Gespräch mit BVLH-Präsident Fromm: Der Trend geht weg vom Schweinefleisch

Björn Fromm, Präsident des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels, erkennt in veränderten Konsumgewohnheiten einen Grund für die schwache Nachfrage nach Schweinefleisch. Hoffnungen setzt Fromm in die geplante Novelle des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes. Spielraum für absatzsteigernde Rabattaktionen sieht er kaum.

Dienstag, 20. Oktober 2026, 14:59 Uhr
Manuel Glasfort
Schinken und andere Produkte aus Schweinefleisch fanden zuletzt keinen reißenden Absatz in Deutschland. Bildquelle: Getty Images

Die Verbraucher in Deutschland halten sich beim Kauf von Schweinefleisch weiterhin zurück, zum Leidwesen der Produzenten. Börn Fromm, Präsident des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH), identifiziert im Interview mit dem Fachmedium top agrar mehrere Ursachen: „Die Grillsaison verlief nicht wie gewünscht, der generelle Trend weg vom Schweinefleisch wird zunehmend spürbar und auch die breite Kaufzurückhaltung in wirtschaftlich unsicheren Zeiten mindert teilweise den Fleischverzehr. Der Einkauf sinkt weiter.“

Fromm

Erschwerend komme hinzu, dass Außer-Haus-Verpflegung als wichtiger Absatzkanal für die Landwirtschaft verstärkt auf ausländische Ware setze und große Fleischmengen aus Spanien in den EU-Binnenmarkt drückten. „Das macht es in der Summe aktuell schwer für Schweinefleisch aus deutscher Herkunft – leider!“, sagte Fromm dem Schwestertitel der Lebensmittel Praxis. Er betonte, dass der deutsche Lebensmitteleinzelhandel weniger als ein Drittel des hierzulande produzierten Schweinefleischs vermarkte.

Mehr Transparenz durch novelliertes Kennzeichnungsgesetz

Die geplante Novelle des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes könnte aus Sicht Fromms dazu beitragen, die deutsche Schweinehaltung zu stärken. Eine staatliche Kennzeichnungspflicht mit einheitlich festgelegten Begriffen analog zur Haltungsform könne über alle Vertriebskanäle hinweg für mehr Transparenz sorgen. So werde deutlicher, „wer auf deutsche Herkunft setzt und wer nicht“. Die Novelle lässt allerdings weiter auf sich warten: Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Bundesregierung das Inkrafttreten erneut verschoben hat, auf den 1. Oktober 2027.

Auch Preisaktionen können nach Einschätzung Fromms den Absatz nicht unbegrenzt steigern. Die starken Rabatte bei Butter im vergangenen Dezember hätten zwar gezeigt, dass Preisnachlässe den Verkauf ankurbeln und Rohstoffmärkte entlasten könnten. Bei Schweinefleisch sei die Situation jedoch eine andere: Die Preise seien bereits seit geraumer Zeit gesunken. „Dadurch fehlt der Spielraum für signifikant absatzsteigernde Aktionen“, so der BVLH-Präsident. Er betonte: „Trotz aller Kaufzurückhaltung und vielfältiger Rabattaktionen steht die Wertschätzung der Ware Fleisch bei uns im Handel ganz oben auf der Prioritätenliste. Wertschätzung zeigen wir, indem wir Fleisch aus höheren Haltungsstufen vermarkten und auch auf Regionalität setzen.“ Das sei nicht einfach in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Auch Medikamente zur Gewichtsreduktion, sogenannte Abnehmspritzen, könnten das Einkaufsverhalten verändern. Erhebungen aus anderen Ländern zeigten entsprechende Effekte. Auch in seinen eigenen Geschäften beobachte er Veränderungen. „Wie dauerhaft diese Ernährungsumstellungen sein werden, kann ich nicht sagen. Doch aktuell und im Verlaufe dieses Jahres ist klar zu erkennen, dass Obst- und Gemüseartikel stark nachgefragt werden, Funktionsnahrung im Absatz wächst und proteinreiche Lebensmittel deutlich häufiger im Einkaufskorb landen als noch vor ein paar Jahren.“

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