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Ecocare Nachhaltige Projekte auf dem Prüfstand

Bettina Röttig | 19. September 2014

Mit dem Nachhaltigkeitspreis Ecocare möchte die LP das Engagement der Ernährungsbranche unterstützen und fördern. Wir stellen die nominierten Konzepte 2014 vor.

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Ein Gefühlschaos aus Stolz, Freude und Prüfungsangst kann etwas sehr Positives sein. Zumindest für die Vertreter von sechs Unternehmen, die sich am Morgen des 22. September 2014 auf den Weg ins Food-Hotel Neuwied machen werden. Denn für sie bedeutet die Achterbahn der Gefühle eine Nominierung für den internationalen Nachhaltigkeitspreis Ecocare 2014 der LEBENSMITTEL PRAXIS, der am selben Tag verliehen wird.

Auf dem Weg hierher haben die Unternehmen mehrere Hürden nehmen müssen, sich in dem gut drei Monate dauernden Auswahlverfahren mit ihren Nachhaltigkeits-Konzepten durchsetzen und überzeugen müssen. Je drei Bewerber hat die ‧Experten-Jury nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren in den Kategorien „Produkt“ und „Projekt“ für die Auszeichnung nominiert, doch nur einer pro Kategorie wird mit dem Pokal im Gepäck in sein Unternehmen zurückkehren und sich künftig mit der Auszeichnung gegenüber den Wettbewerbern, Kunden und Verbrauchern profilieren können.

Zum Greifen nahe und doch um die entscheidendste Hürde entfernt ist die Auszeichnung für jeden einzelnen Nominierten. Denn bevor das Gremium an diesem Vormittag seine finale Entscheidung trifft, wird es die Nachhaltigkeits-Experten der nominierten Unternehmen noch einmal befragen. Denn die Jury schaut ganz genau hin, hakt zumeist mehrmals nach, um sicher zu gehen, dass alles verstanden wird und kein wichtiger Aspekt verloren geht.

In diesem Jahr gehören der Experten-Jury an: Uwe Bergmann (Director Sustainability Management bei Henkel), Dr. Daniela Büchel (Leiterin Corporate Responsibility, Corporate Marketing und Public Affairs der Rewe Group), Dr. Axel Kölle (Leiter des ZNU – Zentrum für nachhaltige Unternehmensführung, Uni Witten/Herdecke), Hans-Jürgen Matern (Leiter Nachhaltigkeit und ‧Regulierung der Metro Group), Dr. Michael Raß (Geschäftsführer der Teutoburger Ölmühle GmbH) und Bettina Röttig (LP-Redakteurin).

In der Kategorie Produkt wählte die Jury die Edeka Südwest Fleisch (Bio-Fleisch von Bioland zertifizierten Höfen), Henkel (Taft Volumen Powder) und Moltex Baby Hygiene (Moltex Nature No. 1) unter die Top Drei. Nominiert sind in diesem Jahr in der Kategorie Projekt: AgroMilagro Research (BioRegioOWL), die Develey Senf und Feinkost GmbH (Ganzheitliche energetische Optimierung und CO2-Emissionsminderung am Produktionsstandort Unterhaching) und Epta (Modernisierung der Produktion gewerblicher Kältetechnik am Standort Limana).


Agromilagro Research
BioRegioOWL

Bio-Qualität mit regionaler Herkunft gilt als Antwort auf den Wunsch der Verbraucher nach mehr Sicherheit und Transparenz im Lebensmittelangebot. Doch fehlende Strukturen, höhere Kosten und größerer Zeitaufwand verhindern z. T. die Zusammenarbeit zwischen Händlern und regionalen Bio-Erzeugern. In der Region Ostwestfalen-Lippe (OWL) wurden im Rahmen des Projektes BioRegioOWL seit Ende 2011 neue Regionalvermarktungsstrukturen für Bio-Lebensmittel aufgebaut, Erzeuger, Verarbeiter, Logistiker und Händler zusammengebracht und neue Betriebe zur Umstellung auf Bio-Landwirtschaft überzeugt. Im Juni 2013 konnten erste regional erzeugte Bio-Gemüsesorten aus dem Projekt für die 107 Filialen der Edeka Minden-Hannover in der Region geliefert werden, bis Mitte 2014 wurde das Angebot um Obst, Molkereiprodukte und Eier erweitert. Die logistische Koordination übernimmt die Marktgenossenschaft der Naturlandbauern in Lippetal-Lippborg. Die Produkte werden unter der Edeka-Regionalmarke „Bauers Beste Bio“ gekennzeichnet und mit der jeweiligen Erzeugeradresse versehen. AgroMilagro Research wurde von der ECOCARE-Jury für die erfolgreiche Umsetzung des Konzepts „BioRegioOWL“ in der Praxis nominiert. Das Projekt wurde finanziert vom Umweltministerium in Düsseldorf. Mitgewirkt an der Konzeption hat die Agentur TK-SCRIPT, darüber hinaus waren die Öko-Verbände in NRW, die Landwirtschaftskammer NRW und der Bundesverband der Regionalbewegung im Projektbeirat involviert.

Develey
Energetische Optimierung und CO2-Emissions-minderung in Unterhaching

2008 hat die Develey Senf & Feinkost GmbH damit begonnen, das Ziel eines ersten CO2-neutralen Produktions-Standorts zu verwirklichen. Das Projekt startete im Werk in Unterhaching mit der Neukonzipierung des gesamten Kesselhauses. Zahlreiche technischen Lösungen trugen dazu bei, dass Develey von 2011 an unterm Strich 14 Prozent Strom, 22 Prozent Biomüll und 49 Prozent an CO2 einsparen konnte, die verbleibenden Emissionen wurden neutralisiert. Im Zuge der Umrüstung wurde beispielsweise Heißwasser als Energieträger neu in die Produktion integriert, um Abwärmeströme aufnehmen und lenken zu können. Die Wärmeerzeugung mit fossilem leichtem Heizöl wurde um erneuerbare Tiefengeothermiewärme der Gemeinde Unterhaching ergänzt und alle dezentral bestehenden Kältesysteme durch eine zentrale Kälteerzeugungsanlage mit Kohlendioxid ersetzt, wodurch Develey in der Lage ist, einen großen Teil der Abwärme zu nutzen und diese der Produktion zurückzuführen.

Epta
Modernisierung der Produktion gewerblicher Kältetechnik in Limana

Nicht nur die Entwicklung effizienterer Kühlmöbel auf Basis natürlicher Kältemittel, sondern vor allem deren nachhaltige Produktion hat sich der Gewerbekälte-Spezialist Epta auf die Fahnen geschrieben. Mit der Modernisierung der Fertigungsanlage am größten Produktionsstandort in Limana, Italien, konnten u. a. der Energie- und Wasserverbrauch des Werks stark reduziert und die Produktivität des Lackierbereichs gleichzeitig verdoppelt werden. Das neue Blockheizkraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung deckt rund 37 Prozent des Energiebedarfs für Wärme und Elektrizität des Werks ab. Mit der Abwärme werden u. a. die Lackieröfen der neuen vollautomatischen Fertigungsstraße beheizt. Das Wasser, das für die Lackierung nötig ist, wird gesammelt, gereinigt und wiederverwendet. So sank der Frischwasserverbrauch 2013 im Vergleich zu 2012 um 20 Prozent. Eine Photovoltaikanlage, sparsame Beleuchtungssysteme und zahlreiche weitere Maßnahmen tragen zur Energieeffizienz bei.


Edeka Südwest Fleisch
Bio-Fleisch von Bioland zertifizierten Höfen

Die regionale Bio-Landwirtschaft stärken und höchste Bio-Qualität fördern – diese Ziele motivierten die Edeka-Südwest Fleisch zu einer Partnerschaft mit dem Anbauverband Bioland. Seit Mai 2013 sind erste Ergebnisse der Zusammenarbeit im Handel erlebbar. Zu diesem Zeitpunkt wurde das gesamte SB-Bio-Fleisch-Sortiment unter der Marke „Edeka Südwest Metzgergenuss – echt gut!“ , bestehend aus 20 Artikeln, von EU- auf Bioland-Qualität umgestellt und mit dem Zusatz „Bio-Fleisch von Bioland zertifizierten Höfen“ gekennzeichnet. Die Bioland-Schweine und -Rinder kommen aus dem Absatzgebiet der Regionalgesellschaft und werden im Betrieb der Edeka Südwest Fleisch in Rheinstetten komplett verarbeitet. Damit werden lange Transporte sowie der Export weniger gefragter Teilstücke vermieden. Laut Bioland-Landesverband Baden-Württemberg konnten der Bioland-Landwirtschaft in der Region durch die Kooperation ein deutlicher Schub verliehen sowie weiter e Bio-Betriebe und konventionell arbeitende Landwirte zur Umstellung auf Bioland gewonnen werden.

Henkel
Taft Volumen Powder

Jedes neue Henkel-Produkt muss einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. So lautet die klare Vorgabe an die Produktentwicklung des Düsseldorfer Konzerns. Gemäß der Henkel-Nachhaltigkeits-Strategie muss jedes Neuprodukt unter Beweis stellen, dass es in den definierten Bereichen „Sozialer Fortschritt“, „Gesundheit und Sicherheit“ sowie „Leistung“ dazu beiträgt, die Wertschöpfung zu erhöhen, in den Bereichen „Energie und Klima“, „Materialien und Abfall“ sowie „Wasser und Abwasser“ den Ressourcenverbrauch und den ökologischen Fußabdruck des Unternehmens weiter zu reduzieren. Eine Innovation mit deutlich verbesserter Nachhaltigkeitsbilanz im Vergleich zu anderen Produkten ist Taft Volumen Powder. Das Styling Puder, das Anfang 2012 eingeführt wurde, besteht hauptsächlich aus einer innovativen Silica-basierten, rieselfähigen Rezeptur, die den Einsatz von Treibgasen und Verpackungen aus Metall überflüssig macht. Das Ergebnis ist ein lei chteres und kleineres Produkt, das mit geringerem Rohstoffeinsatz eine höhere Anzahl von Anwendungen ermöglicht und Vorteile für die Logistik mit sich bringt. Unterm Strich bietet Taft Volumen Powder im Vergleich zu einem Styling Mousse einen um 90 Prozent geringeren CO2-Fußabdruck pro Anwendung, so die Berechnungen von Henkel. Mit jeder Produktanwendung, die Haarspray oder Stylingmousse ersetze, würden damit 15,5 g CO2 nicht emittiert.

Moltex Baby-Hygiene
Moltex Nature No. 1

Seit Einführung seiner ersten Öko-Windel 1991 arbeitet Moltex Baby Hygiene daran, die Kategorie Babywindeln im deutschen Handel grüner zu machen. „Die Verwendung von knappen Ressourcen wie beispielsweise Erdöl für ein Wegwerfprodukt mit einer Tragedauer von wenigen Stunden erscheint aus heutiger Sicht zumindest fragwürdig“, so die Erklärung des Unternehmens. Dem allgemeinen Trend zu Einmalwindeln aus 100 Prozent erdölbasierten Rohstoffen begegnet das Mayener Unternehmen mit der Weiterentwicklung seiner Ökowindel-Range unter dem Namen Moltex Nature No. 1. Ein Anteil von bis zu 50 Prozent nachwachsenden Rohstoffen, die Verwendung von 100 Prozent ohne Chlor gebleichter FSC-Zellulose sowie eines Sauggels mit einem Geruchsbinder, der aus einem Extrakt von Grünteeblättern gewonnen wird, sind Ergebnisse der stetigen Verbesserungen der Windel. Auch die Entwicklung nachhaltigerer Verpackungen auf Basis von Recyclingmaterialien zählt zu den Schwerpunktfeldern. Seit 2013 fokussiert sich Moltex verstärkt auf den Teil des Lebenszyklus nach dem Verkauf der Windeln und engagiert sich in Projekten zur Verwertung benutzter Windeln bzw. der Windelrohstoffe, beispielsweise im Rahmen einer Studie zur Windelabfallkarbonisierung zur Unterstützung des Fernwärmenetzes im Raum Mayen.