Studie für INSM Sozialversicherungsbeitrag könnte bald bei 48 Prozent liegen

Der Gesamtbeitragssatz zur Sozialversicherung steigt bis 2035 von heute 42,8 auf 48,8 Prozent, wenn die Politik nicht mit weiteren Strukturreformen gegensteuert. Das behauptet zumindest eine neue Studie des IGES-Instituts im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Geschäftsführer Thorsten Alsleben (Foto) stellte sie vor.

Dienstag, 03. November 2026, 09:57 Uhr
Thomas Klaus
Er stellte die neue Studie vor: Thorsten Alsleben ist Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Bildquelle: Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft/Böttcher

Einer neuen Studie des IGES-Instituts im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) zufolge steigt der Gesamtbeitragssatz zur Sozialversicherung bis 2035 von heute 42,8 auf 48,8 Prozent, wenn die Politik nicht mit weiteren Strukturreformen gegensteuert. Schon 2028 seien es 45,4 Prozent. Die geplanten Reformen in Rente, Gesundheit und Pflege ändern daran laut Studie wenig. Die einst politisch angestrebte Obergrenze von 40 Prozent rücke damit in weite Ferne, beklagt die INSM. Diese wird komplett von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie finanziert.

INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben erklärt: „Die neue Prognose für die Sozialbeiträge ist ein Alarmsignal. Wenn sich die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge 2035 zusammen auf nahezu die Hälfte des beitragspflichtigen Bruttolohns summieren, wird Arbeit in Deutschland noch teurer, und netto bleibt noch weniger übrig.“ Das, so Alsleben, würde Deutschland als Investitionsstandort noch unattraktiver machen und koste Arbeitsplätze.

Der INSM-Geschäftsführer findet: „Die Koalition muss jetzt schnell handeln und nicht nur den dramatischen Beitragsanstieg stoppen, sondern für sinkende Sozialabgaben sorgen.“ Die bisher geplanten Reformen dämpften den Trend aus Sicht Alslebens nur, drehten ihn aber nicht. Der INSM-Geschäftsführer fordert: „Wir brauchen jetzt echte Strukturreformen: ein Renteneintrittsalter, das mit der Lebenserwartung steigt, mehr Kapitaldeckung, finanziert durch Einsparungen im Umlagesystem statt durch immer höhere Beiträge, und mehr Eigenverantwortung in Gesundheit und Pflege. Die 40 Prozent müssen wieder das Ziel sein.“

Größter Anstieg bei Rentenversicherung

Den größten Anstieg verzeichnet der Studie zufolge die Rentenversicherung: Ihr Beitragssatz klettere von 18,6 auf 20,9 Prozent, vor allem wegen der demografischen Entwicklung und der ausgeschöpften Nachhaltigkeitsrücklage. Spätestens 2028 sei ein Sprung auf knapp 20 Prozent fällig. Den stärksten relativen Anstieg verzeichnet der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung: von 2,6 auf 4,4 Prozent, ein Plus von 67 Prozent. Die Studie erwähnt: Die Bundesagentur für Arbeit erwarte für 2026 ein Defizit von knapp 9 Milliarden Euro; der Schuldenstand steige damit auf rund 10 Milliarden Euro bis Jahresende.

In der Krankenversicherung dämpft das Beitragssatzstabilisierungsgesetz laut Studie den Anstieg vorerst. Bis 2035 steige der Beitragssatz dennoch von 17,7 auf 18,8 Prozent, weil sich die Schere zwischen Ausgaben und Einnahmen in den 2030er-Jahren voraussichtlich wieder öffne. Die Studienautoren Martin Albrecht und Richard Ochmann sehen zudem Risiken: „Wachsen die Ausgaben 2027 so stark wie zuletzt, bleibt trotz des Gesetzes eine Lücke von 3,2 Milliarden Euro. Die Änderungen, die der Bundestag am 15. Oktober beschlossen hat, könnten die Einsparungen allein 2027 um knapp 500 Millionen Euro schmälern.“

Pflegeversicherung: Beitragssatz ohne Reform bei 4,8 Prozent

Die Pflegeversicherung ist schon in diesem Jahr auf zwei Bundesdarlehen über 3,2 und 0,7 Milliarden Euro angewiesen. Ohne Reform steigt ihr Beitragssatz der Studie zufolge bis 2035 von 3,9 auf 4,8 Prozent, weil die Zahl der Pflegebedürftigen von 5,9 Millionen (2025) auf 8,3 Millionen (2035) wachse und die Pflege teurer werde. Das geplante Pflegeneuordnungsgesetz deckt den Finanzbedarf laut Studie bereits 2027 nicht vollständig: Es bleibt eine Lücke von rund 1,3 Milliarden Euro.

Der Studie lässt sich entnehmen: Setzt die Koalition ihre Vorhaben in Gesundheit und Pflege um und reformiert die Rente nach den Empfehlungen der Alterssicherungskommission, aber ohne Kapitalrente, liegt der Gesamtbeitragssatz 2035 bei 47,5 Prozent. Das sind nur 1,3 Prozentpunkte weniger als nach geltendem Recht. Kommt die empfohlene Kapitalrente hinzu, die ab 2028 schrittweise über vier Jahre zwei weitere Punkte Rentenbeitrag kostet, erreicht der Gesamtbeitragssatz sogar 49,3 Prozent. Eine spürbare Entlastung durch den Kapitalstock setzt voraussichtlich erst nach 2035 ein.

Die Studie untersucht drei Varianten der beitragsrelevanten Rahmenbedingungen. Soweit nicht anders angegeben, beziehen sich die genannten Werte auf die mittlere Variante. Bei ungünstiger Entwicklung droht 2035 ein Gesamtbeitragssatz von knapp 52 Prozent, bei günstiger liegt er ohne weitere Reformen bei 46,6 Prozent.

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