Molkereiprodukte:Erste Sahne?

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Molkereiprodukte Erste Sahne?

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Es ist ein Eiertanz: Verbraucher fragen Milch und Milcherzeugnisse mit einer „Ohne-Gentechnik“-Kennzeichnung stärker nach. Die Tür für mehr Wertschöpfung könnte sich damit öffnen, allerdings fürchtet die Milchindustrie um den Ruf konventionell hergestellter Milch.

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Sowohl Hersteller als auch Handel haben dem Markt der gentechnikfreien Milchprodukte lange nicht mehr als ein Nischendasein zugetraut. Das ändert sich zunehmend. Die aktuellen Impulse für das Segment kommen zum großen Teil aus dem Lebensmittel-Einzelhandel. Netto Marken-Discount beispielsweise verkauft seit Anfang des Jahres bundesweit unter den Eigenmarken „Gutes Land“ (Frischmilch in den Fettstufen 1,5 und 3,5 Prozent), „Viva Vital“ (u. a. Mozzarella), „Leichter Genuss“ und „Mondo Italiano“ Produkte aus zertifiziert gentechnikfreier Milchproduktion. Weitere Artikel sollen sowohl national als auch regional sukzessive ergänzt werden. Die Einführung erfolgt laut Unternehmen im Zuge der Netto-Nachhaltigkeitsstrategie und sei die konsequente Fortsetzung der seit Längerem laufenden Umstellung auf zertifiziert gentechnikfreie Lebensmittel. Eier und Frischgeflügel (SB- und Bediensegment) aus dem Netto-Eigenmarkensortiment sind bereits komplett gentechnikfrei.

Auch Wettbewerber Lidl geht bei dem Thema in die Vollen. Bereits im Juli 2015 führte der Hard-Discounter in allen bayerischen Filialen Frisch- und H-Milch der Eigenmarken „Milbona“ und „Ein gutes Stück Heimat“ mit der Zertifizierung „Ohne Gentechnik“ ein. Was sich bisher regional bewährt hat, wird nun auf nationaler Ebene folgen. Laut Jan Bock, als Geschäftsleiter verantwortlich für den Einkauf von Lidl Deutschland, ist noch für 2017 die deutschlandweite Umstellung der „Milbona“-H-Milch auf die „Ohne Gentechnik“-Zertifizierung in den rund 3.200 Lidl-Filialen geplant. Und dabei soll es nicht bleiben. „Langfristig planen wir, im Molkereisortiment ausschließlich auf gentechnikfreie Produkte zu setzen“, so der Lidl-Einkaufschef.

Die Ankündigung ließ sogar Lob von ungewohnter Stelle folgen: „Endlich wird der Lebensmittel-Einzelhandel seiner Verantwortung gerecht“, sagte Dirk Zimmermann, der Agrarmarkt-Experte von Greenpeace in Deutschland. Die Umweltschützer gehen im Falle Lidl von einer Signalwirkung aus, die den gesamten deutschen Lebensmittel-Einzelhandel verändern könnte. Sowohl Netto als auch Lidl arbeiten bei der Zertifizierung ihrer Produkte mit dem Verband für Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) zusammen. Dieser vergibt das 2009 vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eingeführte Siegel. Die Anzahl an Lebensmitteln mit einer VLOG-Kennzeichnung wächst stark.

Pionier bei den grossen Marken ist landliebe
Auch auf Industrieseite reagiert man natürlich auf das Thema. Als eine Art Pionier bei den großen Marken muss Landliebe genannt werden. Die Milch trägt bereits seit 2008 das Siegel „Traditionelle Fütterung ohne Gentechnik“. Auch andere Landliebe-Produkte sind mit dem Siegel gekennzeichnet, das Teil eines ganzheitlichen Konzeptes ist und die gesamte Wertschöpfungskette vom Kuhfutter bis hin zum Kühlregal umfasst: Die Landliebe-Lieferanten haben sich dazu verpflichtet, ihre Kühe mit traditionellen Futterpflanzen wie z. B. Gras, Mais und Raps zu füttern. Kann der Eigenanbau den Bedarf nicht decken, kaufen sie ausschließlich traditionelle, ohne Gentechnik angebaute Futterpflanzen von ausgewählten Lieferanten. Auch bieten mittlerweile Wettbewerber wie Bauer, Zott oder Grünland einzelne Produkte von Käse bis zum Joghurt aus gentechnikfrei hergestellter Milch an.

„Der Markt wächst stetig. Verbraucher wünschen sich zunehmend natürliche und regionale Lebensmittel, die sie mit gutem Gewissen genießen können. Als traditionsreiches Familienunternehmen sind wir uns unserer Verantwortung für Umwelt und Verbraucher bewusst und orientieren uns an den Kundenwünschen“, sagt Jens Fischer, Marketing-Leiter Privatmolkerei Bauer. Die Milch für diese Produkte von Bauer (u. a. die Weichkäse-Range, Weinkäse, Limburger sowie Bauer frischer Joghurt mild, der feine Schmand und Crème Fraîche) kommt ausschließlich von Bauernhöfen aus Ober- und Niederbayern, die großen Wert auf eine Fütterung ohne Gentechnik legen. „Mit diesem breiten Sortiment werden zusätzliche Kaufimpulse in der Zielgruppe generiert, die Wert auf natürliche Produkte legt“, ist sich Fischer sicher.