Ein neues Bündnis fordert von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) die sofortige Einführung eines herstellerfinanzierten Reparaturbonus. Hersteller kurzlebiger Produkte sollen dabei mehr in einen Fonds einzahlen als Hersteller langlebiger und reparaturfreundlicher Produkte. Verbraucher, die ihr kaputtes Gerät reparieren lassen möchten, könnten sich die Kosten aus dem Fonds bezuschussen lassen. Um den Aufwand gering zu halten, sollte der Bonus direkt von der Reparaturrechnung abgezogen werden, statt einen aufwendigen Antrag vorauszusetzen. Auch Reparaturen in Repair-Cafés sollten gefördert werden.
Teil des Bündnisses aus 18 Organisationen und Unternehmen sind unter anderem der Runde Tisch Reparatur, der Verbraucherzentrale Bundesverband, der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), das Umweltbüro der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und der Paritätische Gesamtverband. Das Bündnis argumentiert, dass das neue Recht auf Reparatur zwar bei bestimmten Elektrogeräten wichtige technische Hürden beseitige, das grundlegende Problem hoher Reparaturkosten aber nicht löse. Die Bundesregierung hatte Ende September im Rahmen des Aktionsplans Nachhaltigkeit beschlossen, die Einführung eines herstellerfinanzierten Reparaturbonus zu prüfen.
Katrin Meyer, Geschäftsführerin des Runden Tischs Reparatur, sagt: „Reparaturbetriebe sichern regionale Wertschöpfung, qualifizierte Arbeitsplätze und schonen Ressourcen. Doch solange eine Reparatur oft teurer ist als ein Neukauf, geraten sie gegenüber der Wegwerfproduktion ins Hintertreffen. Ein bundesweiter Reparaturbonus würde die Entscheidung für eine Reparatur spürbar erleichtern.“ Entscheidend sei eine langfristig gesicherte Finanzierung durch die verantwortlichen Hersteller statt kurzlebiger Förderprogramme. Nur so erhielten Reparaturbetriebe die Sicherheit und Planbarkeit, die sie für Investitionen und Ausbildung benötigten. Meyer betont: „Reparieren muss wieder zum Standard werden.“
Erfahrungen aus dem In- und Ausland
Uwe Feige, VKU-Vizepräsident und Leiter des Kommunalservice Jena, erklärt: „Der beste Abfall ist der, der gar nicht erst entsteht. Die positiven Erfahrungen aus Thüringen, Sachsen und Berlin zeigen, dass finanzielle Anreize Reparaturen wirksam fördern. Deshalb fordert der VKU seit Langem einen bundesweiten, herstellerfinanzierten Reparaturfonds.“
Das Bündnis verweist auch auf Frankreich, wo seit Dezember 2022 ein Reparaturfonds besteht. Verbraucher erhalten bei zugelassenen Reparaturbetrieben unmittelbar einen Sofortrabatt auf die Reparaturkosten. Allein für Elektro- und Elektronikgeräte sind für den Zeitraum von 2022 bis 2027 rund 410 Millionen Euro vorgesehen.
Katja Kipping, Geschäftsführerin des Paritätischen Gesamtverbands, betont die soziale Dimension: „Reparieren darf keine Frage des Geldbeutels sein. Gerade Menschen in Armut und mit geringem Einkommen können sich Reparaturen aufgrund hoher Kosten häufig nicht leisten. Ein herstellerfinanzierter Reparaturbonus kann diese Hürde senken.“