Bio-Fach Nachbericht:Bio-Neuheiten-Show

Bildquelle: Messe Nürnberg

Bio-Fach Nachbericht Bio-Neuheiten-Show

Mehr Aussteller und Besucher zog es in diesem Jahr zur Bio-Fach. Die Trends der vergangenen Jahre wurden fortgeschrieben.

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Superfoods, fleischfreie Produkte und Kokos in allen Formen und Konsistenzen: Das waren die Haupttrends der jüngsten Bioleitmesse in Nürnberg. In diesem Jahr knackte das Messe-Duo Bio-Fach und Vivaness, die internationale Fachmesse für Naturkosmetik, die Marke von 50.000 Besuchern. Auch präsentierten mehr Unternehmen ihre Produkte in Nürnberg. Die Zahl der Aussteller stieg von 2.325 im vergangenen Jahr auf 2.785 in diesem Jahr.

Innovationen galt es vor allem im veganen Angebot zu entdecken. Als natürlichen und tierfreien Fleischersatz konnte man in den Nürnberger Messehallen Jackfruit verkosten, bisher in der westlichen Welt noch wenig für diesen Zweck bekannt. Die unreife Frucht weist eine fleischähnliche Konsistenz auf und bringt wenig Eigengeschmack mit, daher lässt sie sich beliebig marinieren und würzen. Als Würfel und Schnetzel bietet die Marke Govinda ab sofort das vorgekochte und küchenfertige Fruchtfleisch für das Trockensortiment an. Die Marke Lotao bringt ab April 2017 drei Bio-Jackfruit-Spezialitäten in den Handel: pur, als als veganes Curry sowie als pfannenfertiges Teryiaki-Gericht.

Eine neue bio-vegane Marke für LEH und Fachhandel stellte Thomas D., Mitglied der Band Die Fantastischen Vier, gemeinsam mit Vegan-Spezialist Tofutown vor. 16 pflanzliche Produkte umfasst das Angebot von Nature Tom zum Start, darunter ein Cashew-Shake, vegane Steaks und Burgerpatties, Fruchtriegel und Mahlzeiten-Pulver. Ehrlich und pur seien die Produkte, also ohne „Tricks“ wie Konservierungsmittel oder Emulgatoren, so das Versprechen. Das Produktsortiment ist Teil eines ökologischen Wohlfühl- und Fitmacher-Programms, das Thomas D. und weitere vier Probanden mit wissenschaftlicher Begleitung durch das Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Sporthochschule Köln testeten (naturetom.de).

Trend kokosnuss
Nicht zu übersehen war in Nürnberg das deutlich gewachsene Angebot an Kokosnuss-Produkten. Ob Kokos-Chips, süße Brotaufstriche aus Kokosmilch-Creme oder als Pulver zum Anrühren – immer vielfältiger wird die Verwendung der exotischen Frucht, vor allem in der veganen Küche. Kokosnuss-Eiscreme offeriert die junge Hamburger Marke Lycka, bisher für ihr Frozen Yogurt auf Sojamilch-Basis bekannt. Die neue Lycka Coconut Icecream auf Kokosmilch-Basis ist vegan, glutenfrei, laktosefrei, bio, und sie enthält keinen Industriezucker. Erhältlich ist sie in den Sorten Pure, Vanille und Mango. Fertige Kokos-Desserts brachten Rose Biomanufaktur und Veganz (pur, Mango, Erdbeere) mit auf die Messe. Veganz führt nun auch drei Sorten Kokosnusschips (Salty Caramel, Smokey, Kakao). Um vier Sorten Kokosnusschips hat auch Davert sein Produktportfolio erweitert. Sie sind im 40-g-Snackpack in den Varianten Chocolate, Sweet & Salty, Salt & Vinegar und Sweet Chili erhältlich. Von Flores Farm gibt es nun sowohl Kokosnusswasser in der Flasche als auch Kokosnusswasserpulver „to go“ je in den Sorten pur, Ananas sowie Limette & Minze. Das Pulver zum Anrühren reicht für 250 ml Wasser.

Impulse setzen Hersteller im Segment Superfoods mit weiteren Proteinprodukten. Protein-Pasta aus Hülsenfrüchten stellten u. a. Vegafit (Sojabasis) und Goodel dem Handel vor (rote Linsen, Kichererbsen, Quinoa). Neu war das Thema Eiweißmehle. Drei Sorten Proteinmehle (Leinmehl, Kürbiskernmehl, Walnussmehl) und ein Pulver mit Namen Proteinheld (eine Mischung aus Leinmehl, Erbsenproteinisolat, Orangenabrieb und den „Superfrüchten“ Aronia- und Wildheidelbeeren) stellte die Ölmühle Moog unter der Marke Bio Planète vor. Die Mehle entstehen aus den biologischen Rohwaren, die bei der Ölpressung verarbeitet werden. Nachdem das Öl aus diesen Saaten, Kernen und Nüssen gewonnen wurde, werden sie zu feinem Mehl vermahlen, das sich für eiweißbetontes Backen oder als glutenfreier Ersatz für andere Mehle eignet. Die Marke Schneekoppe stellte ebenfalls Bio-Leinmehl mit hohem Proteinanteil vor.

In den Fokus gerückt wurde Kurkuma. Gleich drei neue Teesorten (milder, blumiger und goldener) rund um die vor allem in der ayurvedischen Lehre für ihre heilende Wirkung geschätzte Knolle nahm Sonnentor mit nach Nürnberg. Das Trendgetränk goldene Milch gibt es nun auch vegan und to go. Unter der Marke MyLove-MyLife (Hale GmbH) beispielsweise wird sie auf Mandelbasis angeboten, mit Kurkuma, Ingwer und Zimt.

Bio wächst dynamisch
Gut war die Stimmung in den Messehallen vor allem angesichts der aktuellen Marktzahlen. Rund 10 Prozent Umsatzplus verzeichnete die Bio-Branche im vergangenen Jahr laut Informationen des BÖLW. Insgesamt kauften die Bundesbürger 2016 Bio-Lebensmittel und -Getränke im Wert von 9,48 Mrd. Euro. Dabei gab es kaum eine Warengruppe, die kein Umsatzplus aufwies. Als Wachstumstreiber hatte sich der Lebensmittel-Einzelhandel erwiesen. Der Ausbau der Sortimente ließ die konventionellen Supermärkte 14,6 Prozent mehr erwirtschafteten als im Vorjahr. Damit kommt der Lebensmittel-Einzelhandel auf einen Anteil von 58 Prozent am Bio-Markt. Der Naturkostfachhandel (30 Prozent Umsatzanteil) verzeichnete ein Umsatzplus von 5 Prozent.

Eine frage der einstellung
Wie die Einstellung zu Bio-Lebensmitteln in den deutschen Großstädten ist, ließ die Andechser Molkerei Scheitz in einer aktuellen Studie ermitteln. Demnach kauft jeder dritte Verbraucher in Metropolen ausschließlich oder regelmäßig Bio-Nahrungsmittel. Die meisten Bio-Käufer leben in München (43 Prozent), gefolgt von den Stuttgartern (35 Prozent), Hamburgern (32,5 Prozent), die Region Köln/Düsseldorf kommt auf 31,4 Prozent Bio-Intensiv-Käufer, Berlin auf 26 Prozent. Ihre Kaufgründe: Natürlichkeit und Gesundheit, artgerechte Tierhaltung, Umweltschutz und die Unterstützung der Bauern. Am häufigsten landen Eier in Bio-Qualität in den Einkaufskörben. 61 Prozent der Befragten greifen hierzu. Bio-Obst und -Gemüse werden von 55 Prozent nachgefragt, Molkereiprodukte in Bio-Qualität von 44 Prozent der Befragten den konventionellen Varianten vorgezogen. Rund 80 Prozent der befragten Großstädter akzeptieren einen Preisaufschlag für biologisch erzeugte Lebensmittel. Die Stuttgarter würden mit mehr als 19 Prozent den höchsten Aufschlag in Kauf nehmen, die Berliner den niedrigsten (16,7 Prozent).