Landwirtschaft Schlechte Rübenernte könnte Marmelade verteuern

Trockenheit und Hitze setzen den Zuckerrüben zu. Die Ernte fällt deutlich schwächer aus als im Vorjahr. Verbraucher müssen mit höheren Preisen rechnen, beispielsweise für Marmelade.

Montag, 19. Oktober 2026, 10:55 Uhr
Manuel Glasfort (mit dpa)
Der Name verrät, was aus Zuckerrüben gemacht wird. Die Ernte dürfte in diesem Jahr schlecht ausfallen, was nicht ohne Folgen für den Preis bleibt. Bildquelle: Klaus Stange

Die Zuckerrüben-Ernte fällt in Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr deutlich schwächer aus als im Vorjahr. Im Rheinland liegt der Ertrag nach Angaben des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes bei etwa 71 Tonnen pro Hektar. Das sind 20 bis 25 Prozent weniger als im Vorjahr und 15 bis 20 Prozent weniger als im mehrjährigen Durchschnitt. Trockenheit und Hitze hätten den Rüben im Sommer massiv zugesetzt, sagte Peter Kasten vom Rheinischen Rübenbauer-Verband.

Thomas Böcker von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen spricht von einem sehr schlechten Sommer für Hackfrüchte wie die Zuckerrübe. Es sei zu trocken und zu heiß gewesen. Verschärft wird die Situation dadurch, dass viele Landwirte ihre Anbaufläche bereits reduziert hatten. Im vergangenen Jahr war die Ernte gut ausgefallen, woraufhin die Zuckerfabriken ihre Vertragsvolumina reduzierten. Viele Bauern bauten daraufhin weniger Rüben an. Dass auf dieser verkleinerten Fläche nun deutlich weniger Ertrag anfällt, treffe die Landwirte hart, so Böcker.

Die schwache Ernte könnte sich auf die Preise auswirken. Der Preis für ein Kilo Rübenzucker, den eine Zuckerfabrik an den Großhandel liefert, liegt derzeit bei etwa 50 Cent. Sobald es zu Neuverhandlungen zwischen den Fabriken und der Lebensmittelindustrie kommt, dürften die Zuckerpreise ansteigen, sagte Böcker. „Der Zuckersektor hat in den vergangenen Jahren einen gravierenden Preissturz erlebt und zu nicht kostendeckenden Erlösen aus Rübenanbau und Zuckererzeugung geführt“, zitierte der Rheinische Rübenbauer-Verband seinen Geschäftsführer Kasten in einer Mitteilung. „Aktuell festigen sich die Preise aufgrund eines knapperen Zuckerangebotes in der EU wieder.“

Landwirtschaftskammer rechnet mit Preisanstieg

Verbraucher könnten im kommenden Jahr leichte Preissteigerungen spüren. „Ein Glas Marmelade könnte ein paar Cent teurer werden“, schätzt Böcker. Es sei aber unklar, wie die Hersteller und Händler den Anstieg des Rübenpreises auf den Verbraucher weiterreichen. „Das Zuckerangebot wird sich dieses Jahr aber so stark verkleinern, dass es mich wundern würde, wenn sich dieser Effekt nicht auswirkt auf den Preis eines Supermarktproduktes“, sagte der Agrarexperte.

In Nordrhein-Westfalen werden in diesem Jahr auf 49.000 Hektar Zuckerrüben angebaut. Das sind 8000 Hektar weniger als 2025, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Nordrhein-Westfalen hat damit hinter Niedersachsen die zweitgrößte Rüben-Anbaufläche in Deutschland. Niedersachsen kommt auf 95.500 Hektar, Bayern auf 47.500 Hektar und Sachsen-Anhalt auf 43.400 Hektar.

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