Nonfood Aktionsfläche statt Elektromarkt – wie Lebensmittelhändler Airfryer am besten verkaufen

Hintergrund

Airfryer avancieren zur Wachstumslokomotive im Kleingerätemarkt. Der Haushaltshelfer schafft es, Lifestyle, Convenience sowie Hersteller und Handel in einem Segment zu verbinden, das als weitgehend gesättigt galt.

Dienstag, 10. Februar 2026, 07:40 Uhr
Rolf Schlipköter
Airfryer entwickeln sich im Bereich Haushaltsgeräte zu strategischen Umsatzbringern. Bildquelle: Getty Images

Im Weihnachtsgeschäft 2025 schafften es Airfryer unter die Top 10 der beliebtesten Geschenkideen. Das geht aus internen Suchdaten des Online-Marktplatzes Galaxus hervor, wo Heißluftfritteusen neben Apple-Gadgets, Lego-­Sets und Spielekonsolen zu den meistgesuchten Produkten zählten. Das unterstreicht die starke Nachfrage nach diesen Küchenhelfern im Kontext gesünderer, einfacher Zubereitung. Branchenexperten gehen für 2025 von einem erneut zweistelligen Wachstum mit über zwei Millionen verkauften Geräten aus. Die Marke von 300 Millionen Euro Jahresumsatz in Deutschland mit Heißluftfritteusen (inklusive Multifunktions­geräten) rückt damit in greifbare Nähe.

Ungebrochener Trend

Laut Befragungen des Deutschen Tiefkühlinstituts nutzen über 40 Prozent der Verbraucher hierzulande eine Heißluftfritteuse, rund 18 Millionen deutsche Haushalte haben ein oder sogar mehrere dieser Geräte im Einsatz. Der Trend zur Heißluftfritteuse bleibt nach Experten-Aussagen ungebrochen – und von Marktsättigung ist weder im Handel noch bei den Herstellern die Rede. Im Gegenteil, Deutschland ist nicht nur weltweit der drittgrößte Absatzmarkt für Heißluftfritteusen, laut dem ZVEI (Verband der Elektro- und Digitalindustrie) sind Airfryer auch das seit Jahren am stärksten wachsende Warengruppensegment bei Elektro-Kleingeräten.

In Deutschland geht es um drei Geräte­typen, die angeboten werden: klassische Schubladen‑Geräte mit einem Garraum, größere Modelle mit zwei Schubladen sowie backofenartige Airfryer mit Klapptür. Reine Airfryer beschränken sich auf die Heißluftzirkulation, teilweise ergänzt um eine Grillplatte oder Oberhitze. Daneben werden Multigeräte zunehmend beliebter, die Airfryer‑Funktionalität mit Dampfgarer, Mini‑Backofen, Kontaktgrill, Reiskocher oder Schnellkochtopf kombinieren. Ein Konzept, das sich zumeist im Sortiment der großen Markenhersteller im Premiumsegment findet, aber auch in die Angebotswelten der Preis-Leistungs-Marken sowie bei den Eigenmarken der Discounter und des Elektrohandels zunehmend Einzug hält.

Geringer Energieverbrauch

Die Stiftung Warentest hat Anfang 2025 zwanzig Geräte getestet, mehrheitlich Schubladen‑Modelle. Sie gelten als komfortabel, weil sie sich leicht befüllen lassen und das Verbrennungsrisiko beim Entnehmen gering ist. Dual‑­Zone‑­Geräte mit zwei getrennten Garräumen erlauben es, unterschiedliche Produkte – etwa Hähnchenkeulen und Pommes – parallel zuzubereiten. Die backofenartigen Heißluftfritteusen mit Klapptür sind meist größer und arbeiten häufig mit einem rotierenden Drahtkorb. Unabhängig von der Bauform nutzen alle Geräte Umluft. Im Test zeigte sich der zentrale Mehrwertnutzen: Heißluftfritteusen arbeiten nicht nur schneller, sondern auch wirtschaftlicher als Backöfen.

Neben den Marktpionieren und -führern Ninja (Shark Ninja), Philips (Versuni), Tefal (Groupe SEB) und Cosori (Vesync) haben sich weitere internationale Hersteller wie Russell Hobbs, Xiaomi, Panasonic und Midea plus deutsche Markenproduzenten wie Bosch, Braun, Caso, Rommelsbacher, Severin und WMF dieser Warengruppe gewidmet. Nicht zu vergessen Gourmetmaxx von Ralf Dümmels DS Produkte. Und auch die Eigenmarken des Handels schneiden sich im Budgetsegment mit Preis-Leistungs-Modellen ihr Stück vom wachstumsstarken Umsatzkuchen ab.

Für Premiummarken spielt der Lebens­mittelhandel eine zunehmend wichtige Rolle. Denn dort gibt es die „Food Software“ für ihre Geräte-Hardware – eine immer größere Zahl von Lebensmitteln, auf deren Verpackungen explizit auf die Zubereitungsmöglichkeit in Heißluftfritteusen plus passenden Rezepttipps hingewiesen wird. Erst diese Mehrwerte aus der Lebensmittelindustrie machen neue Absatzrekorde bei den Geräteherstellern möglich. Und so verwundert es nicht, dass es hier verstärkt unmittelbare Handelskooperationen und gemeinsame Marketingkampagnen mit der Lebensmittelindustrie gibt. Dazu sagt Feline Carbone, Marketingverantwortliche bei Versuni, dem Lizenz­nehmer von Philips: „Mit Brands wie Wagner und Tante Fanny haben wir spannende Kooperationen, die in Digitalkampagnen und auf Social Media sowie am Point of Sale sichtbar sind. Darüber hinaus wird dies von verschiedenen Gewinnspielaktionen begleitet. Im Jahr 2026 werden noch weitere relevante Partner aus der Lebensmittel­indus­trie folgen.“

Der Absatzkanal Lebensmitteleinzelhandel nimmt bei Heißluftfritteusen Fahrt auf. Bei den Discountern sind regelmäßige Aktionen mit Eigenmarken ein Erfolgsgarant für sichere Umsatz­zuwächse, große Markenhersteller ziehen jetzt nach und sehen im Lebensmitteleinzelhandel ein strategisches Wachstumsfeld für ihre Omni-Channel-­Absatz­planungen. Dazu merkt Till von der Osten, Retail Director Deutschland, Österreich und Schweiz bei Cosori, an: „Der Lebensmittelhandel ist ein Vertriebsweg, der Sichtbarkeit und Aware­ness bei den Endkonsumenten schafft, gerade für sensible Preispunkte. Wichtig ist für uns hier die Sortimentierung. Wir werden dazu weiterhin sehr genau abstimmen, welche Produkte in welchen Kanälen vermarktet werden.“

Absatzpotenziale heben

Ähnlich sieht dies Feline Carbone für Philips: „Für uns ist der Lebensmittelhandel ein strategisch wichtiger Vertriebskanal, den wir sehr bewusst nach Formaten steuern. Besonders relevant sind SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte, weil hier großflächige Techniksortimente, saisonale Aktionsflächen und eine hohe Umschlaggeschwindigkeit zusammenkommen. Supermärkte nutzen wir gezielt, wenn das Umfeld durch Aktionen gut zu unserer Airfryer-­Kategorie passt, vor allem über temporäre Platzierungen.“ Der Handel beginnt gerade erst sein volles Potenzial zu entdecken.