Kunststoff Gemüsebauern wollen Ausnahmen von Verpackungsverbot

Die Bundesfachgruppe Gemüsebau im Zentralverband Gartenbau fürchtet unter anderem massive Lebensmittelverschwendung durch ein drohendes Verbot von Kunststoffverpackungen ab 2030. Schutzfolien für Frischgemüse seien notwendig, damit Frische und Haltbarkeit vieler Gemüsekulturen erhalten blieben.

Montag, 16. Februar 2026, 11:33 Uhr
Thomas Klaus
Verbot mit Konsequenzen: Einer EU-Verordnung zufolge sind ab dem 1. Januar 2030 bestimmte Einwegverpackungen aus Kunststoff verboten. Bildquelle: Getty Images

Die Bundesfachgruppe Gemüsebau im Zentralverband Gartenbau befürchtet massive Lebensmittelverschwendung durch ein drohendes Verbot von Kunststoffverpackungen ab 2030. Der Vorstand der Fachgruppe warnte bei einer Vorstandssitzung in Berlin außerdem vor geringerer Haltbarkeit und Frischeverlust bei vielen Gemüsekulturen. Er fordert von der Politik Ausnahmegenehmigungen.

Lange Liste verbotener Verpackungen

Einer Verordnung des Europäischen Parlamentes zufolge, die im April 2024 beschlossen wurde, sind ab dem 1. Januar 2030 bestimmte Einwegverpackungen aus Kunststoff verboten. Darunter sind zum Beispiel Verpackungen für unverarbeitetes frisches Obst und Gemüse, Verpackungen für Lebensmittel und Getränke, die in der Gastronomie zum Verzehr angeboten beziehungsweise ausgeschenkt werden, Einzelportionen zum Beispiel für Gewürze, Soßen, Sahne und Zucker, kleine Einwegkunststoffverpackungen für Toilettenartikel in Hotels und sehr leichte Kunststofftragetaschen mit einer Wandstärke unter 15 Mikron.

Nach den neuen Vorschriften müssen alle Verpackungen strengen Anforderungen an die Recyclingfähigkeit genügen. Ausnahmen sind Verpackungen aus Leichtholz, Kork, Textilien, Gummi, Keramik, Porzellan und Wachs.

Professor Bull betont sinnvolle Funktionen

Die Gemüseanbauer stellen nach eigener Darstellung nicht in Frage, dass Verpackungsmüll reduziert werden muss. Schutzfolien für Frischgemüse machten jedoch nur einen Bruchteil des Verpackungsmülls aus und hätten sinnvolle Funktionen, betonte Professor Claus Bull von der Berliner Hochschule für Technik während der Sitzung. „Schutz vor Schäden, Erhalt der Frische und längere Haltbarkeit sowie als Informationsquelle sind hier zu nennen“, so der Professor.

Eine Mono-Kunststoff-Folie sei bei vielen Produkten im Gemüsebau absolut notwendig, um die Frische zu erhalten und den Anforderungen der gesamten Lieferkette standzuhalten, führte Bull anhand seiner Untersuchungen aus. Die Bundesfachgruppe will sich dem Thema gemeinsam mit den Dachverbänden und dem Bundesausschuss Obst und Gemüse annehmen. Ziel sind Ausnahmemöglichkeiten für die betroffenen Gemüsekulturen.

Neue Produkte