Aldi Nord Erben-Streit spitzt sich zu

Lebensmittel Praxis | 02. Juni 2016

Der Streit zwischen den Erben von Aldi Nord verschärft sich. Theo Albrecht jr., der Sohn des Unternehmensgründers, warf in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ seiner Schwägerin Babette, der Witwe seines 2012 verstorbenen Bruders Berthold, vor, mit ihrem Verhalten das Unternehmen zu belasten. Babette Albrecht und ihre fünf Kinder kämpfen vor Gericht für ihren Einfluss in der Jakobus-Stiftung, einer der drei Aldi-Nord-Stiftungen.

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Mit ihren Bemühungen um mehr Einfluss auf die Familienstiftung würde seine Schwägerin dem letzten Willen ihres Mannes zuwiderzuhandeln, sagte der Theo Albrecht jr. dem Blatt. „Mein Bruder würde sich im Grabe rumdrehen, wenn er wüsste, was hier abläuft.“

Im Kern geht es bei dem Streit um eine Änderung der Satzung der Jakobus-Stiftung, die gemeinsam mit zwei weiteren Stiftungen – der Markus- und der Lukas-Stiftung – 100 Prozent des Aldi-Nord-Kapitals hält. Seine Schwägerin habe nicht ihn verklagt, „sondern die Stiftungsaufsicht, die die neue Satzung genehmigt hat“, sagte der Milliardär.

Vor dem Verwaltungsgericht Schleswig erstritt Babette Albrecht im Januar zunächst in erster Instanz die Chance auf mehr Einfluss in der Institution – und damit auch in dem Essener Unternehmen. Das Gericht kippte aus formalen Gründen eine Satzungsänderung aus dem Dezember 2010.

Theo Albrecht jr. sieht dies kritisch: Er und sein Bruder hätten die Stiftungssatzungen nach dem Tod ihres Vaters gemeinsam auf den neuesten Stand gebracht. Wenn die alte Satzung wieder gelte, „könnten die Kinder von Berthold zusammen mit ihrem Anwalt das Unternehmen am Nasenring durch die Manege führen. Sie hätten damit ein unbegrenztes Erpressungspotenzial“, warnte er in dem Interview. Denn das Unternehmen sei auf das Kapital der Stiftungen angewiesen und alle drei Stiftungen müssten jeder Auszahlung zustimmen. Gelder würden etwa für die Renovierung der Filialnetze in Frankreich und Dänemark benötigt.

Für sich selbst nimmt der Milliardär in Anspruch: „Ich verteidige das Testament meines Bruders und die Satzung der Stiftung.“ Der Sinn der Stiftung sei, das Unternehmen vor einem zu großen Einfluss der Familie zu schützen. „Dafür kämpfe ich.“

Babette Albrecht und die Kinder weisen den Vorwurf, gegen den Unternehmenssinn zu handeln, nach einem früheren Bericht des Magazins „Stern“ durch ihren Anwalt zurück.