Automatisierte Gastronomie An einer Münchner Tankstelle kocht jetzt ein Roboter

An einer Tankstelle im Münchner Südosten bereitet ein Kochroboter rund um die Uhr warme Mahlzeiten zu – von Käsespätzle bis Tom-Kha-Gai-Suppe. Für den Hersteller Goodbytz ist es der erste Einsatz an einer Tankstelle. Forscher erwarten, dass Kochroboter in wenigen Jahren so geschickt arbeiten wie Menschen.

Mittwoch, 14. Oktober 2026, 09:33 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Die Küchenroboter von Goodbytz stehen bereits an mehreren Standorten in Deutschland, nun auch an einer Münchner Tankstelle. Bildquelle: Goodbytz

An einer Tankstelle im Münchner Südosten kocht seit September ein Roboter warme Mahlzeiten – rund um die Uhr. Nach Angaben des Tankstellenbetreibers Allguth handelt es sich um den ersten öffentlich zugänglichen Kochroboter in München. Das Gerät bereitet Käsespätzle, Kaiserschmarrn oder Tom-Kha-Gai-Suppe in rund fünf Minuten zu.

Der Kochroboter stammt vom deutschen Hersteller Goodbytz und trägt den Namen Emma. Hinter einer Glasfront bewegen zwei Greifarme Kochschalen durch die einzelnen Arbeitsschritte. Das Gerät verfügt über eine Kühlung, drehbare Herdplatten und eine eingebaute Spülmaschine. Bis zu acht Gerichte kann der Roboter laut Hersteller gleichzeitig zubereiten, pro Stunde bis zu 120 Portionen. Ganz ohne Menschen funktioniert das System allerdings nicht: Die Zutaten müssen von Hand vorbereitet und aufgefüllt werden, auch die Reinigung des Roboters übernehmen Menschen. „Der Fachkräftemangel, steigende Betriebskosten und der Wunsch nach längeren Öffnungszeiten führen dazu, dass immer mehr Betreiber nach neuen Lösungen suchen“, zitierte das Unternehmen eine Sprecherin in einer Mitteilung.

Für das 2021 gegründete Unternehmen Goodbytz ist der Einsatz bei Allguth der erste an einer Tankstelle. Mitgründer Hendrik Susemihl erklärte, man wolle „autonome Küchen als skalierbare Infrastruktur“ etablieren, „auch dort, wo klassische Gastronomiekonzepte an ihre Grenzen stoßen“. Die Küchenroboter von Goodbytz stehen der Mitteilung zufolge bereits an mehreren Standorten in Deutschland, darunter in einem Restaurant am Leipziger Hauptbahnhof, an der Universität Kaiserslautern und im Universitätsklinikum Tübingen. Als Wettbewerber gilt die ebenfalls deutsche Circus Group, deren Kochroboter seit September 2025 in der Münchner Kantine des Facebook-Mutterkonzerns Meta arbeitet.

Gastgewerbeverband sieht Kochroboter als Nischenlösung

Der Hotel- und Gaststättenverband in Bayern sieht in Kochrobotern bislang eine Nischenlösung. Landesgeschäftsführer Thomas Geppert erklärte laut der Mitteilung, die Technik könne Mitarbeiter entlasten, lasse sich aber nicht pauschal auf alle Betriebe anwenden. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten zeigte sich offen für die Technologie, warnte aber davor, Automatisierung als Instrument zum Personalabbau einzusetzen. Beschäftigte müssten von der Einführung profitieren, etwa durch bessere Arbeitsbedingungen und Qualifizierung, sagte der bayerische Landesbezirksvorsitzende Mustafa Öz.

Berthold Bäuml, Professor an der Technischen Universität München, forscht daran, wie Roboter mit Hilfe Künstlicher Intelligenz lernen, geschickt mit ihren Händen umzugehen. Einen Geschmackssinn wie beim Menschen hält er bei Kochrobotern derzeit nicht für realisierbar – dafür fehle sogar noch die nötige Hardware. Allerdings könnten Roboter schon bald deutlich geschickter werden: „Wir gehen davon aus, dass man allerspätestens in fünf Jahren Roboter hat, die mindestens die Geschicklichkeit des Menschen erreicht haben“, sagte Bäuml laut der Mitteilung. Dann könnten Kochroboter etwa Zwiebeln oder Knoblauch selbstständig schälen und schneiden.

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