Im Regensburger Donau-Einkaufszentrum hat Edeka-Inhaber Konstantin Gatzke seinen Platz gefunden. Dort setzt der Kaufmann auf Nähe, Frische und Verlässlichkeit – Werte, die auch den Auftritt seines Marktes prägen.
Mit seinem ersten Markt in Mintraching legte Gatzke den Grundstein für einen Familienbetrieb mit inzwischen zehn Standorten: acht Edeka-Märkte in Südbayern und zwei Trinkgut-Standorte. Hinter dem Wachstum steht nicht nur Tempo, sondern vor allem Konsequenz, Organisation und unternehmerische Energie. Gatzke wirkt ruhig, sachlich und lösungsorientiert. Diese Eigenschaften halfen ihm, sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen.
Von Russland nach Deutschland
Konstantin Gatzke kam in Russland zur Welt und zog 1991 im Alter von 15 Jahren nach Deutschland. In Bamberg besuchte er eine private Schule für Spätaussiedler, lernte Deutsch und musste sich in einer fremden Umgebung zurechtfinden. „Nichts war vertraut – weder die Sprache noch der Alltag“, erinnert er sich.
Schon früh entschied sich Konstantin Gatzke für den Lebensmittelhandel. Bei Kaufland absolvierte er eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und lernte das Geschäft von Grund auf kennen. Er arbeitete zunächst in der Getränkeabteilung, wechselte später in den Food-Bereich und übernahm zunehmend Verantwortung. Die Berufsschule schloss er als Jahrgangsbester ab. „Das hat mir gezeigt, dass sich Einsatz lohnt“, sagt Gatzke rückblickend.
Nach seiner Ausbildung arbeitete er sich beim Handelsunternehmen Kaufland weiter nach oben. Er stieg zum Warenbereichs- und später zum Abteilungsleiter im Food-Bereich auf. Auch während seines Bundeswehrjahres blieb er Kaufland als Aushilfe verbunden. Diese Jahre prägten sein Verständnis für Handel, Organisation und Führung.
2019 wagte Konstantin Gatzke den Schritt in die Selbstständigkeit. In Mintraching eröffnete er seinen ersten eigenen Markt, einen Vollsortimenter mit 1.100 Quadratmetern Verkaufsfläche. „Das war der Moment, in dem aus einem Plan Verantwortung wurde“, sagt er.
Gatzke plant selbst täglich das Personal, stimmt die Sortimente ab, koordiniert die Abläufe, um damit im besten Fall die Erwartungen der Kunden zu erfüllen. Darum geht es ihm. Wenn er darüber spricht, wirkt alles, was er tut, sehr konsequent und durchgetaktet. Und vielleicht macht ihn diese Haltung so erfolgreich, denn das Unternehmen wuchs schnell. Auf den ersten Standort folgten weitere Märkte in der Nähe von Regensburg sowie Übernahmen und Neueröffnungen in Painten, Beilngries, Wiesenfelden, Cham, Thalmassing und Greding. Heute führt Gatzke zehn Märkte. Die Verkaufsflächen reichen von kleineren Nahversorgern bis zu Märkten mit 1.400 Quadratmetern.
Besonders 2023 und 2024 entwickelte sich das Unternehmen stark. In dieser Zeit baute Gatzke die internen Strukturen aus. Er richtete eine Personalabteilung ein, setzte einen Verkaufsleiter ein und organisierte Schulungen. Eine klassische Zentrale gibt es noch nicht. Viele Abläufe steuert Gatzke weiterhin aus seinem Büro zu Hause. Mit jedem neuen Standort steigen jedoch die Anforderungen an Organisation und Führung.
Edeka Gatzke, Weichser Weg 5, 93059 Regensburg
| Übernahme | 1.11.2016 |
| Verkaufsfläche | 2.300 qm |
| Dachfarm | 1,2 Mio. Euro |
| Artikel | 30.000 |
| Mitarbeiter (Köpfe) | 50 |
| Öffnungszeiten | Mo. bis Sa., 8 bis 20 Uhr |
| Parkplätze | 3.000 im Einkaufscenter |
| Anzahl Kassen | 5 + 4 SB |
| Kaufkraft am Ort | 108,8* |
| Durchschnittsbon | 15 Euro |
| Einkaufscentrum | 55.000 qm in Umbau mit Lager |
| Rücknahmeautomaten | 2 |
*Kaufkraftindex 100 = 31.620 Euro; das entspricht einer durchschnittlichen Kaufkraft pro Kopf in Regensburg in Höhe von 33.231 Euro. Der Index gibt an, wie hoch die finanziellen Mittel der Bevölkerung sind, um Güter und Dienstleistungen zu erwerben. Quelle: MB Research/GfK
Nähe zu den Kunden
Während der Corona-Zeit zeigte sich, wie wichtig Gatzke die Kundenbindung nimmt. Seine Märkte reagierten auf die gestiegene Nachfrage nach Toilettenpapier sowie Hefe und boten Lieferservices an. Die Mitarbeiter bemühten sich aktiv darum, die Versorgung sicherzustellen. „In so einer Zeit muss das Unternehmen verlässlich sein“, sagt Gatzke.
Zurück in die Gegenwart: Kunden sollen sich nicht nur versorgen, sondern auch gut beraten und betreut fühlen, davon ist Gatzke überzeugt. Deshalb investiert er regelmäßig in seine Standorte. Er modernisiert Märkte, erneuert Kühlmöbel und Theken und bringt die Technik auf den neuesten Stand. „Ein Markt muss auf den ersten Blick überzeugen und auf den zweiten Blick bestehen“, sagt er. Gatzke verfolgt eine langfristige Strategie: Er will nicht sparen, sondern verbessern; nicht nur verwalten, sondern weiterentwickeln. Die Märkte sollen attraktiv wirken, damit Kunden nicht nur kommen, sondern wiederkommen.
Geografisch konzentriert sich Gatzke auf Regensburg und Umgebung, den Bayerischen Wald und das Altmühltal. Er möchte weiter wachsen, aber nicht um jeden Preis. München, Landshut und andere weit entfernte Regionen kommen für ihn nicht infrage. „Ich will die Märkte kennen und erreichbar bleiben“, erklärt er.
Märkte für die Region
Für Gatzke erfüllen seine Märkte mehr als eine Verkaufsfunktion. Sie versorgen die Menschen, dienen als Anlaufstelle und gehören zum Alltag der örtlichen Bevölkerung. Gerade in kleineren Orten spielt diese Aufgabe eine wichtige Rolle. Wenn ein Laden schließt, verlieren die Menschen oft mehr als nur Verkaufsfläche. „Wenn wir einen Standort übernehmen, übernehmen wir auch eine Aufgabe für die Region“, sagt Gatzke.
Deshalb sollen neue Märkte und Umbauten nicht nur funktionieren, sondern auch einen positiven Eindruck hinterlassen. Kunden sollen beim Betreten spüren, dass das Unternehmen den Markt sorgfältig entwickelt hat. Moderne Räume, ein übersichtliches Sortiment, Ordnung und eine angenehme Atmosphäre gehören für Gatzke zusammen.
Besonders deutlich zeigt sich dieses Konzept im Regensburger Donau-Einkaufszentrum. Der Markt liegt in einem Umfeld mit viel Laufkundschaft, starkem gastronomischem Wettbewerb und besonderen Erwartungen. Für Gatzke dient er als Aushängeschild. Klare Wege, eine starke Warenpräsentation und eine sorgfältige Sortimentsstruktur sollen den Markt im hektischen Umfeld des Centers hervorheben. „Im Center muss alles noch schneller funktionieren“, sagt er.
Auch Regionalität spielt eine wichtige Rolle. Produkte aus der Umgebung und regionale Lieferanten gehören zum Konzept. Gleichzeitig braucht jeder Standort eigene Schwerpunkte. Ein Markt im Einkaufszentrum stellt andere Anforderungen als ein Markt in einer kleineren Gemeinde. „Jeder Markt braucht sein eigenes Gesicht“, sagt Konstantin Gatzke.
Mit dem Wachstum stiegen auch die organisatorischen Aufgaben. Gatzke muss Umbauten, neue Kühltechnik und Sortimente klar planen und bauliche Erneuerungen steuern. Auch Rechnungswesen und interne Abläufe spielen eine wichtige Rolle.
Bei zehn Standorten braucht das Unternehmen ein stabiles System, damit alle Bereiche zuverlässig ineinandergreifen. Dabei arbeitet Gatzke eng mit seiner Frau Olga zusammen. Er kümmert sich stärker um die Märkte und die Abläufe auf der Fläche. Sie übernimmt Aufgaben in der Organisation und im Rechnungswesen. „Wir entscheiden vieles zusammen“, sagt er.
Konstantin Gatzke
Inhaber Edeka Gatzke

Was war am Anfang besonders schwierig?
Der Neustart in Deutschland stellte mich vor große Herausforderungen. Ich musste eine neue Sprache lernen und mich in einer völlig neuen Umgebung zurechtfinden.
Was hat Sie damals an der Selbstständigkeit gereizt?
Mich reizte die Möglichkeit, eigene Ideen umzusetzen und aktiv etwas zu gestalten, statt lediglich Vorgaben zu befolgen.
Was ist Ihnen für die Zukunft am wichtigsten?
Wir wollen das Familienunternehmen erfolgreich weiterführen und die Nachfolge frühzeitig und sorgfältig vorbereiten.
Die Nachfolge sichern
Auch die Nachfolge plant die Familie. Tochter Alina soll das Unternehmen übernehmen. Gatzke führt sie schrittweise an Verantwortung heran. Sie lernt die Abläufe kennen und wächst in den Betrieb hinein. Für Gatzke bedeutet Nachfolge keinen Bruch, sondern eine Weitergabe. Die Familie will das Unternehmen weiterführen, wenn er sich eines Tages zurückzieht. Neben dem Unternehmen möchte die Gatzkes mehr Zeit füreinander haben. Sie reisen und interessieren sich für Länder, Kulturen, fremdes Essen, Fotografie und Sport.
Der Kaufmann Konstantin Gatzke wartete nicht auf den Durchbruch. Er sammelte Erfahrungen, nutzte Chancen und baute verlässliche Strukturen auf. So entwickelte er aus einem Markt in Mintraching ein wachsendes Familienunternehmen mit zehn Standorten – mit klarer Haltung, Weitblick und Zukunftsperspektive.
