Cyberkriminelle haben in mehreren europäischen Ländern und nun auch in Deutschland Kühlanlagen von Supermärkten angegriffen. Die Hacker manipulierten die Systeme aus der Ferne, sodass Kühlregale und Tiefkühltruhen aufheizten statt kühlten. Betroffen sind nach bisherigen Erkenntnissen mindestens ein Supermarkt im niederbayerischen Reisbach im Landkreis Dingolfing-Landau sowie ein von der Arbeiterwohlfahrt betriebener Markt in Wetter-Volmarstein in Nordrhein-Westfalen. Medienberichten zufolge sollen weitere Supermärkte in Wuppertal und im Münsterland betroffen sein.
In dem Supermarkt in Reisbach heizten die Kühlanlagen nach dem Angriff auf bis zu 50 Grad auf, wie der Betreiber auf seiner Facebook-Seite mitteilte. „Die traurige Folge: Unmengen an Lebensmitteln mussten in die Tonne“, schrieb er dort. Die Organisation Foodsharing habe kurzfristig abgeholt, was noch zu verwerten gewesen sei. Der Großteil der Kühlware habe jedoch entsorgt werden müssen. Die Kriminalpolizei in Landshut ermittelt laut dem Polizeipräsidium Niederbayern wegen des Verdachts des Ausspähens von Daten und der Datenveränderung.
In dem betroffenen Markt in Wetter-Volmarstein traf der Angriff sowohl Kühlregale als auch Lagerbereiche, wie Bereichsleiterin Sandra Salten der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Der eigentliche Angriff habe sich gegen die Firma gerichtet, die die Kühlanlagen aus der Ferne warte. Auch dort mussten den Angaben zufolge große Mengen an Lebensmitteln weggeworfen werden. Eine Schadenssumme konnte die Arbeiterwohlfahrt zunächst nicht beziffern.
Die Angriffswelle beschränkt sich nicht auf Deutschland. Zuvor hatten Cyberkriminelle bereits in Frankreich, Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland, Finnland und den Niederlanden Kühlanlagen in Supermärkten manipuliert. Die Kriminalpolizei in Landshut will sich nach Angaben eines Sprechers des Polizeipräsidiums Niederbayern mit den Behörden in den betroffenen Ländern abstimmen.