BVE-Studie Rohstoffkosten setzen Branche mehr zu als Verfügbarkeit

Für die deutsche Ernährungsindustrie sind steigende Beschaffungskosten zum größten Risiko geworden – noch vor der Rohwarenverfügbarkeit. Die Unternehmen reagieren vor allem mit einer Diversifizierung ihrer Lieferketten. Beim Thema Resilienz hat die Branche jedoch Nachholbedarf: Nur jedes fünfte Unternehmen verfügt über ein entsprechendes Managementsystem.

Donnerstag, 24. September 2026, 14:21 Uhr
Manuel Glasfort
Rohstoffe wie Kakao haben eine enorme Preisrallye hinter sich. Nach einem Zwischentief zum Jahresbeginn hat der Preis wieder deutlich zugelegt. Bildquelle: European Cocoa Association

Steigende Beschaffungskosten haben die Rohwarenverfügbarkeit als größtes Risiko für die deutsche Ernährungsindustrie abgelöst. Das geht aus einer Studie der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und der AFC Risk & Crisis Consult hervor, an der 330 Verantwortliche aus Unternehmen der Branche teilnahmen. 81 Prozent der Befragten sehen sich demnach mit steigenden Beschaffungskosten konfrontiert. Eine verminderte Rohwarenverfügbarkeit nannten 65 Prozent, verlängerte Lieferzeiten 57 Prozent.

Die Unternehmen reagieren laut der Studie zunehmend mit strukturellen Maßnahmen: 70 Prozent setzen auf eine stärkere Diversifizierung ihrer Lieferketten, mehr als die Hälfte passt ihre Beschaffungsstrategie an, und 43 Prozent verstärken den regionalen Rohwarenbezug. Die Erhöhung von Lagerbeständen oder der Rückzug aus einzelnen Bezugsländern verlieren den Angaben zufolge dagegen an Bedeutung. „Die Ernährungsindustrie hat in den vergangenen Krisenjahren bewiesen, dass sie auch unter schwierigsten Bedingungen liefer- und handlungsfähig bleibt“, erklärte Kim Cheng, Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, in der Mitteilung.

Beim klassischen Krisenmanagement zeigt sich die Branche nach eigenen Angaben breit aufgestellt: 97 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, auf Produktkrisen vorbereitet zu sein, 81 Prozent auf betriebliche Krisen. Bei Compliance-Krisen waren es 66 Prozent, bei Reputationskrisen lediglich 50 Prozent. Deutlich weniger verbreitet ist ein umfassendes Resilienzmanagement – nur 20 Prozent der Unternehmen haben den Ergebnissen zufolge bislang ein entsprechendes Managementsystem eingeführt. Dabei verschiebt sich die Wahrnehmung der Schwachstellen: Standen 2024 noch technische und finanzielle Faktoren im Vordergrund, bewerten die Befragten inzwischen organisatorische Faktoren wie Führungskultur, Veränderungsmanagement und Ressourcenverfügbarkeit als besonders kritisch.

Ernährungsindustrie investiert deutlich mehr in Cybersicherheit

Deutliche Fortschritte verzeichnet die Studie bei der Cybersicherheit. 88 Prozent der Unternehmen investieren demnach in IT-Systeme und Netzwerksicherheit, 84 Prozent setzen auf mehrstufige Datensicherung und 81 Prozent auf Schulungen der verantwortlichen Mitarbeiter. Zwei Drittel haben ein Informationssicherheits-Managementsystem aufgebaut. In sämtlichen abgefragten Bereichen hätten die Unternehmen ihre Maßnahmen gegenüber 2024 verstärkt, heißt es in der Mitteilung.

Lena Meinders, Geschäftsführerin der AFC Risk & Crisis Consult, betonte, dass die Branche zwar wichtige Fortschritte gemacht habe, aber weiteres Potenzial bestehe: „Unternehmen müssen ihre kritischen Prozesse und Abhängigkeiten kennen, Szenarien durchspielen und klare Strukturen für Prävention, Reaktion und Wiederanlauf schaffen.“

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