Namibia Premium-Rindfleisch aus der Savanne liegt im Trend

International

Namibia investiert in Schlachthöfe und Logistik – und rückt damit stärker in den Fokus des deutschen Handels. Metro und Block House machen es vor.

Donnerstag, 27. November 2025, 07:40 Uhr
Stefanie Claudia Müller und Theresa Kalmer
Rinder in Namibia in Freilandhaltung
Namibisches Rindfleisch bei Metro in Hamburg: ein Nischenprodukt mit wachsender Bedeutung für Gastronomie und Handel.
Freilandhaltung in Namibia: Die Rinder leben auf weitläufigen Farmen und wachsen ohne industrielle Mast auf. Bildquelle: Getty Images, Valentin Külbs

Mit rund drei Millionen Einwohnern und reichen Bodenschätzen ist das flächenmäßig große Namibia ein dünn besiedeltes, aber wirtschaftlich ambitioniertes Land. Bis heute trägt es die Last der deutschen Kolonialzeit. Der Völkermord an den Herero und Nama wirkt bis heute nach, und Fragen der Wiedergutmachung werden noch immer verhandelt. Dennoch nähern sich beide Staaten wirtschaftlich an – auch im Agrarhandel. Besonders dynamisch entwickelt sich ein Segment, das für den deutschen Lebensmittelhandel zunehmend relevant wird: namibisches Rindfleisch.

Das bilaterale Handelsvolumen wächst leicht. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für dieses Jahr ein namibisches Wirtschaftswachstum von 4 Prozent. Der Nahrungsmittelsektor legt sogar noch schneller zu: Laut der Außenhandelsagentur GTAI beträgt das durchschnittliche jährliche Wachstum 6,7 Prozent. Bis 2029 könnte der Branchenumsatz knapp zwei Milliarden US-Dollar (1,73 Mrd. Euro) erreichen. Das größte Segment war 2024 der Fleischsektor, gefolgt von Süßwaren, Snacks, Gemüse, Eiern und Milchprodukten sowie Brot- und Getreidewaren.

Historische Verbindungen

Während der Kolonialzeit prägten Deutschland und Südafrika die Strukturen der heutigen Agrar- und Lebensmittelwirtschaft. Das mehr als 100 Jahre alte Schienennetz erleichtert bis ­heute den Transport in dem dünn besiedelten Land, das zweieinhalbmal so groß ist wie Deutschland. In Walvis Bay hat DP World, einer der größten Hafenbetreiber der Welt, zudem eine temperaturkontrollierte Distributionsanlage eröffnet, die die Kühlkette im Land stärken soll.

Die Farmwirtschaft ist traditionell großflächig organisiert. Viele Betriebe umfassen 3.000 bis 30.000 Hektar und setzen auf extensive Weidehaltung. Diese Form der Tierhaltung ist unter den klimatischen Bedingungen Namibias wirtschaftlich sinnvoll. Bei der extensiven Weidehaltung leben die Tiere überwiegend von natürlichem Futter, bewegen sich frei über offene Weiden und wachsen langsamer. Dadurch sinken die Kosten für Stallbau und Futter, es entsteht jedoch ein hoher Bedarf an Flächen- und Wassermanagement. Gleichzeitig führt diese Haltung zu robusten Herden und beeinflusst Qualität, Zartheit und Geschmack des Fleisches positiv – ein wesentlicher Grund für das Profil namibischer Premiumware.

Einige Betriebe bemühen sich zudem, Transportstress zu minimieren. Auf der Krumhuk-Farm bei Windhoek werden die Tiere nach Angaben des Managements beispielsweise auf der Weide geschossen. Zugleich entspricht die Verarbeitung nicht überall europäischen Standards. Nur zwei Schlachthöfe verfügen derzeit über eine EU-Exportlizenz – hier ist also noch Entwicklungsbedarf.

Viele Farmen gehören nach wie vor deutschstämmigen Familien. In ländlichen Regionen ist Deutsch weit verbreitet. Die Landwirtschaft wird von weißen namibischen Familienbetrieben dominiert. Zugleich haben zahlreiche Farmen ihr Angebot um touristische Aktivitäten erweitert: Lodge-Betriebe, Safaris und Wildbeobachtung gehören längst zum Geschäftsmodell. Einige bieten sogar Jagdtouren an. Der Tourismus schafft zusätzliche Einnahmequellen und hat sich zu einem wichtigen Standbein der Farmwirtschaft entwickelt. Jährlich besuchen rund 100.000 Deutsche das Land – die größte europäische Touristengruppe. Der Tourismus ist nach Bergbau und dem Export landwirtschaftlicher Güter eine der wichtigsten Einnahmequellen Namibias, das erst 1990 die Unabhängigkeit von Südafrika erlangte.

Supermärkte auf hohem Niveau

Der Lebensmittelhandel in Namibia wird hauptsächlich von südafrikanischen Ketten wie Checkers dominiert. Diese bieten auch deutsche Marken wie Lorenz an. Auch die Spar-Gruppe ist stark vertreten. Auffällig ist, wie modern die Märkte sind und wie sicher das Land ist. Der Checkers-Markt in der Grove Mall in Windhoek bietet Frische, Design und Technologie auf europäischem Standard – lediglich die Fleischtheken sind größer. Die Preise liegen leicht unter dem europäischen Niveau, wobei Fleisch und Frischeprodukte oft besonders hochwertig sind.

Schlachthöfe bauen aus

Für den deutschen Lebensmittelhandel ist Rindfleisch aus Namibia besonders interessant. Es ist in Deutschland vor allem über die Metro erhältlich und wird inzwischen auch in Block-House-Restaurants verwendet. In den vergangenen zwei Jahren haben die namibische Regierung und private Geldgeber – darunter laut GTAI die südafrikanische Industrial Development Corporation (IDC) – verstärkt in Schlachthöfe investiert. Dazu zählt auch der neue Savanna-Beef-Schlachthof bei Okahandja.

Laut der namibischen Tageszeitung „New Era“ hat Savanna Beef inzwischen die Testphase erreicht. Im September 2025 führte das Unternehmen eine erfolgreiche Testschlachtung mit mehr als 20 Rindern durch. Die zwischen Windhoek und Okahandja gelegene Anlage soll ab Februar 2026 eine Kapazität von rund 250 Rindern pro Tag erreichen. Derzeit werden alle Systeme – von Kühlanlagen über Entbeinung bis zur Vakuumverpackung – im laufenden Betrieb überprüft. Savanna Beef strebt zunächst eine Zulassung für die SADC-Region an, einen Wirtschaftsraum mit 16 Staaten im südlichen Afrika, und bereitet anschließend den EU-Akkreditierungsprozess vor.

Deutsche Konzerne interessiert

Auch der deutsche Fleischkonzern Tönnies hat 2023 konkretes Interesse an einem Produktionsstandort in Namibia gezeigt. Zu diesem Zweck reiste Firmeninhaber Clemens Tönnies zum damaligen Präsidenten Hage Geingob. Die Pläne wurden jedoch nicht weiterverfolgt, wie das Unternehmen inzwischen mitteilte.

Namibia ist derzeit das einzige afrikanische Land, das sowohl in die EU als auch in die USA Fleisch exportieren darf. Auf dem China-Afrika-Kooperationsforum (FOCAC) im September 2024 wurde zudem angekündigt, dass China künftig Lammfleisch und Trockenfrüchte aus Namibia importieren will. Eine Halal-Zertifizierung für den Nahen Osten bereitet das Land gerade vor.

In Deutschland wächst die Nachfrage nach namibischem Fleisch langsam, aber stetig. Zu den wichtigsten Importeuren zählt das Unternehmen South Trade der Familie Külbs, das inzwischen auch Block House beliefert und neben Rindfleisch auch namibisches Holz exportiert.

Agrarabhängigkeit bleibt

Trotz aller Dynamik bleibt die strukturelle Abhängigkeit vom Agrarsektor eine Herausforderung: Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung sind direkt oder indirekt in der Landwirtschaft tätig. Im Jahr 2024 trugen die Land- und Forstwirtschaft 3,7 Prozent und die Fischerei weitere 2,8 Prozent zum BIP bei. Laut GTAI entfallen etwa zwei Drittel der Agrarproduktion auf die Viehzucht und ein Drittel auf den Ackerbau und die Forstwirtschaft.

Für den deutschen Lebensmittelhandel bietet Namibia ein kleines, aber klares Angebot: hochwertiges Premiumfleisch, gestützt durch stabile Logistik und politische Förderung. Und weil Namibia einen besonderen Fokus auf den Agrarsektor legt, könnte sich das Land langfristig als verlässlicher Spezialanbieter etablieren – und dem deutschen Fleischsortiment eine zusätzliche Herkunftsregion eröffnen.

„Rindfleisch aus Namibia steht für hohe Qualität“ Interview mit Valentin Külbs, Managing Director von South Trade
Valentin Külbs

Wie hat sich der Fleischexport in Namibia entwickelt?

Seit den 1990er-Jahren exportiert Namibia Rindfleisch in die EU. Lange gingen die meisten Lieferungen aufgrund fester Abnahmevereinbarungen nach Großbritannien – auch weil bis etwa 2018 nur ein Schlachthof für den EU-Export zertifiziert war. Inzwischen sind es zwei. Rindfleisch aus Namibia steht für Freilandhaltung, hormonfreie Aufzucht und hohe Qualität – auch in Deutschland. Zusammen mit Botswana ist es das einzige afrikanische Land, das Rindfleisch in die EU exportieren darf.

Welche Tierwohlstandards gelten in Namibia?

Bei der Haltung garantiert Namibia die Freilandzucht. Es wird kaum zugefüttert, und die Tiere werden nicht industriell gemästet. Sie bewegen sich, haben normalerweise weniger Stress und einen längeren Lebenszyklus. Das merkt man beim Geschmack.

Wohin bewegen sich die Preise?

Namibia passt sich dem globalen Preisgefüge so gut wie möglich an. Derzeit schlagen Rindfleischpreise alle Rekorde. Das wirkt sich auch in Namibia positiv auf die Preise aus, die Farmern für Schlachtrinder gezahlt werden können. Für Deutsche wird es damit zum Gourmet-Produkt. Der Preis liegt rund 5 bis 10 Prozent über dem von argentinischem Rindfleisch. 

Was machen Sie genau für den deutschen Lebensmittelhandel?

South Trade hat sich auf den Import und Handel von namibischem Fleisch spezialisiert. Wir möchten eine kurze Lieferkette schaffen, die höhere Preise ermöglicht. Das schaffen wir nur, indem wir direkt mit Abnehmern arbeiten, die den Wert des namibischen Rindfleisches und seiner ursprünglichen Aufzuchtart verstehen.

Wie sieht es mit dem langfristigen Potenzial für namibisches Fleisch aus?

Nach inzwischen zehn Jahren Erfahrung im Handel mit namibischem Fleisch und weiteren Produkten sehe ich im Export von Lebensmitteln und verwandten Erzeugnissen großes Potenzial, mit dem sich viele Probleme im Land lösen ließen. Namibia bietet enormes Potenzial für nachhaltige Gourmet-Lebensmittel, die auf dem europäischen Markt hohe Preise erzielen und über einen strukturierten Exportmarkt Entwicklungshilfe für Farmer ermöglichen.

Das Interview führte Stefanie Claudia Müller 

Bilder zum Artikel

Bild öffnen Namibisches Rindfleisch bei Metro in Hamburg: ein Nischenprodukt mit wachsender Bedeutung für Gastronomie und Handel.
Bild öffnen Valentin Külbs wurde auf einer Rinder- und Schafsfarm in Namibia geboren.