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Chinesen Souvenirs, Souvenirs

Klaus Schwarz | 12. Juni 2017
Chinesen: Souvenirs, Souvenirs

Bildquelle: Michael Nagy/Presse- und Informationsamt LH München

Europäische Produkte stehen bei chinesischen Touristen hoch im Kurs.Doch beim Einkauf hierzulande stehen sie oft vor verschlossenen Türen. Internationale Händler zeigen, wie man das vermeidet.

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Geht man sonntags durch unsere alten, teils restaurierten Städte, begegnet man immer öfter chinesischen Touristen, die von zahlreichen Reisebussen an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten ausgespuckt werden. Da das Shoppingerlebnis für solche Gruppen fast noch wichtiger ist als Kölner Dom oder Neuschwanstein, herrscht oft Verwirrung, weil unsere Läden sonntags geschlossen sind – offiziell jedenfalls. Ausnahmen bilden Souvenirshops. Dort findet man aber inzwischen auch Produkte, die bei Chinesen ganz hoch im Kurs stehen – also zum Beispiel Kochgeschirr, Rasierapparate, Küchengeräte oder Wasserfilter. Vorschriftsmäßig weisen diese Läden darauf hin, dass man sonntags ausschließlich Reiseandenken verkauft. Aber für viele chinesische Touristen gilt der Dampfkochtopf von WMF oder der Brita-Wasserfilter als Reiseandenken. Dieses wird dann selbstverständlich „taxfree“ ins Reich der Mitte verschickt. Möglicherweise wurden das gekaufte Produkt oder seine Elemente sogar in China produziert und hätten eigentlich gar nicht erst über den Ozean oder demnächst über die reaktivierte Seidenstraße transportiert werden müssen. Dort aber hätte man das identische Produkt vielleicht gar nicht gekauft, weil aufgrund schlechter Erfahrungen das Vertrauen fehlt. Nachdem sich die chinesischen Touristen dann in einem deutschen China-Restaurant über das Essen gewundert haben, trifft man viele von ihnen bei Starbucks. Diese Attraktion kennen sie oft schon aus ihrer Heimat.

Der europäische und amerikanische Handel sowie Produkte aus Japan, Australien oder Neuseeland haben ja inzwischen Wege gefunden, chinesische Konsumenten in den entferntesten Winkeln des Landes beliefern zu lassen. Alibaba bzw. Tmall oder JD.com machen es möglich. Diese Absatzwege beschreiten zunehmend Aldi, Colruyt (Belgien) Sainsbury’s (UK) Walmart/Sam’s Club oder auch Coop Italia. Obwohl es in China Bier (Tsingtau) nach deutscher Brautradition gibt, steht die belgische Eigenmarke Cara Pils von Colryut ganz hoch im Kurs. Das ergab ein Test von 50 Colruyt-Produkten. Sainsbury’s bietet 200 seiner Eigenmarken an, die teilweise über die ehemalige Kolonie Hong Kong nach China gelangen. Italienische Produkte genießen ja weltweit eine Art Kult-Status, wobei etliche Produkte schon von Marco Polo auf seinen Chinareisen entdeckt und nach Italien gebracht wurden.

Coop Italia hat nun entdeckt, dass der chinesische Konsument offenbar seine Produkte zu schätzen weiß. Dabei geht es auch um Lebensmittel. Diese können chinesische Verbraucher über die Plattform WeChat erhalten. Seit Mitte Mai sind in China nicht nur Walmart-Produkte, sondern auch die der Walmart-Tochter Sam’s Club erhältlich. Ein 200 Artikel umfassendes Sortiment, welches bis zum Jahresende auf 700 Artikel wachsen soll, wurde bei JD.com aufgenommen. Produkte, für die Körperpflege, Babynahrung und Nahrungsergänzungsmittel sind dabei besonders gefragt sind. Voraussetzung ist, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, und nicht zu enttäuschen. Diese Binsenweisheit gilt nicht nur für chinesische Touristen. Aber wer sie einmal intensiver beobachtet, wird an die enorme Bedeutung erinnert, die das Vertrauen in den Beziehungen Hersteller-Handel-Konsument einnimmt.