Wasser:Sparsam!

Wasser Sparsam!

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Ohne Wasser keine Nahrungsmittel und kein Leben. Innerhalb der nächsten 35 Jahre wird die weltweite Nachfrage nach Wasser nach Schätzungen der UN um die Hälfte steigen. Zeit, sich mit der knappen Ressource zu beschäftigen. Nachhaltiges Wassermanagement schont nicht nur die Umwelt, sondern auch die Geldbeutel von Lebensmittelhandel und -industrie.

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125 ml. So viel Wasser benötige ich für eine Tasse meines duftenden morgendlichen Kaffees. Zumindest ist das die Menge, die ich zuvor aus dem Wasserhahn gezapft habe, um den Wachmacher zuzubereiten. Eigentlich muss ich meiner Tasse jedoch noch eine ganze Badewannenfüllung der wertvollen Ressource hinzurechnen, betrachtet man die Menge sogenannten virtuellen Wassers, das zuvor beim Anbau auf den Kaffeeplantagen und in der Weiterverarbeitung angefallen ist. Auch in vielen anderen Lebensmitteln verstecken sich enorme Mengen Wasser, die in Anbau und Produktion flossen: in 1 kg Rindfleisch sind das 15.400 l – umgerechnet rund 110 volle Badewannen, in 1 kg Weißbrot verbergen sich rund 11,5 volle Badewannen.

Dass wir in Deutschland ein Wasserproblem haben, ist kaum vorstellbar, solange wir nur den Wasserhahn aufdrehen müssen, um jederzeit an sauberes Wasser zu gelangen. Aber: „Deutschland ist zwar ein wasserreiches Land, aber zugleich auch drittgrößter Importeur von virtuellem Wasser“, weiß Axel Kölle, Leiter des Zentrums für nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) der Uni Witten-Herdecke. Somit sind wir nicht nur für das Wassermanagement vor der eigenen Haustür verantwortlich. Besonders problematisch sei es, wenn die importierten Waren aus Ländern stammten, die aus klimatischen, demografischen und anderen Gründen unter Wasserstress litten oder aus Ländern, in denen eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung fehle. Abwässer aus der Industrie, die Kontamination des Grundwassers mit Rückständen aus der Landwirtschaft und nicht zuletzt die wachsende Weltbevölkerung verschärfen den Druck auf die Süßwasserwasserreservoirs.

Sowohl Lebensmittelhandel als auch -produzenten sind gefordert, zum nachhaltigen Umgang mit dem Element Wasser beizutragen, um die Nahrungsversorgung auch künftig zu sichern. Ein zukunftsfähiges Wassermanagement umfasst dabei Maßnahmen in den Märkten oder Produktionsstätten (Abwasser und Einsparung), Vorgaben für Lieferanten, Projektarbeit und die richtige Kundenkommunikation. Dabei geht es nicht zuletzt auch um die dritte Säule der Nachhaltigkeit, die Ökonomie: Wassereinsparungen schlagen schließlich kostenseitig positiv zu Buche.

Massnahmen im Handel
In den Märkten, Produktions- und Lagerstätten sowie Verwaltungsstandorten der Rewe Group halten Wasserspareinrichtungen den Verbrauch an Frischwasser möglichst gering. „Vor allem in den Rewe-Green-Building-Märkten wird Regenwasser erfasst, gesammelt und für Reinigungszwecke wie Marktreinigung oder für die Toilettenspülung genutzt“, hebt Daniela Büchel, Bereichsvorstand Handel Deutschland, hervor. Darüber hinaus sorgten der vermehrte Einsatz von Regenwasserspeichern, sogenannten Rigolen, oder teilversiegelten Parkplätzen für die Versickerung von Regenwasser und damit für eine Rückführung in den natürlichen Kreislauf. Auf Produktbasis wurden im Rahmen des Pro-Planet-Programms zahlreiche Wasserprojekte in der Mittelmeerregion durchgeführt. Als Anforderung für das Rewe-eigene Nachhaltigkeitslabel bestanden laut Büchel technische Vorgaben (Tröpfchenbewässerung, Regenwassersammlung), aber keine absoluten Verbrauchsgrenzen, da diese sowohl witterungsabhängig seien als auch vom jeweiligen Stadium der Pflanzen abhingen. Der Schwerpunkt der Tropenprojekte und der Projekte in Deutschland liegt auf dem Thema Gewässerreinhaltung.

Das hessische Handelsunternehmen Tegut setzt vor allem auf Maßnahmen, durch welche erhöhte Wasserverbräuche (z. B. aufgrund von Defekten) frühzeitig erkannt werden. „Dies gewährleistet die Gebäudetechnik in Verbindung mit einem Energiecontrollingsystem. Dieses erkennt Wasserlecks wie defekte Toilettenspülungen oder defekte Wasseraufbereitungsanlagen sowie erhöhte Wasserverbräuche aufgrund von einer Fehlbedienung“, erklärt Stella Kircher, Leitung Unternehmenskommunikation. Welche Einsparungen erzielt werden können, wenn schnell gehandelt wird, zeigen die folgenden Berechnungen von Tegut. Wird frühzeitig erkannt, dass eine Wasseraufbereitung (Systemtrenner) defekt ist, können ca. 1.000 Kubikmeter (cbm) Wasser eingespart werden. Eine defekte Eismaschine verbraucht womöglich 540 cbm Kaltwasser zusätzlich, und wird schnell reagiert, wenn ein Sicherheitsventil eines Warmwasserboilers kaputt ist, kann ein Verbrauch von rund 630 cbm Wasser vermieden werden. Darüber hinaus setzt Tegut in seinen Märkten z. B. auf sogenannte „Wasserstopps“. „Bei einem dauerhaft hohen Wasserverlust schließt der Wasserstopp und es wird eine Störungsmeldung generiert, um das Problem schnellstmöglich beheben zu lassen“, berichtet Kircher.

Der Umgang mit der Ressource Wasser zählt bei Metro Cash & Carry zu einem der Fokusthemen der Nachhaltigkeitsstrategie. „Seit Jahren erfassen wir in allen unseren Märkten die Wasserverbräuche, was dazu geführt hat, dass wir unsere Mitarbeiter für einen Ressourcen schonenden Umgang mit Wasser sensibilisieren konnten“, sagt Silvio Schmidt, Expert Strategy & Reporting im Bereich Nachhaltigkeit der Metro Group. So ist es der Großhandelsparte z. B. gelungen, den Wasserverbrauch pro qm Verkaufsfläche von 645 l im Geschäftsjahr 2013 auf 597 l im Geschäftsjahr 2015 zu reduzieren. Derzeit erarbeitet das Unternehmen eine „dezidierte Strategie zum Thema Wasser, um ein konkretes Rahmenwerk zu schaffen und Ziele zu setzen“, berichtet Schmidt. Mit dem Programm wird Metro dann auch in die Kommunikation mit ihren Kunden und Mitarbeitern eintreten.

Wasser-Verbrauch
  • 121 l Wasser aus der Leitung nutzt jeder Bundesbürger täglich.
  • 39 Prozent davon für die Körperpflege.
  • 30 Prozent für die Toilettenspülung.
  • 13 Prozent für das Wäschewaschen.