederversammlung. Geopolitische Spannungen, Handelskonflikte, volatile Energiepreise und wachsende regulatorische Anforderungen stellen Unternehmen ihm zufolge vor große Herausforderungen. Gleichzeitig stehe die industrielle Basis Deutschlands unter Druck; die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts bleibe eine drängende Frage.
Nach Schätzungen des IPV sank der Branchenumsatz 2025 um 0,7 Prozent auf rund 2,045 Milliarden Euro. Für 2026 zeichnet sich bislang keine grundlegende Trendwende ab: Im ersten Halbjahr 2026 blieben die Absatzmengen auf niedrigem Niveau stabil. Auch die Hersteller von Servietten und Tischdecken aus Zellstoff verzeichneten 2025 rückläufige Mengen und Umsätze.
„Unsere Mitgliedsunternehmen behaupten sich in einem ausgesprochen schwierigen Umfeld. Schwache Konjunktur, hohe Kosten und immer neue regulatorische Anforderungen treffen gleichzeitig aufeinander. Gerade deshalb brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen, die Investitionen und Innovationen ermöglichen, statt zusätzliche Unsicherheit zu schaffen.“ Das erklärte Jens Vonderheid, Vorstandssprecher des IPV.
Differenziertes Bild auf der Nachfrageseite
Die Entwicklung der IPV-Branche fügt sich in das insgesamt rückläufige Bild der deutschen Verpackungsindustrie ein. Deren Produktionswert ging 2025 um 1,7 Prozent auf 36,4 Milliarden Euro zurück, die Produktionsmenge sank um 2,4 Prozent auf rund 16,7 Millionen Tonnen. Der Umsatz der Papier-, Karton-, Pappe- und Folienverarbeitung verringerte sich um 1,0 Prozent auf 20,03 Milliarden Euro.
Material bleibt der wichtigste Kostenblock für die Hersteller flexibler Verpackungen und die Serviettenindustrie. Trotz schwacher Konjunktur lässt aus IPV-Sicht die erhoffte Entlastung auf der Kostenseite auf sich warten. Auch bei den Personalkosten besteht aus Sicht des IPV angesichts der weiterhin angespannten Erlössituation nur begrenzter Spielraum. Gleichzeitig bleiben Fach- und Arbeitskräfte knapp.
Auf der Nachfrageseite zeigt sich ein differenziertes Bild. Der für flexible Verpackungen besonders wichtige Lebensmittelhandel konnte 2025 nominal zwar um 3,4 Prozent zulegen. Real betrug das Wachstum jedoch lediglich 1,1 Prozent. Der Außer-Haus-Markt, ebenfalls ein wichtiger Absatzbereich für flexible Serviceverpackungen und Servietten, verzeichnete preisbereinigt sogar einen Rückgang von 2,1 Prozent.
PPWR fordert Branche heraus
Neben der konjunkturellen Situation bestimmen vor allem neue regulatorische Anforderungen die Verbandsarbeit. Seit dem 12. August 2026 gilt die europäische Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (PPWR) unmittelbar in allen EU‑Mitgliedstaaten. Sie bringt unter anderem neue Vorgaben zu Verpackungsvermeidung, Recyclingfähigkeit, Rezyklateinsatz und Herstellerverantwortung. Zahlreiche Details werden allerdings erst durch weitere Durchführungsrechtsakte und delegierte Rechtsakte konkretisiert.
Der IPV hat seine Mitgliedsunternehmen deshalb mit Informationsschreiben, Webinaren, Workshops, Leitfäden und Vorlagen auf die neuen Anforderungen vorbereitet. Hinzu kommen weitere Themen wie das Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz, die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR), die deutsche Druckfarbenverordnung sowie die Diskussionen um kommunale Verpackungssteuern und eine nationale Kunststoffverpackungssteuer. Die Pläne der Regierung zu letzterem konkretisierten sich im Laufe der Tagung durch einen ersten Entwurf und sorgten für zusätzliche Diskussionen im Rahmen der IPV-Veranstaltung.
Verweis auf Erfahrungen mit der EUDR
Karten Hunger: „Die Herausforderung besteht inzwischen nicht mehr nur darin, neue Vorschriften zu kennen. Unsere Unternehmen müssen wissen, wie sie diese rechtssicher und zugleich wirtschaftlich in der betrieblichen Praxis umsetzen können. Genau hier liegt eine unserer wichtigsten Aufgaben als Verband: Regulierung einzuordnen, Wissen zu bündeln und unseren Mitgliedern konkrete Hilfestellungen an die Hand zu geben.“
Er verweist dabei auch auf die Erfahrungen mit der EUDR. Die Ende 2025 vorgenommenen Verschiebungen und inhaltlichen Anpassungen hätten gezeigt, dass praktische und konzeptionelle Schwächen bei der Umsetzung durchaus zu Veränderungen regulatorischer Vorgaben führen könnten. Der IPV informiert seine Mitglieder fortlaufend über die EUDR. Er hat gemeinsam mit Verbänden der Papiererzeugung und -verarbeitung entsprechende Informationsmaterialien erarbeitet.
Flexible Verpackungen erfüllen zentrale Funktion
Nach Auffassung des Verbandes sind Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg keine Gegensätze. Eine wettbewerbsfähige Industrie sei vielmehr Voraussetzung dafür, in neue Technologien und nachhaltige Lösungen investieren zu können. Ziel der Verbandsarbeit bleibt es deshalb, die Wettbewerbsfähigkeit der Mitgliedsunternehmen zu stärken, Innovationen zu ermöglichen und praktikable Lösungen für die Branche voranzutreiben. Vonderheid betont: „Flexible Verpackungen erfüllen eine zentrale Funktion in modernen Versorgungsketten: Sie schützen Produkte, verlängern Haltbarkeiten und tragen dazu bei, Lebensmittelverluste zu reduzieren. Diese Leistung muss in der politischen Diskussion stärker berücksichtigt werden. Nachhaltigkeit gelingt dauerhaft nur mit einer wettbewerbsfähigen industriellen Basis.“