Was war der Anstoß für Ihre Energiestrategie?
Der Auslöser war meine Angst. Wir haben uns mit dem 1,5-Grad-Ziel beschäftigt, und ich habe mich gefragt: Wie soll das gehen? Ich hatte die Befürchtung, dass eine CO2-Steuer kommt, die uns Mittelständler trifft, wenn wir es überhaupt nicht gebrauchen können. Wenn wir auf null [Anm.: Netto-Null-Emissionen] kommen, haben wir keine Steuer und einen strategischen Wettbewerbsvorteil. Wie wir dorthin kommen, wusste ich damals nicht. Ich wusste nur: Wir müssen innovativ sein.
Welche Investition hat den größten Resilienzgewinn gebracht?
Die konsequente Investition in eigene Photovoltaikanlagen, Windkraft und neue Technologien wie Biogas. Wir filtern aus dem Abwasser Stoffe heraus, vergasen sie und erzeugen daraus Strom, den wir selbst nutzen. Viele haben investiert, weil es Einspeisevergütungen gab. Wir haben es als Resilienzprojekt verstanden. Als wir an unseren eigenen Dächern und Standorten fertig waren, haben wir ein Partnernetzwerk aufgebaut. Wir sagen zu Nachbarn: Entweder du investierst bei dir in Photovoltaik oder wir. Den Überstrom gibst du nicht ins Netz, sondern an uns. Dadurch bekommt der Partner einen besseren Preis als im Netz, und wir können günstiger beziehen.
Was würden Sie heute anders machen, wenn Sie ein Werk energetisch neu planen würden?
Wir würden unsere Best-Practice-Erkenntnisse aus verschiedenen Standorten sofort einbringen und stärker auf Umrüstbarkeit achten. Wir müssen am Standort möglichst autark sein. Dazu gehören Eigenstromerzeugung, Abwärmenutzung und Speichermöglichkeiten. An einzelnen Standorten liegen wir heute bei 96 bis 98 Prozent Stromautarkie. Insgesamt kaufen wir in Deutschland noch etwa fünf Prozent Grünstrom zu. Der Rest kommt aus unserem eigenen Netzwerk.
Was raten Sie Kollegen aus der Industrie?
Erstens: Entwickeln Sie eine Vision und betrachten Sie Energie strategisch, nicht nur taktisch. Zweitens: Erzeugen und nutzen Sie möglichst viel Energie am Standort, denken Sie Abwärme und Speicher mit und achten Sie auf Umrüstbarkeit. Drittens: Betrachten Sie die gesamte Kette – von Rohstoffen und Verpackungen bis zu Lieferanten und Kunden.
