Als Distributor muss man viele Bälle in der Luft halten“, sagt Konstantin Lebens im Gespräch mit der Lebensmittel Praxis. Dem Familienunternehmen Genuport, das sein Großvater gründete, ist er tief verbunden. Lernte dort, unternehmerisch zu denken, Verantwortung zu übernehmen. Auch mal über den Tellerrand zu blicken, Chancen zu erkennen, zu ergreifen. Seit Dezember liegt die operative Geschäftsführung komplett in seinen Händen. Jetzt hält der 31-Jährige die Bälle in der Luft.
Bei seinem Eintritt ins Unternehmen im April 2020 verantwortete Konstantin Lebens zunächst den Ausbau des E-Commerce-Bereichs, später auch den nationalen Vertrieb. Im Mai 2023 wurde er Geschäftsführer, leitete das Unternehmen gemeinsam mit seinem Vater Dr. Uwe Lebens. Und verantwortete zentrale operative und strategische Bereiche. Nach mehr als drei Jahrzehnten an der Spitze zog sich Dr. Uwe Lebens Ende 2025 aus der operativen Geschäftsführung zurück.
In der jetzigen Konstellation ist Uwe Lebens Generalbevollmächtigter. Was bedeutet das in der Praxis für den Geschäftsführer Konstantin Lebens? Wie frei ist er in seinen Entscheidungen? „Sie müssen sich das so vorstellen wie in anderen Unternehmen, wo die Vorstände an den Aufsichtsrat berichten“, sagt er. Sie kommunizierten viel. „Ich gehe mit ihm die Monatsabschlüsse durch, und wir definieren gemeinsam: Reicht das auch? Wo müssen wir mehr machen?“ Und wenn es mal richtig knirscht? Lebens zieht erstaunt die Augenbrauen hoch und denkt nach: „Also, richtig geknirscht hat es eigentlich noch nicht.“
Klar, der Ehrgeiz eines jungen Geschäftsführers und die Bedächtigkeit eines erfahrenen Unternehmers prallen mitunter aufeinander – „wir finden aber eigentlich immer eine Lösung, die für uns beide passt“. Denn hinter der Bedächtigkeit, der Vorsicht des Vaters, verbergen sich mehr als drei Jahrzehnte Berufserfahrung, das weiß Konstantin Lebens sehr zu schätzen, wie er sagt.
Krise, das neue Normal
Einen „Normalzustand“ kennt Lebens als Führungskraft eigentlich nicht: Zuerst kam die Corona-Pandemie, dann der Ukraine-Krieg, es folgten Preissteigerungen bei Weizen, später Kakao. „Der Krisenmodus ist das neue Normal“, sagt der 31-Jährige. Eine steile Lernkurve in Sachen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit für das Unternehmen inklusive. Für Lebens heißt das: „Man muss immer transparent und offen an die Themen rangehen.“ Also: alles ansprechen, beim Handel konsequent versuchen, seine Punkte umzusetzen.
„Die Weltlage wird sich schließlich absehbar wohl nicht ändern“, sagt er. Mit unmittelbaren und nicht absehbaren Folgen für die Lieferketten: „Als Distributor ist man immer direkt von Störungen vor allem in den Seewegen betroffen“, sagt Lebens, „schließlich haben wir mehr als 50 Marken und 1.000 Artikel im Portfolio, die wir aus aller Welt beziehen.“
Mit einem Umsatzplus von 4,6 Prozent schloss die süße Branche 2025 gegenüber Vorjahr ab. Aber erst beim Blick auf den Absatz (nach Kilogramm) zeigt sich das ganze Bild: Dieser ging um 2,5 Prozent zurück. Treiber sind die Schokoladenwaren mit einem Minus von 7,8 Prozent sowie die Gebäcke mit einem Minus von 2 Prozent. Diese Zahlen stammen aus dem jüngsten Nielsen-Süßwarenmonitor, der die Jahresperiode bis zum 28. Dezember 2025 beleuchtet.
Kleiner wächst
Bei Schokoladenwaren ist der Absatz nach Packungen mit 5,8 Prozent allerdings nicht ganz so stark rückläufig: NIQ-Analyst Konstantin Lehr sieht hier einen „Hinweis auf Downsizing“. Insgesamt setzten Lebensmitteleinzelhandel und Drogeriemärkte 19,8 Milliarden Euro um. Der Eigenmarkenanteil (Umsatz) stieg in der Kategorie gegenüber 2024 um 1 Prozentpunkt auf 30,8 Prozent. Auf die Verbrauchermärkte entfallen 39 Prozent, auf die Discounter 37 Prozent des Umsatzwachstums. „Drogeriemärkte verbuchen als einzige Schiene Absatzgewinne“, sagt Analyst Konstantin Lehr.
Läuft bei Zuckerwaren
Den Schokoladenwaren verschaffte selbst der Anlass Weihnachten keinen Schwung: Das Absatzminus in den letzten vier Wochen bis Jahresende summierte sich auf 7,7 Prozent gegenüber Vorjahr. Den Gebäcken verhalf diese Phase zu einem Mengenplus von 0,6 Prozent.
Die Gesamtbilanz retteten mit einem Absatzplus (Basis: Kilogramm) von 2,3 Prozent die Zuckerwaren. Für das Wachstum verantwortlich sind laut Konstantin Lehr Bonbons und Kaugummi. Das Absatzplus bei den salzigen Snacks war mit 0,4 Prozent deutlich schwächer. Hier schwächelten vor allem Chips.
„Nutzen ist fragwürdig“
Was den Geschäftsführer jedoch richtig fuchst, das sind „einige hausgemachte Probleme hier in Deutschland“. Stichwort Bürokratie. „Die Berichtspflichten haben stark zugenommen. Natürlich setzen wir das alles um, aber der Nutzen ist fragwürdig.“ Diese verursachten zusätzliche Kosten, „die im jetzigen Marktumfeld sehr schwierig weiterzugeben sind“, sagt Lebens. Statistiken belegten, dass die Arbeitsproduktivität in den letzten Jahren in Deutschland immer stärker abgenommen habe: „Wir brauchen endlich wieder die richtigen Prioritäten und Anreize.“
Hierzulande erschwert die Sparsamkeit der Verbraucher beim Lebensmitteleinkauf das Geschäft. Vor allem der Markenhersteller. „Wir importieren aus verschiedenen Ländern Top-Marken unterschiedlicher Kategorien, die oftmals in ihren Heimatländern in führender Marktposition sind. Diese Produkte sind natürlich immer ein klein wenig teurer“, sagt Lebens. Schließlich müssten die eigenen Dienstleistungen wie etwa der rund 60 Personen starke Außendienst sowie die Supply Chain finanziert werden. Da braucht es Argumente für den Händler. Die hat Konstantin Lebens: Wenn ein Händler zu sehr auf Eigenmarken setze, dann mache er sich austauschbar. „Unsere Marken sind das genaue Gegenteil. Sie bieten Differenzierung.“ Aber er sagt auch: „Marken brauchen Marge.“ Sie bräuchten die Finanzierung, um sichtbar zu bleiben, um einen Mehrwert für den Handel zu bringen und um die Sehnsüchte von Konsumenten zu erfüllen.
Diese Sehnsüchte will Genuport 2026 etwa mit reinen Länderthemen bedienen. Die Artikel stammen aus knapp 30 Nationen. Allein 25 Prozent tragen als Label „Made in Italy“. „Alles, was mit Italien zu tun hat, ist positiv konnotiert“, sagt Lebens. Gleiches gelte für französische Madeleines oder die Schweizer Käsegebäcke von Roland: „Die Produkte schaffen einen Mehrwert für unsere Kunden, indem sie die Bedürfnisse der Verbraucher nach vielfältigen Geschmackserlebnissen bedienen.“
Lebens beugt sich nach vorne und holt eine ausgedruckte und geklammerte, dicke Aufstellung hervor: „Schauen Sie, das ist unser Vermarktungsplan für das Jahr 2026.“ Farblich codiert, zeigt die Tabelle chronologisch über viele Seiten die übers Jahr im Handel geplanten Anlässe: vom gesunden Start in den Januar über Valentinstag, Saint Patrick’s Day und Muttertag bis hin zu Fußball-Weltmeisterschaft oder Oktoberfest plus die sechs oder sieben Marken, die Genuport dem Handel dazu bieten kann. „Unser Hauptfokus 2026 ist es, diese Themen noch stärker zu spielen, um dem Handel im Vier-Wochen-Rhythmus die richtigen Verkaufsanlässe zu bieten.“
Genuport ist heute viel mehr als ein reiner Distributor. Die Produktion eigener Marken ist stärker in den Fokus gerückt. Seit Anfang 2025 arbeitet in Philadelphia (USA) die Pretzel-Produktion: Dort werden die Produkte der mittlerweile eigenen Marke Pretzel Pete hergestellt, abgefüllt und vertrieben. Die Marke ist seit 2021 im Portfolio und inzwischen eine der größten Genuport-Marken. Der Umsatz liegt laut Lebens „im mittleren zweistelligen Millionen-Bereich weltweit“. Dieser Erfolg ermöglichte es, die Gewinne zu reinvestieren, „in neue Öfen, neue Abpackanlagen“ und schließlich in den gesamten Standort. Mit überarbeiteten Rezepturen und einer schnelleren Entwicklung von Neuprodukten ist Genuport nun am Markt: „Jetzt sind wir unabhängige Produzenten für den US-amerikanischen Markt, UK und weltweit“, sagt Lebens zufrieden. Das Thema US-Zölle ist bei diesem Produkt abgehakt, die europäischen Zölle seien „kalkulierbar“. Das langfristige Ziel: „Wir wollen deutlich internationaler agieren und auch Teile der Wertschöpfungskette besser beeinflussen.“
Onlinehandel wächst
Auch der E-Commerce wird ausgebaut. Für Süßigkeiten, Snacks und Feinkost ist im B2C-Vertrieb der Onlineshop veritastii.de die Adresse. Hier finden sich die klassischen Genuport-Marken wie Cadbury, Fazer oder Fonzies. Ein starker Treiber im E-Commerce ist für Konstantin Lebens der Gesundheitstrend. Für diesen Bereich ist im B2C-Geschäft die eigene Marke Multipower das Flaggschiff mit Proteinpulver, Riegeln sowie Sportgetränken. Im B2B-Geschäft – hier vor allem für Fitnessstudios – werden neben Multipower die Marken Multaben, Oatsnack, Ganic und Grenade angeboten. Weitere Vertriebswege sind Plattformen wie Amazon oder die Onlinekanäle von Edeka oder Rewe. „Im E-Commerce erwirtschaften wir mittlerweile einen guten mittleren siebenstelligen Umsatz“, bilanziert Lebens, „das finde ich für ein Lebensmittelunternehmen gar nicht so schlecht.“ Der E-Commerce steht für etwa 5 Prozent Anteil am Umsatz.
Was erwartet er für 2026? „Ich gehe wieder von einem herausfordernden Jahr aus“, sagt er. Wichtig sei es, schnell und effizient an Waren zu kommen, die Warenversorgung zu gewährleisten „und mit unseren Sortimenten weiterhin zu spielen und kreativ zu sein“. Der Gesundheitstrend bleibe stark, er sieht das Unternehmen etwa mit den neuen Multipower-Kollagen- und Kreatin-Produkten gut gerüstet. Aber auch das klassische sowie das salzige Naschen würden nach wie vor eine signifikante Rolle spielen. „Diese beiden Pole werden in der Zukunft weiter relevant bleiben“, ist der Geschäftsführer überzeugt.
Das Unternehmen
Genuport wurde 1949 gegründet. Die Norddeutschen betreuen Distribution und Vermarktung von rund 50 nationalen und internationalen Lebensmittelmarken (etwa Marken von Mondelez, Rocky Mountain oder Weetabix). Zudem produzieren und vertreiben sie eigene Marken wie die Multipower-Sportlernahrung. Rund 160 Mitarbeiter erwirtschafteten 2025 knapp 130 Millionen Euro Umsatz. Konstantin Lebens ist Geschäftsführer, sein Vater Dr. Uwe Lebens Generalbevollmächtigter. Zum Führungsteam gehören zudem Annia Lühring (Director Private Brands, Director Operations), Tobias Steen (Director Finance & Controlling), Anke Hartmann (Director Brand Management) und Ralf Pahlke als Nationaler Verkaufsleiter.