Länder-Report Thüringen Regional – alles andere als egal

Susanne Klopsch | 19. Mai 2015

Ursprünglichkeit und Authentizität sind Merkmale, die heute Verbraucher mehr denn je suchen. Produkte aus Thüringen überzeugen in dieser Hinsicht.

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Thüringer ticken regional. Sie lieben ihre Bratwurst, ihre Klöße und ihr Wasser. Das geht soweit, dass es seit geraumer Zeit eine Bratwurst-App gibt. Eine Bratwurst wird ja erst durchs Grillen zur typischen Besonderheit. Mit Hilfe der App erfährt der Bratwurstliebhaber, wo der nächste Thüringer Rost brennt. Dazu gibt man einfach den Ort oder die Postleitzahl an. Das Ergebnis gibt es postwendend – oder besser netzwerkabhängig schnell. Wer just heute den Ort Zella-Mehlis eingibt weiß, dass beispielsweise dort gerade vor dem Toom-Markt die frische Wurst vom Grill für 1,70 Euro zu haben ist. Sitzgelegenheiten inklusive. Initiator dieser App ist die Thuecom Medien GmbH, eine Agentur für Digital- und Printmedien.

Braucht das die Menschheit, fragt, man sich? Facebook-Nutzer geben Antwort: „Nicht schlecht, meistens kennt man nur die um die Ecke oder in einer anderen Stadt, wo man öfter ist. Ist man woanders, ist das bestimmt hilfreich“, so ein Eintrag. Eine andere Facebook-Nutzerin meint sogar: „Cool, jetzt noch eine für Thüringer Klöße bitte!“

Regionalität hat im Osten einen hohen Stellenwert. Vor allem im Frischebereich. Lokale und regionale Produkte sind für Kunden ein echter Mehrwert. Oftmals steht und fällt die Wahl der Einkaufsstätte mit diesem Punkt, gibt Torsten Perlick vom Globus-Markt in Isserstedt beim 1. Thüringer Ernährungsgipfel auf der Wartburg Herstellern und Händlern mit auf den Weg. Der Handel reagiert darauf und mit Etablierung von Eigenmarken mit regionalem Bezug. Mit gutem Grund. „Die emotionale Bindung ist wesentlich höher als zu einem unbekannten Produzenten in weiter Ferne und damit sind die Lebensmittel auch gefühlt wertvoller“, begründet Hans-Jürgen Kirsch, Globus-Einkaufsleiter für Obst und Gemüse.


Auch die Verarbeiter wissen um die enorme Bedeutung der Regionalität. So setzt man in Thüringen besonders auf durchgängige Produktions- und Absatzketten. Um den Thüringern ihre Lebensmittelunternehmen im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen zu führen, hatte das Thüringer Ernährungsnetzwerk Ende 2014 eine Kampagne in der Bild-Zeitung gestartet. „Wir wollen damit die Verbraucher für heimische lebensmittelproduzierende Unternehmen sensibilisieren“, beschreibt Doreen Ballauf, Geschäftsführerin des Thüringer Ernährungsnetzwerkes das Ziel. Die vier ganzseitigen Anzeigen unter den Mottos „Vielfalt“, „Tradition“, „Qualität“ und „Arbeitsplatzsicherung in der Region“ mit Abbildung der Unternehmenslogos wurden um einen redaktionellen Beitrag ergänzt.

Genau diesen Themen nimmt sich die neue Regierung aus Linken, SPD und Grünen an. „Die Nachfrage nach Produkten aus der Region fördert eine vielfältige Landwirtschaft und somit auch den Erhalt unserer Kulturlandschaft. Regionale Kreisläufe leisten weiterhin einen Beitrag zu Beschäftigung und Nahversorgung im ländlichen Raum – ein wichtiger Aspekt, wenn man der kontinuierlichen Abwanderung aus diesen Gebieten entgegenwirken möchte“, so die neue Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, Birgit Keller.

Regionale Produkte haben viele gute Gründe. Gründe, die der Verbraucher aber nur dann mit einem höheren Preis honoriert, wenn er dafür auch eine höhere Qualität erhält. Thüringer Lebensmittel haben traditionell einen guten Ruf, eine hohe Qualität. Als Wegweiser dafür dient seit Jahrzehnten das Prüfzeichen „Geprüfte Qualität aus Thüringen“. Um Verbraucher-anforderungen gerecht zu werden, ist die Überarbeitung der Güte- und Prüfbestimmungen des Qualitätszeichens derzeit in Arbeit. Ziel ist, Wertschöpfungsketten und Prozessqualitäten stärker zu betonen. Hohes Potenzial sieht die Ministerin noch bei der Integrierung regionaler Produkte in den Außer-Haus-Markt, wie zum Beispiel bei der Kita- und Schulverpflegung. Die Vernetzung der verschiedenen Ebenen steht dabei im Fokus. Auch das regionale Angebot an Bio-Produkten soll steigen. Dazu muss der Ökolandbau in Thüringen ausgebaut werden. Damit mehr Landwirte umsteigen, will die Landesregierung die Rahmenbedingungen so verbessern, dass für Landwirte ein Einstieg in die Ökolandwirtschaft verlässlicher und attraktiver gestaltet wird. Flankiert werden soll dieses Ziel mit einem Ökoaktionsplan. Der soll partnerschaftlich mit den Akteuren des ökologischen Landbaus erarbeitet und Ende des Jahres veröffentlicht werden. Bis 2020 sollen mindestens 10 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet werden. Ein sehr ambitioniertes Projekt.