Convenience-Produkte stehen für mehr als bloße Zeitersparnis. Verbraucher erwarten schnelle Mahlzeiten, die zugleich frisch, schmackhaft und abwechslungsreich sind. Insbesondere frische Pasta erfüllt diesen Wunsch: Ravioli, Tortellini, Gnocchi, Maultaschen und Spätzle bringen in wenigen Minuten eine vollständige Mahlzeit auf den Tisch. Laut aktuellen Zahlen des Marktforschungsinstituts Circana entwickelt sich die Nachfrage positiv: So stieg der Umsatz mit frischen Teigwaren im ersten Halbjahr um 2,6 Prozent, der Absatz um 2,4 Prozent. Italienische Pasta bleibt ein starkes Segment mit einem Umsatz von 233 Millionen Euro (siehe Grafik Seite 59).
Damit bietet die Kategorie dem Handel attraktive Wachstumschancen. „Frische Pasta bleibt eine etablierte und beliebte Kategorie“, bestätigt Manuel Hug, Manager Corporate Communications bei Hilcona. Zwar habe sich das Wachstum nach mehreren starken Jahren etwas verlangsamt, die grundlegende Nachfrage sei jedoch stabil. Gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten äßen die Menschen häufiger zu Hause – der Anspruch an Genuss und Abwechslung bleibe jedoch unverändert. Frische Pasta ermögliche „eine hochwertige Mahlzeit zu einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis“.
Auch Oliver Frielingsdorf von Steinhaus beobachtet eine positive Entwicklung. Frische Convenience-Produkte wie Teigwaren zählten „nach wie vor zu den Trends im FMCG-Markt“ und seien inzwischen fest in den Sortimenten verankert. Eine klassische Kaufzurückhaltung könne er demnach nicht erkennen, im Gegenteil: Das Bedürfnis nach frischen und zugleich unkomplizierten Mahlzeiten sei ungebrochen. Vielmehr beobachtet Frielingsdorf ein „bewussteres und preisorientiertes“ Einkaufsverhalten.
Komfort und Genuss als Schlüssel
Manuel Hug bringt es noch einmal auf den Punkt: „Genuss und Einfachheit bleiben die wichtigsten Treiber der Kategorie.“ Verbraucher suchten Produkte, die Zeit sparen und gleichzeitig ein hochwertiges Esserlebnis bieten. Genau hier, in der Verbindung von „Convenience, Qualität und Genuss“, spiele frische Pasta ihre besondere Stärke aus.
Spannend ist zudem der Blick auf die Zielgruppen: So erreicht Steinhaus mit seinen Produkten sowohl junge Singles als auch Familien mit Schulkindern, ältere Familien oder ältere Paare. „Es ist sehr interessant, dass man in allen Altersstrukturen starke Käuferschichten findet“, sagt Oliver Frielingsdorf. Der hohe Komfort sei dabei übergreifend der wichtigste Kaufgrund. Verbraucher könnten mit wenig Aufwand ein vollwertiges und genussvolles Gericht zubereiten. Hinzu komme die anhaltende Beliebtheit der italienischen Küche.
„Es muss gut schmecken“
Trotz zunehmender Preissensibilität bleibt der Geschmack das wichtigste Kriterium. „Das Produkt muss gut schmecken“, betont Hilcona-Sprecher Manuel Hug. Biosiegel, Herkunft und das Thema Nachhaltigkeit seien für bestimmte Zielgruppen obendrein sehr relevant. Andere Verbraucher achteten stärker auf den Preis oder die Menge. Übergreifend erwarteten die Kunden hochwertige Zutaten, Frische und eine gleichbleibende Qualität. Bei der Linie „Hilcona Originale“ setze das Unternehmen daher beispielsweise auf fein bemehlten Teig und eine Zubereitung „al dente“. Viola Henglein, Geschäftsführerin beim gleichnamigen Hersteller, bestätigt Hugs Beobachtungen: Verbraucher verlangten eine ausgewogene Verbindung aus „Qualität, Frische, Transparenz und Nachhaltigkeit“. Gleichzeitig müsse das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen.
Im Tiefkühlbereich sind die Anforderungen der Konsumenten nicht weniger hoch. „Wer seltener ins Restaurant geht, gönnt sich stattdessen ein Premium-Gericht aus der Tiefkühltruhe“, sagt Nadine Gemsa, Junior Brand Manager bei Frosta. „Qualität wird hier zum entscheidenden Faktor.“ Frosta spricht ebenfalls mehrere Zielgruppen an: Junge, urbane Singles und Paare schätzten maximalen Komfort und hochwertigen Geschmack. Bei älteren Ein- und Zwei-Personen-Haushalten stünden hingegen einfache Portionierbarkeit, verlässliche Qualität und unkomplizierte Bevorratung im Mittelpunkt.

Neues und Bewährtes
Um für Abwechslung zu sorgen, setzen Hersteller auf neue Rezepturen, saisonale Sorten und unterschiedliche Ernährungsstile. Hilcona hat unter anderem die „Mezzelune Carbonara“ als saisonale Variante eingeführt. Die Trüffel-Ravioli waren so erfolgreich, dass sie dauerhaft ins Sortiment zurückkehren sollen. Gleichzeitig bleiben Klassiker wie Ricotta-Spinat unverzichtbar. „Die Kategorie lebt von der richtigen Balance aus Innovation und Verlässlichkeit“, sagt Manuel Hug. Neue Produkte erzeugten Aufmerksamkeit und Kaufimpulse, bewährte Sorten sicherten Kontinuität.
Steinhaus berichtet von einem starken Wachstum seiner „Pasta Rustica“ im hohen zweistelligen Prozentbereich. Auch saisonale Produkte und asiatische Teigwaren entwickelten sich positiv. Henglein sieht vor allem bei Klassikern mit breiter Akzeptanz gute Möglichkeiten. „Geschmacksrichtungen, die den Mainstream erreichen, haben die größte Chance auf eine erfolgreiche Entwicklung.“ Ausgefallenes könne kurzfristig punkten, müsse aber regelmäßig ausgetauscht werden.
Der Hersteller Bürger baut das italienische Sortiment mit Gnocchi und Ravioli weiter aus. „Gnocchi sind für uns dabei ein klarer Wachstumstreiber“, sagt Boris Bauer, Leitung Marketing und Vertrieb. Das Unternehmen hat vier gefüllte, vegane Varianten eingeführt. Im Oktober folgen vier Ravioli-Sorten. Damit wächst das italienische Angebot auf 15 Produkte. Gnocchi und Ravioli bietet Bürger einheitlich zu einer unverbindlichen Preisempfehlung von 2,59 Euro an. Andrea Neubert, Abteilungsleitung Marketing bei Bürger, sieht darin eine Antwort auf unterschiedliche Ernährungsstile. Geschmacksrichtungen wie Pesto, Steinpilz und Tomate griffen bekannte Vorlieben auf und setzten zugleich neue Kaufimpulse.
Frosta verbindet ebenfalls Premiumqualität mit aktuellen Ernährungstrends. Die neue Range „à la Carte“ setzt auf italienische Klassiker mit Fisch, Meeresfrüchten oder Hähnchen. Die „High-Protein-Range“ richtet sich an Verbraucher, die sich schnell, bewusst und eiweißreich ernähren möchten.
„Pasta Caesar Chicken“ und „Pasta Chicken Alfredo“ gehören zu den Bestsellern beim Hersteller Youcook, der auf internationale Länderküchen setzt. Mit High-Protein-Gerichten und Ramen will die Marke neue Impulse setzen. „Der anspruchsvolle und von Stressgefühlen begleitete Alltag sorgt bei vielen Menschen für einen wachsenden Bedarf an Essenslösungen, die Zeitersparnis und Genussmomente und damit Entspannung verbinden“, erklärt Geschäftsführer Benedikt Meuers.
Verpackungen passen sich an
Auch bei den Packungsgrößen differenziert sich der Markt weiter aus. Kleine Formate eignen sich für Singles und Paare, größere Packungen für Familien und preisbewusste Käufer. So plant Hilcona neue 750-Gramm-Packungen, unter anderem für Pfannen-Gnocchi. Bei Steinhaus funktionieren Einzelportionen im Basisgeschäft gut. Größere Packungen gewinnen vor allem bei Promotions an Bedeutung. Frosta bietet Größen von 375 Gramm über 450 und 500 Gramm bis hin zu 800-Gramm-Familienpackungen an. Damit spricht das Unternehmen unterschiedliche Haushalte und Bedarfssituationen an.
„Convenience ist interessant, weil Kunden schnell hochwertige, verzehrfertige Produkte erhalten“, sagt Benjamin Haase, Inhaber von Rewe Haase. Für ihn gehören frische Pasta, Sushi, Salatbars sowie geschnittenes Obst und Gemüse längst zum modernen Einkauf. Besonders die Auswahl an frischer Pasta sei deutlich größer geworden. „Vor zehn Jahren hatten wir drei oder vier Artikel im Sortiment. Heute ist die Vielfalt natürlich enorm“, sagt Haase. Auch das einfache Handling sei ein klares Plus: „Innerhalb von zwei oder drei Minuten ist eine hochwertige Mahlzeit zubereitet.“
Für Sonja Lischka, Geschäftsführerin von drei Rewe-Märkten in Landsberg, sind Convenience-Produkte eine Antwort auf den modernen Alltag: „Homeoffice macht uns zur Kantine – Convenience wird besonders gerne in der Rushhour des Lebens gekauft.“ Im Schwabenland seien Spätzle „immer der Renner“. Frische Pasta habe jedoch ebenfalls „ihre absolute Daseinsberechtigung“ und sei „nicht mehr wegzudenken“. Und die Qualität? „Das ist das oberste Gebot.“
Bei der Platzierung empfiehlt Händler Haase den vorderen Marktbereich. Dort entstünden zusätzliche Ergänzungskäufe: „Oh, ich nehme mir noch ein schönes Pesto mit. Oh, ich nehme mir noch ein paar Pinienkerne mit.“
Hilcona-Sprecher Manuel Hug rät zu Themen- und Genussblöcken. „Nicht nur einzelne Produkte, sondern konkrete Genuss- und Verzehranlässe“ sollten im Mittelpunkt stehen, sagt er.
Lara Stengel
Mitinhaberin und Geschäftsführerin der Kulinarikwelten Stengel in Nürnberg/Fürth

Welche Convenience-Produkte sind besonders gefragt?
Die Kunden kaufen vor allem Salate, geschnittenes Obst und Gemüse, Bowls, Fertiggerichte sowie frische Pasta.
Worauf achten die Kunden beim Kauf?
Sie achten auf Frische, Qualität, ein appetitliches Aussehen und eine kurze Zubereitungszeit.
Wie sollten Convenience-Produkte im Supermarkt platziert werden?
Sie sollten dort platziert werden, wo die Kunden sie erwarten – zum Beispiel Salate im Obst- und Gemüsebereich und frische Pasta im Kühlregal.
Platzierung nach Bedarf
Lara Stengel, Mitinhaberin und Geschäftsführerin der Kulinarikwelten Stengel, plädiert für eine Platzierung nach Bedarf: „Convenience muss dort zugeordnet werden, wo die Produkte gebraucht werden.“ Frische Pasta gehöre ins Kühlregal, Fresh-Cut-Produkte in den Obst- und Gemüsebereich. Auch bei den Packungsgrößen unterscheiden sich die Bedürfnisse. Händler Benjamin Haase sieht eine wachsende Nachfrage nach 500-Gramm-Packungen: „Wenn du mit zwei oder drei Personen isst, nimmst du die große Packung.“
Sonja Lischka erkennt dagegen großes Potenzial bei kleineren Formaten: „Portionen, die für ein oder zwei Menschen reichen, passen zu einer vereinzelten Gesellschaft.“ Händlerin Lara Stengel ergänzt: „Zwei Portionen sind im Convenience-Bereich eigentlich der Standard.“
Convenience ist mehr als ein kurzfristiger Trend. Produkte wie frische Pasta verbinden Zeitersparnis, Qualität und Genuss – und bleiben damit eine vielseitige Kategorie mit Potenzial.