Die Ernährungswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg steht unter erheblichem Druck. Etwa die Hälfte der befragten Unternehmen in beiden Bundesländern verzeichnet sinkende Erträge beziehungsweise eine verschlechterte Gewinnsituation. Das geht aus zwei Umfragen hervor, deren Ergebnisse die Marketinggesellschaft der Agrar- und Ernährungswirtschaft Mecklenburg-Vorpommern und der Agrarmarketingverband Pro Agro in Brandenburg veröffentlichten.
Insgesamt befragten die beiden Verbände nach eigenen Angaben 164 Unternehmen – 68 in Mecklenburg-Vorpommern und 96 in Brandenburg. Die Erhebungen seien weder repräsentativ noch methodisch unmittelbar vergleichbar, heißt es. Dennoch zeichnen beide Umfragen laut den Verbänden ein einheitliches Bild: Steigende Kosten, begrenzte Möglichkeiten zur Preisanpassung und eine schwächere Nachfrage engen die finanziellen Spielräume der Hersteller ein.
Modernisierung und Automatisierung in Gefahr
Vor dem 9. Norddeutschen Ernährungsgipfel in Warnemünde, der heute begann, warnte der Vorsitzende der Marketinggesellschaft, Tobias Blömer, vor den Folgen dieser Entwicklung. „Wenn jeder zweite Betrieb einen Ertragsrückgang meldet und mehr als ein Drittel Investitionen kürzt, werden Modernisierung und Automatisierung verschoben“, sagte er. Halte dieser Trend an, gerieten Arbeitsplätze und Standorte unter Druck.
Die Ernährungsindustrie zählt in beiden Bundesländern zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. In Mecklenburg-Vorpommern stellt sie den Angaben zufolge den größten Industriezweig dar: In 88 Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten arbeiten demnach über 14.400 Menschen und erwirtschaften rund 4,5 Milliarden Euro im Jahr. Das entspreche etwa einem Drittel des Umsatzes im verarbeitenden Gewerbe des Landes. In Brandenburg beschäftigen laut Angaben des Statistischen Bundesamtes für 2024 insgesamt 160 Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern rund 12.174 abhängig Beschäftigte und setzen 4,62 Milliarden Euro um.