Interview mit Marktforscher Jens Lönneker Gekühlte Nudeln inszenieren – zwischen Vorratskauf und Genussmoment

Hintergrund

Gekühlte Pasta verbindet Komfort mit Individualität: Marktforscher Jens Lönneker erklärt im Interview, welche Rezepturen, Platzierungen und Produktmerkmale jetzt Kaufimpulse schaffen.

Donnerstag, 29. Oktober 2026, 07:40 Uhr
Jens Hertling
Jens Lönneker ist beim Marktforschungsinstitut Rheingold Salon Geschäftsführer. Bildquelle: Rheingold Salon

Warum greifen Verbraucher zu gekühlter Pasta, obwohl Trockenpasta deutlich günstiger ist?

Gekühlte Pasta bietet einen besonderen Mehrwert. Sie spart Zeit und Arbeit, lässt Verbrauchern aber genügend Raum für eigene Ideen. So entsteht das Gefühl: „Ich habe gekocht – nur ohne den gesamten Aufwand.“

Die Verbraucher wollen also weniger Arbeit, aber nicht weniger Qualität?

Genau. Verbraucher suchen eine praktische Abkürzung, möchten aber weiterhin selbst kochen. Gekühlte Pasta verbindet deshalb die Vorteile des Selberkochens mit denen eines qualitativ hochwertigen Convenience-Produkts.

Wie entwickelt sich der Markt für gekühlte Convenience-Produkte?

Der Markt wächst. Besonders in Städten suchen Verbraucher schnelle und unkomplizierte Mahlzeiten. Viele kaufen die Produkte außerdem auf Vorrat. So können sie stressige Tage und spontane Essenssituationen besser bewältigen.

Welche Rolle spielt gekühlte Pasta in diesem Markt?

Gekühlte Pasta gehört zu den attraktiven, aber stark umkämpften Segmenten. Neben etablierten deutschen Herstellern bieten internationale Marken und Handelsmarken zahlreiche Produkte an. Diese große Auswahl verschärft den Wettbewerb. Klassische Sorten wie Spinat-Ricotta bleiben wichtige Volumenträger. Sie wachsen vielleicht nicht spektakulär, sichern dem Segment aber eine stabile Nachfrage.

Wo sehen Sie die größten ­Wachstumschancen?

Vor allem neue Rezepturen und internationale Einflüsse bieten Chancen. Besondere Füllungen, etwa mit Steinpilzen, können zusätzliche Kaufimpulse auslösen. Auch asiatische Teigwaren wie Gyoza gewinnen an Bedeutung, weil sie neue Geschmackserlebnisse schaffen.

Wer kauft gekühlte Pasta?

Die konkrete Alltagssituation sagt oft mehr aus als Alter, Beruf oder Einkommen. Besonders Ein- und Zwei-Personen-Haushalte greifen häufig zu diesen Produkten. Für eine einzelne Person lohnt sich der Kochaufwand oft nicht. Auch Familien profitieren von der Flexibilität. Familienmitglieder essen nicht immer zur gleichen Zeit. Manchmal müssen Eltern kurzfristig eine Mahlzeit zubereiten. Gekühlte Pasta bietet ihnen dann eine schnelle und unkomplizierte Lösung.

Ist gekühlte Pasta eher eine Notlösung oder ein Genussprodukt?

Gekühlte Pasta erfüllt beide Funktionen. Manchmal fehlt Verbrauchern schlicht die Zeit. In anderen Situationen möchten sie sich bewusst etwas gönnen. Nach einem Stadtbummel können sie die Pasta mit Parmesan, Gemüse oder einer hochwertigen Sauce zu einer besonderen Mahlzeit machen.

Wie unterscheidet sich gekühlte Pasta von einem klassischen ­Fertiggericht?

Bei einem klassischen Fertiggericht wärmen Verbraucher häufig nur noch eine fertige Mahlzeit auf. Bei gekühlter Pasta gestalten sie ihr Essen selbst. Sie wählen die Sauce, ergänzen weitere Zutaten und bestimmen den Geschmack. Das Produkt übernimmt die aufwendige Vorbereitung, aber nicht das gesamte Kochen. Genau darin liegt der psychologische Vorteil.

Worauf achten Verbraucher beim Kauf?

Die Verpackung muss die Qualität bereits im Regal sichtbar machen. Eine goldgelbe Farbe wirkt appetitlich und hochwertig. Eine leichte Mehlbestäubung vermittelt Handwerklichkeit und Frische. Auch die Form und die sichtbare Beschaffenheit der Pasta beeinflussen die Kaufentscheidung.

Welche Bedeutung hat ein ­Sichtfenster?

Ein Sichtfenster schafft Vertrauen. Verbraucher können das Produkt direkt ansehen und seine Qualität beurteilen. Gerade bei gekühlter Pasta kann dieser direkte Eindruck den Kauf entscheidend beeinflussen.

Wie wichtig sind Geschmack und Textur?

Geschmack und Textur entscheiden über den Erfolg. Verbraucher erwarten von gekühlter Pasta einen besseren Geschmack als von herkömmlicher Trockenpasta. Außerdem soll die Pasta den typischen Biss frischer Teigwaren bieten.

Wie preissensibel ist der Markt?

Steigende Lebenshaltungskosten führen dazu, dass Verbraucher häufiger Handelsmarken kaufen oder auf Angebote warten. Bekannte Marken bleiben jedoch relevant, wenn sie attraktiv bepreist sind: Der Preis beeinflusst die Entscheidung, ersetzt aber nicht das Markenvertrauen.

Wo sollte der Handel gekühlte ­Pasta platzieren?

Der Handel sollte gekühlte Pasta in der Nähe von Sushi, Salaten, Bowls und frischen Angeboten platzieren. Dort entscheiden Verbraucher, welche Mahlzeit sie kaufen oder zubereiten möchten. Hier zeigt gekühlte Pasta ihre Stärke: Sie ermöglicht eine schnelle, individuelle Mahlzeit mit wenig Aufwand.