Wenn ich meinem jüngeren Ich einen Rat geben könnte, dann wäre es dieser: Trau dich, sichtbar zu werden. Heute bin ich 27 Jahre alt und arbeite bei der Rewe Dortmund in der Unternehmenskommunikation. Ich bin nicht geradlinig hier angekommen. Ich habe mein erstes Studium abgebrochen, ein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht, dann Lehramt studiert und wieder aufgehört. Erst als ich während des zweiten Studiums als Werkstudentin bei der Rewe angefangen habe, wusste ich: Hier möchte ich bleiben. Lange war unklar, ob daraus eine Festanstellung wird. Seit Februar 2025 arbeite ich in der Unternehmenskommunikation in Vollzeit.
Der eigentliche Wendepunkt in meiner Karriere war aber ein anderer. Im Oktober 2025 habe ich angefangen, Videos über Outfits und andere Schönheitsthemen auf der Social-Media-Plattform Tiktok zu veröffentlichen. Vorher habe ich mir viele Gedanken gemacht, ob das überhaupt zu meinem Berufsleben passt. Ich hatte Angst, dass Kolleginnen oder Kollegen meinen Account entdecken. Ich hatte Sorge, nicht mehr ernst genommen zu werden. Und dann ist genau das Gegenteil passiert.
Bei der Rewe Dortmund konnte ich meinen eigenen Modestil leben. Niemand hat mir vorgeschrieben, wie ich auszusehen habe. Ich trage Röcke über Hosen, knallige Farben und im Winter eine Mütze, die mir meine Mutter gestrickt hat. Statt Kritik kamen Komplimente. Kollegen sprachen mich auf meine Videos an. Aus einem kurzen „Hallo“ wurden Gespräche über gemeinsame Interessen. Plötzlich war da eine Verbindung. Ich habe recht schnell gemerkt: Wenn Menschen etwas von dir wissen, fällt der erste Schritt viel leichter.
Mit diesem Rückenwind ist auch mein Selbstvertrauen gewachsen. Anfang des Jahres habe ich eingefordert, Ausbildungsbeauftragte zu werden. Früher hätte ich mich wahrscheinlich nicht getraut, diesen Wunsch auszusprechen. Heute weiß ich, dass niemand darauf warten sollte, dass andere ihn entdecken.
Sogar ein kleiner Traum ist durch meine Posts auf Tiktok für mich wahr geworden. Für einen Artikel in einem Magazin durfte ich meine Outfits in den Büros der Rewe Dortmund fotografieren. Wenn ich an mein jüngeres Ich denke, sehe ich ein Mädchen, das oft gesagt hat: „Ich schaffe das nicht. Ich traue mich nicht.“ Heute denke ich anders. Ich mache es einfach.
Deshalb empfehle ich auch den Auszubildenden, die ich begleite, einen Linkedin-Account anzulegen. Nicht, weil jeder Influencer werden muss. Sondern weil es hilft, als Mensch sichtbar zu sein. Denn Chancen entstehen oft nicht nur durch das, was du kannst. Sondern auch dadurch, dass andere davon wissen.
