„Bleiben Süßstoffe steuerfrei, ersetzen Hersteller Zucker durch Süßstoff“
Von Marco M. Rühl, CEO Teefee
Marco M. Rühl ist Gründer und Geschäftsführer der Kindergetränkemarke Teefee Bio-Zero.
Eine Zuckersteuer soll den Zuckerkonsum senken, nicht durch einen Chemie-Cocktail ersetzen. Bleiben künstliche Süßstoffe steuerfrei, ersetzen Hersteller Zucker am billigsten durch Süßstoff, statt Rezepturen zu überarbeiten. Möglich ist das: Mit Teefee entwickle ich seit mehr als zehn Jahren erfolgreich Getränke ganz ohne Zucker und ohne künstliche Süßstoffe als Bio-Zero-Category.
Die Weltgesundheitsorganisation rät seit 2023 von künstlichen Süßstoffen zur Gewichtskontrolle ab, die IARC stufte Aspartam als möglicherweise krebserregend ein. Und das Bundesinstitut für Risikobewertung zeigte 2023: Kombiniert man mehrere künstliche Süßstoffe, schrumpft der Sicherheitspuffer zu unerwünschten Nierenwirkungen deutlich, auch wenn jeder Stoff einzeln als unbedenklich gilt.
Künstliche Süßstoffe sind bis zu mehreren Tausend Mal süßer als Zucker. Gewöhnen sich Kinder früh daran, kalibriert sich ihr Geschmackssinn dauerhaft auf extreme Süße. Eine Steuer, die künstliche Süßstoffe ausnimmt, belohnt genau diesen Trick. Vorschlag: eine eigene Abgabestufe von mindestens 15 Cent pro Liter für Getränke mit künstlichen Süßstoffen.
„Süßstoffe genauso zu besteuern, hebt den Anreiz, Zucker zu reduzieren, auf“
Von Nicolas Lother, Produktchef, The Quality Group
Nicolas Lother verantwortet die Produktentwicklung von The Quality Group mit Marken wie ESN und More Nutrition.
Süßstoffe genauso zu besteuern wie Getränke mit 4,5 bis 7,0 Gramm Zucker je 100 Milliliter, hebt den Anreiz, Zucker zu reduzieren, auf. Wer einen Liter Limonade mit 7 Gramm Zucker je 100 Milliliter trinkt, nimmt immer noch 70 Gramm Zucker mit 280 Kilokalorien auf.
Ich bin für die Zuckersteuer. In Großbritannien hat die Zuckersteuer gewirkt. Reduktion lohnt sich. 280 Kilokalorien oder „zero“ machen den Unterschied. Die angedachte Abgabe von 26 Cent je Liter jedoch nicht.
Das Argument der Süßereduktion greift auch nicht. Und zwar weder wissenschaftlich noch technologisch. Zwischen Süßstoffen liegen Welten, manche süßen so stark, dass Kleinstmengen genügen, manche verstärken sich gegenseitig. Und aktuelle wissenschaftliche Evidenz spricht zudem dagegen, dass weniger süß zu trinken die angeborene Vorliebe für den süßen Geschmack verringert. Am besten trinken wir alle Wasser. Das gilt auch für mich, doch so leben wir nicht. Wer vor dem Kühlregal steht und etwas mit Geschmack trinken möchte, soll auf 280 Kilokalorien verzichten können. Genauso auf eine Abgabe, die dort keinen Unterschied macht, wo einer nötig wäre.
