Dauerbrenner Heißluftfritteuse Vom Tiefkühlsnack bis zum Gewürz – so erobert der Airfryer immer mehr Warengruppen

Hintergrund

Der Airfryer-Hype erweist sich als langlebig. Wie Lebensmittelhersteller die Welle reiten. Welche Produkte Händlern jetzt Umsatzchancen bieten.

Dienstag, 10. Februar 2026, 07:40 Uhr
Hedda Thielking
Kochen neu gedacht: Die Heißluftfritteuse ist in zahlreichen Haushalten in Deutschland nicht mehr wegzudenken. Das bietet Industrie und Handel nach wie vor Umsatzchancen. Bildquelle: Adobe Stock

Ob in Fach- oder Publikumspresse, im Buchhandel, auf Social-Media-Kanälen oder Rezeptplattformen von Industrie und Handel: die Heißluftfritteuse – oft auch als Airfryer bezeichnet – ist längst kein Hype mehr, sondern fester Bestandteil moderner Küchen. Weniger Fett, kürzere Zubereitungszeiten und ein meist geringerer Energieverbrauch im Vergleich zur Fritteuse oder zum Backofen – genau diese Kombination treibt den Erfolg dieser Geräte. Marktdaten von Mintel-Marktanalystin Hannah Sandow unterstreichen den Boom: 2024 verfügten 43 Prozent der deutschen Haushalte über eine Heißluftfritteuse. Laut einer eigenen Marktforschung von Dr. Oetker nutzen 61 Prozent der Besitzer das Gerät mindestens einmal pro Woche.

Die Konsequenzen für das Sortiment sind deutlich sichtbar. Hersteller von (Tiefkühl-)Snacks, Fertiggerichten, Backwaren und weiteren Kategorien haben ihre Zubereitungshinweise vielfach bereits angepasst oder stehen kurz davor. Einige gehen noch weiter und entwickeln Produkte, die speziell auf die Zubereitung in diesem Gerät ausgelegt sind.

Doch wie belastbar ist dieser Erfolg? Setzen Hersteller weiterhin auf ein Wachstumsfeld – oder nähern sich Markt und Nutzung bereits einem Sätti­gungspunkt? Ein Blick nach China zeigt: Laut Mintel besaßen dort 2023 rund 46 Prozent der städtischen Haushalte einen Airfryer, nach 42 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig nutzen lediglich etwa 23 Prozent der Besitzer das Gerät mindestens einmal pro Woche. „Die Marktdurchdringung nähert sich in Chinas urbanen Regionen einem Plateau, was auf eine bereits hohe Sättigung hindeutet“, teilt Hannah Sandow mit. Nun ist China nicht Deutschland. Trotzdem stellt sich die Frage: Könnte diese Entwicklung in China ein Vorbote für den deutschen Markt sein?

Die Marktanalystin sieht das nicht so. Im Gegenteil, sie erkennt noch deutlich Luft nach oben, insbesondere für solche Produkte, die speziell für die Heißluftfritteuse entwickelt werden (siehe Interview Seite 52). Welche Strategie verfolgen die Hersteller und Handelszentralen? Wollen sie dieses Segment erweitern oder gar neu in den Bereich einsteigen?

Spezielle Airfryer-Produkte

Eine Umfrage der Lebensmittel Praxis unter Herstellern, die bereits mit speziell entwickelten Airfryer-Produkten am Markt vertreten sind, zeigt ein eindeutiges Bild: Die Unternehmen halten an dieser Strategie fest.

So hatte McCain bereits vor einigen Jahren mit den „Air Fryer Frites“ ein Produkt auf den Markt gebracht, das gezielt für die Zubereitung in der Heißluftfritteuse entwickelt wurde – mit großem Erfolg. „Sie sind unser wachstumsstärkstes Produkt und zählen mittlerweile zu den Top-Artikeln im Sortiment“, bestätigt Sabine Weber, Marketing Managerin Retail für Zentraleuropa. Entsprechend hoch bleibt der Stellenwert des Trends: McCain will den Airfryer-Bereich auch künftig mit voller Kraft weiterentwickeln.

Potenzial sieht Schne­frost insbesondere im Snacksegment. Das Unternehmen arbeitet aktuell an einem eigenen, speziell auf die Heißluftfritteuse zugeschnittenen Sortiment, das in diesem Jahr an den Start gehen soll.

Auch bei Original Wagner Pizza spielen Airfryer-Snacks eine wichtige Rolle. Ob der Hersteller das Segment weiter ausbauen wird, ließ er jedoch offen. Derzeit liege der Fokus darauf, bestehende Produkte zu optimieren – etwa durch angepasste Zubereitungsempfehlungen für Piccolinis, damit diese in der Heißluftfritteuse ebenso gelingen wie im Backofen.

Heißluftfritteuse bequemer als der Backofen

Blick ins Kühlregal

Hilcona, ein Unternehmen der Bell Food Group, brachte bereits im vergangenen Jahr die Crunchy Gnocchi für dieses Gerät in den Handel und denkt den Ansatz nun weiter. Aktuell entwickelt das Unternehmen ein Konzept für komplette Airfryer-Menüs. Derzeit befinde sich Hilcona in einer Testphase, um die Resonanz am Markt zu prüfen, erklärt Marius Glaubitz, Geschäftsführer von Hilcona Deutschland.

Mit neuen Impulsen ergänzt das Familienunternehmen Bürger sein Portfolio im Kühlbereich um ein neues Snack-Konzept: Ab ­April kommen die Airfryer Snack Balls in vier vegetarischen Varianten in den Handel. Der Hersteller begleitet den Launch mit einer aufmerksamkeitsstarken digitalen Kampagne, die unter anderem die Fußballweltmeisterschaft bewusst als emotionalen Anker nutzen soll.

Backen in der Heißluftfritteuse

Dass die Verbraucher die Heißluftfritteuse auch immer häufiger zum Backen nutzen, belegt eine von Dr. Oetker durchgeführte Marktforschung. Demnach backen bereits 36 Prozent der Nutzer in diesem Gerät. Konsequenz daraus war die Markteinführung des Airfryer Backin im vergangenen Jahr – eines speziell für die Heißluftfritteuse entwickelten Backpulvers. Der Hintergrund: „Die angepasste Rezeptur sorgt dafür, dass Teige trotz kürzerer Backzeiten optimal aufgehen und lockere Gebäcke entstehen“, erläutert Daniela Emonts-Gast, Managerin für Verbrauchermarketing in Deutschland. Fakt ist: Dr. Oetker wird seine Produktpalette für die Zubereitungsart „Heißluftfritteuse“ auch 2026 erweitern.

Backwarenhersteller Sinnack hat den Trend ebenso fest im Blick. Geschäftsführer Holger Wüpping-Sinnack verweist auf die internationale Dynamik und die hohe Marktdurchdringung der Heißluftfritteuse – weit über Deutschland hinaus. Daraus ergeben sich neue Potenziale, etwa für jüngere Zielgruppen, kleinere Haushalte oder Konsumenten, die den klassischen Backofen nur noch selten nutzen. Als Antwort darauf entwickelte das Unternehmen die „Air Fryer Brötchen Weizen“. Diese Brötchen sind in drei bis vier Minuten servierfertig. „Um dieses Ergebnis zu erreichen, haben wir den Herstellungsprozess gezielt angepasst und dem Brötchen eine spezielle Struktur verliehen“, erklärt Geschäftsführerin Lena Sinnack.

Gewürzhersteller stark vertreten

Der Trend macht auch vor weiteren Sortimenten nicht halt. So haben Hersteller von Gewürzen und Paniermischungen das Segment für sich entdeckt – mit guten Gründen. Warum die Heißluftfritteuse gerade in diesem Bereich besondere Anforderungen stellt, erklärt Stefan Feldkämper, Marketing Director Retail bei der Fuchs-Gruppe: „Rezepturen für dieses Küchengerät müssen gezielt auf die starke Luftzirkulation, die hohen Temperaturen und die kurzen Garzeiten abgestimmt sein. Nur so stellen wir sicher, dass Zutaten wie Paprika, Zwiebeln oder Petersilie ihr volles Aroma entfalten, nicht verbrennen und keinen bitteren Geschmack entwickeln.“

Darüber hinaus spiele die Haftung am Gargut eine entscheidende Rolle. Aus Handelssicht komme ein weiterer Vorteil hinzu: „Im kleinteiligen Gewürzregal sorgt der Airfryer-Hinweis für eine klare Differenzierung und erleichtert die Kaufentscheidung“, so Stefan Feldkämper.

Entsprechend reagiert die Fuchs-Gruppe mit einer Erweiterung der Ostmann-Let’s-Do-Range. Ab Ende Februar 2026 baut das Unternehmen diese Linie um eine eigene Airfryer-Subkategorie aus. Die fünf Sorten der neuen Ostmann-„Let’s Do AirFryer“-Mischungen sollen für besondere Knusprigkeit sorgen. Zum Launch aktiviert der Hersteller die Verbraucher mit einem 1-Euro-Sofortrabatt am „Let’s Do AirFryer“-Display.

Auch Rila Feinkost-Importe steigt in das Segment ein und will im ersten Halbjahr 2026 eine neue Gewürzrange für die Heißluftfritteuse unter der Marke McCormick auf den Markt bringen. Und damit nicht genug: „Darüber hinaus werden wir auch unter unseren Rila-Marken die ersten spezifischen Produkte launchen“, teilt Dr. Ann-Kristin Welk, Produktmanagerin bei Rila, mit. Details bleiben vorerst noch offen.

Im Bereich der Paniermischungen hat Nestlé Deutschland das Maggi-Fix-Airfryer-Portfolio erst im Januar erweitert – unter anderem um die Sorten Curry Knusper Hähnchen sowie Orientalische Wrap-Füllung Kebab-Mix. Begleitend setzt der Konzern seit Jahresbeginn erneut auf eine aufmerksamkeitsstarke Kampagne.

Just Spices wiederum bringt das Thema Airfryer mit Gemüsepanaden in drei Varianten auf den Punkt, die sowohl für die Heißluftfritteuse als auch für den Backofen geeignet sind. Zunächst testet der Hersteller die Produkte im eigenen Online-Shop. Bei positiver Resonanz ist eine Ausweitung in den stationären Handel geplant. Anders verfährt Just Spices bei seinen Gewürzmischungen: „Hier verzichten wir bewusst auf einen expliziten Air­fryer-­Hinweis, weil unsere Kunden die Mischungen vielseitig einsetzen und wir niemanden in der Anwendung einschränken möchten“, erläutert Matt Poulton, Managing Director Zentral- und Nordeuropa bei Kraft Heinz.

Convenience wird bei Produktinfos wichtiger

Speiseöle und Backpapier

In angrenzenden Warengruppen wie Speiseölen und Küchenhelfern gewinnt die Heißluftfritteuse ebenfalls an Bedeutung. Wie Tomislav Bucic, General Manager von Deoleo Deutschland, mitteilt, spiele vor allem im Ölregal die Eignung für hohe Temperaturen eine zentrale Rolle. Ein Hinweis auf der Vorderseite wie beim „Bertolli Air Fryer Olivenöl Spray“ sorge für klare Orientierung im Regal und trage zur Differenzierung innerhalb der Ölkategorie bei.

Auch Anbieter von Küchenhelfern reagieren auf die zunehmende Verbreitung von Heißluftfritteusen. So bietet Melitta unter der Marke Toppits Backpapier für verschiedene Geräte und Modelle an. Erst im November hat das Unternehmen das Angebot um ein rechteckiges Backpapier für Dual-­Airfryer ergänzt.

Flexibilität bleibt wichtig

Mit speziell auf die Heißluftfritteuse ausgerichteten Produkten sprechen die Hersteller vor allem die Verbraucher an, die solch ein Gerät besitzen. Schränken sie die Zielgruppe damit nicht zu sehr ein? Die Hersteller winken ab, denn die meisten Produkte für den Airfryer gelingen auch in anderen Zubereitungsgeräten problemlos. Entsprechend wichtig ist es in der Produktentwicklung, flexibel zu bleiben: Neue Artikel entstehen zunehmend so, dass die Konsumenten sie nicht nur klassisch zubereiten können, sondern dass sie auch in der Heißluftfritteuse gute Ergebnisse liefern.

So setzt auch Dr. Oetker auf eine klare Kennzeichnung auf der Verpackungsvorderseite, um die Eignung für die Heißluftfritteuse auf einen Blick sichtbar zu machen. Im Pizza-Sortiment enthalten die Bistro Baguettes bereits konkrete Zubereitungsanleitungen. Seit diesem Jahr ergänzt Dr. Oetker diese Zubereitungshinweise auch bei Intermezzo- und Ristorante-Piccola-Produkten.

Da auch Iglo den Shoppern maximale Flexibilität geben möchte, sind die Produkte für die Zubereitung in verschiedenen Geräten ausgelegt. Ab Februar erweitert das Unternehmen das Sortiment um Crispy Chicken in zwei Varianten, die sich auch in der Heißluftfritteuse zubereiten lassen. Entsprechende Hinweise platziert Iglo gut sichtbar im Zubereitungsbereich, bei relevanten Artikeln schrittweise auf der Vorderseite der Verpackung.

Handelsmarken verfahren unterschiedlich

Außer den Herstellern haben auch die Handelsunternehmen den Trend der Heißluftfritteuse längst auf dem Radar. Dass Edeka das Kochbuch „Air Fryer – Das Buch“ veröffentlicht hat, unterstreicht, wie fest das Thema bei den Kunden verankert ist. Spezielle Produkte für Eigenmarken launcht der Händler jedoch nicht. Rolf Lange, Leiter Unternehmenskommunikation der Edeka-Zentrale, betont: „Wir entwickeln Produkte, die für die Heißluftfritteuse geeignet sind, ohne sie ausschließlich darauf zu beschränken. Vielseitigkeit ist entscheidend. Stattdessen platzieren wir die Zubereitungshinweise zunehmend gut sichtbar auf der Vorderseite der Verpackung mit einem Air­fryer-­Symbol.“

Viele Tiefkühlprodukte, von Kartoffelprodukten über Backwaren bis hin zu Snacks der Aldi-­Eigenmarken, enthalten zwar Zubereitungshinweise für die Heißluftfritteuse. Ob spezielle Produkte geplant sind, dazu äußerte sich Aldi nicht. Rewe hingegen prüft dies aktiv. Rico Weinert, Senior Category Buyer TKK, kündigt an, dass Rewe aktuell an speziellen Artikeln für die Heißluftfritteuse in Eigen- oder Exklusivmarken arbeite.

Frostkrone zeigt sich jedenfalls offen für Kooperationen mit Handelspartnern: „Wir bieten spezielle Airfryer-Produkte an und entwickeln gemeinsam mit unseren Partnern entsprechendes Fingerfood. Gleichzeitig gelingen viele unserer Snacks auch in diesem Küchengerät“, so Emiel Lommen, Commercial Director der Frostkrone Food Group.

Drei Fragen an ...

Hannah Sandow, Director of Insights, Mintel Food & Drink Germany

Welche Zielgruppen sind Airfryer-affin?

43 Prozent der Haushalte in Deutschland besitzen einen Airfryer. Die Nutzer sind jung und urban. Bei den 25- bis 34-Jährigen beträgt die Nutzungsrate 55 Prozent. Ältere Zielgruppen holen auf.

Wo sehen Sie Potenzial?

Der Markt wächst weiter dynamisch und bietet erhebliche Innovationspotenziale. Derzeit bewerben weniger als 1 Prozent der Produkte explizit die Airfryer-Eignung. Deshalb sehe ich große Chancen für Produkte, die speziell für das Gerät entwickelt werden.

Zum Beispiel?

Dazu zählen Backmischungen, Fleischersatz und Fertiggerichte. Im TK-Segment sehen wir bei Backwaren, Snacks, Fleisch- und Fleischersatzprodukten, Fertiggerichten, Pizza und TK-Gemüse Potenzial, insbesondere bei vorportionierten Produkten.

Fazit

Im Laufe der Zeit hat der Trend zur Heißluftfritteuse inzwischen viele Sortimente erobert, von Tiefkühl- über Kühl- und Snackprodukte bis hin zu Gewürzen und Ölen. Gleichzeitig zeigt die Mintel-­Marktforschung: Bei speziell für die Heißluftfritteuse entwickelten Produkten ist noch viel Luft nach oben – und erste Hersteller nutzen dieses Potenzial. Dabei gilt: Spezialisierung darf Flexibilität nicht ausschließen. Verbraucher wünschen Produkte, die sie vielseitig und flexibel zubereiten können. Eine klare Kennzeichnung schafft dabei Orientierung. Mit Aktionen am Point of Sale, Sortimentsbündelungen, Zweitplatzierungen und digitalen Kampagnen können Hersteller und Handel sicherlich noch Kaufimpulse setzen und das Wachstum in diesem Segment weiter antreiben.