Deloitte-Umfrage Mehrheit der Verbraucher will wegen Zuckersteuer weniger Süßgetränke kaufen

77 Prozent der Deutschen wollen ihren Konsum zuckerhaltiger Getränke einschränken oder ganz aufgeben, zeigt eine Erhebung von Deloitte. Vor allem Vielkonsumenten reagieren auf den erwarteten Preisaufschlag – allerdings weniger aus Gesundheitsgründen als aus Kostenbewusstsein. Handel und Hersteller stehen vor der Frage, wie sie ihre Sortimente anpassen.

Donnerstag, 05. November 2026, 11:34 Uhr
Theresa Kalmer
Laut Deloitte würden 37 Prozent der Verbraucher bei einer Zuckersteuer auf Getränke mit Süßstoffen ausweichen, weitere 27 Prozent auf zuckerreduzierte Produkte. Bildquelle: Getty Images

Die geplante Zuckersteuer auf gesüßte Getränke könnte das Kaufverhalten der Verbraucher in Deutschland spürbar verändern. In einer repräsentativen Umfrage der Unternehmensberatung Deloitte unter 1.000 Personen gaben 77 Prozent der Befragten an, ihren Konsum zuckerhaltiger Getränke reduzieren oder ganz einstellen zu wollen. Die Erhebung fand nach Angaben von Deloitte vom 16. bis 21. Oktober statt und erfasste damit erste Reaktionen nach dem Kabinettsbeschluss der schwarz-roten Bundesregierung zur Zuckersteuer. Ob die Zuckersteuer in dieser Form aber kommt, ist zuletzt wieder unsicherer geworden: Verschiedenen Medienberichten zufolge meldet die Union neuen Gesprächsbedarf an.

Besonders preissensibel reagieren nach der Deloitte-Erhebung Vielkonsumenten, die mindestens einmal täglich zu zuckerhaltigen Getränken greifen. Von ihnen würden laut der Befragung 69 Prozent ihren Konsum einschränken oder einstellen. Für 58 Prozent dieser Gruppe sei die Vermeidung des Preisaufschlags der wichtigste Grund, ihr Kaufverhalten zu ändern. Gesundheitliche Motive spielten bei ihnen eine untergeordnete Rolle: Nur 36 Prozent nannten den Wunsch nach gesünderer Ernährung, 34 Prozent den Wunsch nach weniger Zucker. Diese Gruppe der Vielkonsumenten ist den Ergebnissen zufolge im Schnitt jünger und einkommensschwächer als die übrigen Befragten. Bei Gelegenheitskonsumenten hingegen nannten die Befragten finanzielle und gesundheitliche Motive etwa gleich häufig.

Für den Lebensmittelhandel dürften die Ergebnisse unmittelbare Konsequenzen haben. Fast jeder zweite Befragte (48 Prozent) erwartet laut der Umfrage von Händlern ein erweitertes Sortiment an zuckerfreien und zuckerreduzierten Getränken. Bereits ein Steueraufschlag von 26 Cent pro Liter könnte demnach viele Verbraucher zum Wechsel bewegen. Vielkonsumenten erwarten vom Handel vor allem eine Abfederung der Preissteigerung, etwa durch Rabatte und Eigenmarken bei zuckerhaltigen Getränken (49 Prozent). Die übrigen Konsumenten wünschen sich dagegen vor allem eine Erweiterung des Sortiments um zuckerreduzierte oder zuckerfreie Rezepturen (50 Prozent).

Die Umfrage zeigt zugleich, dass die Zuckersteuer nicht automatisch zu einer Abkehr von süßem Geschmack führt. 37 Prozent der Befragten wollen laut Deloitte auf Getränke mit Süßstoffen ausweichen, 27 Prozent auf zuckerreduzierte Produkte. „In welchem Umfang Hersteller und Händler die Zuckersteuer an Konsumentinnen und Konsumenten weitergeben werden, ist derzeit noch unklar. Unsere Ergebnisse sprechen jedoch für eine erhebliche Lenkungswirkung der Maßnahme“, zitierte Deloitte den Handelsexperten und Partner Egbert Wege in der Mitteilung. Hersteller und Händler seien „gut beraten, ihr Portfolio zu überdenken, um sich auf die veränderte Nachfrage vorzubereiten“, so Wege weiter.

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