Lebensmittel-Online-Handel Vorerst eine Nische

Lebensmittel Praxis | 19. März 2012

Der Online-Lebensmittelhandel in Deutschland wird in den nächsten Jahren ein Nischenmarkt bleiben. Er hat aber das Potenzial bis zum Jahr 2016 von derzeit 0,2 Prozent (Umsatzvolumen: 200 Mio. Euro) auf 1,5 Prozent des gesamten deutschen Lebensmittelmarktes anzuwachsen.

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Dies geht aus einer Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney und der Universität zu Köln hervor, für die rund 700 Verbraucher sowie Führungskräfte aus dem Einzelhandel befragt wurden. Bisher verfügen 82 Prozent der befragten Verbraucher über keinerlei Erfahrung mit dem Online-Lebensmittelhandel und weniger als 1 Prozent kauft monatlich Lebensmittel über das Internet ein. Bedenken gibt es insbesondere bei der Qualität frischer Lebensmittel. Die großen Vollsortimenter können das Online-Lebensmittelangebot als ein Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb nutzen und von der Stärkung des Kerngeschäfts sowie einer verbesserten Markenakzeptanz profitieren. Reine Online-Händler sollten laut Studie ihre Anstrengungen auf größere Städte und Ballungszentren fokussieren. Flächendeckende Angebote werde es in den kommenden fünf Jahren nicht geben.

Zudem sind 73 Prozent der Befragten mit den traditionellen Einkaufsmöglichkeiten zufrieden und etwa die Hälfte (52 Prozent) sieht aktuell gar keinen Mehrwert, Lebensmittel über das Internet zu beziehen. „Mangelndes Vertrauen ist der Hauptgrund für die bisherige Zurückhaltung beim Online-Lebensmittelhandel", sagt Dr. Mirko Warschun, Partner bei A.T. Kearney und Leiter des Beratungsbereiches Konsumgüterindustrie und Handel in Deutschland, Österreich und der Schweiz: „70 Prozent der Befragten bestellen nicht über das Internet, da sie die Lebensmittel nicht sehen und fühlen können, 62 Prozent haben Bedenken bei der Produktqualität." Den Mangel an persönlichem Kontakt nannten 22 Prozent der Befragten als Ursache für die Kaufzurückhaltung. 9 Prozent antworteten, dass sie kein Online-Lebensmittelangebot in ihrer Stadt kennen würden, 5 Prozent äußerten Sicherheitsbedenken.

Einen Mehrwert sehen die Verbraucher vor allem durch den Lieferservice. 51 Prozent der Befragten, die bereits Erfahrungen mit dem Online-Lebensmittelhandel gesammelt haben, nannten diesen als wichtiges Bestellkriterium. Die Einzigartigkeit der online bestellten Produkte gaben 40 Prozent als Grund an, gefolgt von Neugier (36 Prozent) und Zeitersparnis (30 Prozent). Nur 17 Prozent der Befragten führten günstigere Preise an. Selbstabholung der Ware ist weniger beliebt. Bevorzugt wird die Lieferung (76 Prozent). Umgekehrte Aussagen ergeben sich, wenn es um Frischeprodukte geht.

Für reine Online-Händler, wie Gourmondo oder lebensmittel.de, ist derzeit die Auslieferung zum Kunden von einem Zentrallager aus Standard. Einzelhändler wie Rewe bieten zum Beispiel die Auslieferung von der Filiale nach Hause oder aber einen filialbasierten "Click-and-Collect"-Service an. Einen "Click-and-Collect"-Service von einem Zentrallager testen derzeit Real und Globus in einem Pilotprojekt.