Länderreport USA:Eine geschmackvolle Lovestory

Bildquelle: Getty Images, Bungert

Länderreport USA Eine geschmackvolle Lovestory

Food-Originale aus den USA sind in Deutschland sehr gefragt. Daran ändert auch US-Präsident Donald Trump nichts. Das belegen ein expandierendes Angebot sowie die vielen US-Aktionen im Handel.

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„Egal, wohin die Zeit uns treibt: die Liebe bleibt“ – singt der deutsche Pop- und Rockmusiker Klaus Lage. Kein Morgen ohne Erdnussbutter auf dem Brötchen, Rocky Roads zur Stressbewältigung und ein breites Grinsen im Gesicht, wenn bei der Grillparty auf den Genuss hochpreisiger original amerikanischer Grillsaucen bei den Gästen Ahs und Ohs laut zu vernehmen sind. Kein Wunder also, hier handelt es sich um eine gewachsene Liebe.

Ob als Urlaubserinnerungen über den großen Teich „mitgebracht“ oder aus Fernsehserien aufgeschnappt sind: Amerikanische Lebensmittel sind aus heimischen Küchen, Haushalten und dem Barbecue-Umfeld nicht mehr wegzudenken.

Daran wird auch Donald Trump nichts ändern. So haben Deutsche zwar ein verheerendes Bild vom neuen US-Präsidenten. Das Ansehen der USA leidet darunter aber offenbar nicht, wie die amerikanischen Meinungsforscher vom Pew Research Center in einer neuen Großstudie herausfanden. „Obama ist noch immer sehr populär in Europa. Seine in Deutschland sogar gestiegenen Werte helfen dem Gesamtimage Amerikas“, sagt Richard Wike, der die Studie betreute, gegenüber Spiegel Online. Obama und die Deutschen, das bleibt eine Lovestory.

Eine Lovestory, die nicht am Herd endet. Auch Matthias Bungert, der gemeinsam mit seinem Bruder das gleichnamige Handelsunternehmen in Wittlich führt, hat bei seinen Kunden auf Rückfrage erfahren, dass es ihnen „schlichtweg egal ist“, welcher politische Wind in den USA gerade weht. Mehr noch: Das 240 Spezialitäten umfassende Sortiment an US-amerikanischen Produkten findet bei Kunden im 12.000 qm großen Shoppingcenter immer Anklang und ist damit „eine schöne Ergänzung zu unserem sonstigen Sortiment“, sagt der Lebensmittelhändler.

Rollende Food-Botschafter

Wie rollende Gastronomie und stationärer Einzelhandel zusammenkommen, zeigt das Wittlicher Handelsunternehmen Bungert mit seinen Foodtrucks. Die „Speisewagen“ fahren nach festen Tourenplänen. Von Dienstag bis Freitag können Kunden im Wittlicher Industriegebiet meist mit einem der sechs verschiedenen Original-Trucks rechnen. Das Angebot reicht von Burgern über Pulled Pork bis hin zur Currywurst. Ein besonderes Highlight ist der Smokin‘ Joe – ein Truck, in dem Fleisch vor den Augen der Kunden gesmokt wird. Wer will, der holt sich zum Dessert Frozen Yogurt aus dem Foodtruck nebenan. Zwei festangestellte Köche entwickeln eigens Rezepte dafür. Nebeneffekt: Wenn spannende Produkte am Foodtruck probiert werden, landen sie nicht selten beim Gang durch die LEH Abteilung des  Shoppingcenters im Einkaufswagen. Trucks als Frequenzbringer.

Lifestyle darf etwas kosten
Die USA sind als Land der Extreme bekannt. Die Lebensmittel sind billig und bunt oder äußerst hochwertig zu bekommen, beschreibt Sabine Ryan, Geschäftsführerin bei American Heritage, die Spannbreite. Als gourmetverdächtig gilt die US-amerikanische Küche eher nicht. Mit Ausnahmen. American Heritage importiert als kleines Familienunternehmen besondere Lifestyle-Produkte aus Amerika. Neben Dekorationsartikeln und Möbeln bietet man ein besonderes Feinkostsortiment über den Online-Handel und fünf Geschäfte an, die sich in besten Lagen von Hamburg, München, Stuttgart, Salzburg und Augsburg befinden. „Unsere Artikel sind alle hochpreisig, wie z. B. der wohl reinste Ahornsirup der Welt“, sagt Ryan.

Wer es authentisch liebt, also ein Produkt „Made in USA“ und zum Genuss auch Lebensgefühle wie Freiheit und Abenteuer sucht, muss meist tiefer in die Tasche greifen. Direktimporte, oftmals von kleinen hiesigen Unternehmen getätigt, sind mit Zöllen belegt, die sich in den Preisen widerspiegeln. Wer sich zum Beispiel Bourbon Barrel Aged Ahornsirup von Crown Maple, bei Heritage America im Online-Shop in den Warenkorb legt, zahlt für die 375 ml Flasche 29 Euro.

Qualität ist im kommen
Ähnlich sieht es bei US-Weinen aus. Nicht alle, aber viele kalifornische Weine gehören zu den besten weltweit. So wird Cabernet Sauvignon, der zum Ruhm dieses Weinbaugebietes beiträgt, fast ausschließlich für den Premiumbereich vinifiziert. Hier sind schon mindestens 10 Euro pro Flasche fällig.

Die USA haben noch mehr zu bieten: Grillfreunde schwören auf Nebraska-Steaks, natürlich dry aged gereift. Als weltweit zweitgrößter Rindfleischexporteur gehört Deutschland nicht zu den Top-Zielländern, wie Japan, Südkorea und Russland. Dafür tritt fast ausschließlich hochwertiges und hochpreisiges Beef den Weg über den Atlantik nach „Good old Germany“ an.

Hieber in Lörrach gehört zu den Supermärkten mit ausgezeichneter Fleischtheke, in der auch Nebraska-Beef nicht fehlt. Bei Grillevents für Kunden liegt selbstverständlich US-amerikanisches Premiumfleisch auf dem Grill. Nicht nur, aber auch. „Für viele Kunden ist es die beste Wahl, wenn es um Qualität und Genuss geht“, sagt Marktleiter Simon Strokol. Zudem lässt sich jederzeit am Steak-Point, der sich in unmittelbarer Nähe zur Fleischtheke befindet, im offen designten, stylishen Food Court mit urbaner Atmosphäre eine Vielfalt an Genussmöglichkeiten testen. Dazu gehören selbstverständlich auch Steaks und Burger.

Zum Dry-aged-Fleisch gehört einfach eine authentische Grillsoße. Fast 117,5 Mio. Euro haben die Deutschen zwischen Mai und August vergangenen Jahres in Grillsoße investiert. Hier geht der Trend zu hochpreisigen Soßen, Dips, Chutneys etc. im amerikanischen Stil. Dazu zählen z. B. Stonewall-Kitchen-Produkte wie Bourbon Molasses Barbecue Sauce oder Coconut Curry Simmering Sauce. Beide liegen preislich über der 10-Euro-Grenze.

Wer nach Rezepten mit Walnüssen sucht, wird auf der deutschen Homepage der California Walnut Commission fündig. Die Kommission aus kalifornischen Farmern und Händler will Deutsche für die kalifornische Nuss begeistern. Ob mit oder ohne Schale – Walnüsse aus Kalifornien stehen für höchste Qualität. Was den Import von Walnüssen aus den Vereinigten Staaten betrifft, ist Deutschland führend. Die kalifornische Walnussindustrie investierte seit 2009 mehr als 650.000 US-Dollar (ca. 580.000 Euro) in Schulungen und Forschungsprojekte zum Thema Lebensmittelsicherheit. Für die kommenden Jahre soll dieser Posten noch einmal erhöht werden, um bei Fragen zu Lebensmittelsicherheit und Qualitätssicherung immer auf dem neuesten Stand zu sein.

Es gelten Originalpreise
Bei der Generation Y und Z darf es manchmal auch fettig, süß oder kalorienreich sein. Dann, wenn ohne „Ernährungsbewusstsein“ Süßigkeiten, Burger, Süßgetränke oder Fertiggerichte in die Mägen gelangen. Bei Bungert dreht sich ein Instant-Produkt für Anfänger der amerikanisch-italienischen Küche am besten: Macaroni & Cheese für 2,99 Euro. „Eine Katastrophe, wenn da mal das Regal leer ist.“ Preislich steil nach oben geht es für den, der sich echt amerikanischer Schaumzuckerware verschrieben hat. Für 210 g Swiss Miss Marshmallow Lovers von Con-Agra- Foods verlangt Amazon Deutschland satte 10,50 Euro.

Amerikanische Event-Zutaten
Als direkter Nachbar der Air Base Spangdahlem ist die Wittlicher Bevölkerung „amerika-affin“. Daher gehören USA-Wochen einmal pro Jahr zu den Aushängeschildern des Unternehmens Bungert.

Um bei Kunden „Amerika-Feeling“ aufkommen zu lassen, arbeitet der Händler mit Dekoration im US-amerikanischen Stil. Frisch vor Ort zubereitete US-Barbecue-Grillspezialitäten können bei Live-Country-Musik verkostet werden.

Seit vielen Jahren bietet der Global-Player Lidl im Rahmen wechselnder Aktionswochen typische Spezialitäten aus verschiedenen Ländern an. „Hierzu zählt auch unsere Amerikanische Woche, in deren Rahmen wir – wie zuletzt in KW 12 – unter unserer Eigenmarke Mcennedy Produkte anbieten, die als typisch für die Vereinigten Staaten gelten. Hierzu zählen zum Beispiel Ahornsirup, Pancakes, Erdnussbutter oder Hähnchenfilets mit Dip“, berichtet Mario Koehler für die Pressestelle in Neckarsulm. Auch für die Zukunft wird an der „Amerikanische Woche“ als Aktionshighlight festgehalten. Das zeigt, dass US-Lebensmittel bei Deutschen nicht durch Trump verloren haben.