Ein Glas Honig, mehrere Herkunftsländer und eine Rechnung, die es in sich hat: Seit dem 14. Juni 2026 müssen Hersteller bei Honigmischungen jedes Ursprungsland und dessen Gewichtsanteil angeben. Für Verbraucher schafft die neue Regelung mehr Klarheit, von Abfüllern und Händlern verlangt sie indes neue Abläufe.
Die Angabe „Mischung aus EU- und Nicht-EU-Ländern“ reicht nun nicht mehr aus. Hersteller müssen die Ursprungsländer einzeln nennen und je nach Anteil anordnen. Das Land mit dem höchsten Anteil steht an erster Stelle. Die Informationen müssen gut sichtbar auf der Vorderseite erscheinen.
„Die Herkunft der Honige wird nun gemäß den gesetzlichen Vorgaben eindeutig und gut sichtbar auf den Verpackungen ausgewiesen“, erklärt Kay Fischer, Geschäftsführer von Fürsten Reform/Langnese Honig. Für Abfüller bedeutet die Regelung vor allem mehr Rechen- und Dokumentationsarbeit. Unterschiedliche Lieferungen, Gebindegrößen und Mischungsverhältnisse können die Zusammensetzung jeder Charge verändern.
„Bei jeder Abfüllung muss neu ermittelt werden: Wie sind die Anteile prozentual verteilt? Kann die Reihenfolge gleich bleiben oder muss sie sich verändern?“, sagt Frank Filodda, Vorsitzender des Honigverbands.
Alle Unternehmen müssen jede ihrer Mischungen genau dokumentieren. Eine spätere Laboranalyse des fertigen Glases ersetzt diese Unterlagen nicht. Langnese prüft den Honig deshalb bereits vor dem Transport nach Deutschland. „Bevor das Produkt verladen wird, entnehmen wir von jeder Charge eine Probe und lassen diese durch unabhängige Labore auf Echtheit und Qualität untersuchen“, berichtet Fischer. Nach dem Wareneingang und während der Abfüllung kontrolliert das Unternehmen den Honig erneut.
Das Etikett wird zum Engpass
Je mehr Honig aus verschiedenen Ländern eine Mischung enthält, desto umfangreicher wird die Herkunftsangabe. Pflichtinformationen, Markengestaltung und Herkunftsdaten müssen auf engem Raum Platz finden. „Man muss sich die freien Flächen auf dem Vorderetikett suchen und dabei auf die richtige Schriftgröße achten“, sagt Filodda.
Da Mischungen mit vielen Ursprungsländern mehr Aufwand verursachen, könnte die neue Vorgabe durchaus die Rezepturen verändern. „Wir konzentrieren uns auf die Länder, die eine relativ gute Versorgungssicherheit bieten“, erklärt Filodda.
Deshalb könnten Abfüller künftig häufiger Mischungen aus drei oder vier Ländern anbieten. Auch Honig aus nur einem Ursprungsland lässt sich leichter kennzeichnen. Den gesamten deutschen Bedarf können heimische Imkereien jedoch nicht decken. Importhonig und Honigmischungen bleiben daher unverzichtbar.
In Deutschland ist der Honigverbrauch seit Jahren relativ konstant. Gleichzeitig produzieren die heimischen Imker zunehmend größere Mengen: Während über Jahre Erntemengen von 20.000 bis 25.000 Tonnen üblich waren, erreichten die Imker zuletzt rund 40.000 Tonnen. Im Gegenzug sind die Importe von durchschnittlich etwa 85.000 auf rund 70.000 Tonnen zurückgegangen. Deutscher Honig dürfte seinen Marktanteil auf inzwischen 60 bis 70 Prozent gesteigert haben.
Insbesondere Handelsunternehmen mit Eigenmarken stehen vor zusätzlichen Aufgaben. Sie müssen Lieferantendaten, Produktspezifikationen, Etiketten, Warenwirtschaftssysteme und Onlineshops miteinander abstimmen.
Das Handelsunternehmen Kaufland setzt dabei auf eine enge Zusammenarbeit mit seinen Lieferanten. „Alle Produktdaten unserer Eigenmarken sind in unserem Spezifikationswesen hinterlegt und werden im Voraus verbindlich mit den Lieferanten abgestimmt“, sagt Karina Wolf aus der Pressestelle.
Auch im Onlinehandel müssen Händler die Herkunft bereits vor dem Kauf vollständig anzeigen. Wenn sich die Zusammensetzung von Charge zu Charge verändert, müssen sie ihre Produktinformationen aktualisieren. „In dem Moment, in dem der Verbraucher das Produkt sieht und kaufen will, müssen die Angaben klar sein“, betont Filodda. Für Händler mit Eigenmarken oder eigener Abfüllung steigt die Verantwortung besonders stark. Sie müssen sicherstellen, dass alle Angaben korrekt, vollständig und aktuell bleiben.
Tobias Teufer von Krohn Rechtsanwälte sieht zunächst den Abfüller in der Verantwortung. „Importeure müssen diesen dann mit Informationen zur Herkunft des Honigs unterstützen“, sagt er. Händler von Fremdmarken müssen bekannte Kennzeichnungsfehler beachten. „Sie dürfen fehlerhaft gekennzeichnete Ware nicht einfach weiterverkaufen. Behörden können falsche Angaben beanstanden.“ Außerdem drohten Verkaufsverbote, Bußgelder und wettbewerbsrechtliche Abmahnungen. Unternehmen sollten deshalb klare Prüf- und Freigabeprozesse einführen.
Haben Unternehmen vor dem 14. Juni 2026 Honig abgefüllt und nach den früheren Vorgaben gekennzeichnet, dürfen sie diesen weiterverkaufen. Deshalb können alte und neue Etiketten vorübergehend nebeneinander im Regal stehen. Händler müssen die Bestände klar trennen und den Abfüllzeitpunkt dokumentieren. So erkennen sie jederzeit, welche Ware noch unter die Übergangsregelung fällt. Kaufland nutzt die Frist bewusst. „Um Ressourcen zu schonen, nutzen wir die gesetzlichen Übergangsfristen und verkaufen vorhandene Bestände erst ab“, sagt Wolf.
Frank Filodda
Vorsitzender des Honigverbands

Wird die neue Kennzeichnung den Honigpreis erhöhen?
Der Honig selbst wird nicht zwangsläufig teurer, aber die Abfüller müssen deutlich mehr Aufwand betreiben.
Wie verändert die neue Regelung die Verpackungen?
Die Unternehmen müssen die Herkunftsangaben gut sichtbar auf der Vorderseite platzieren.
Welche Aufgaben übernimmt der Handel künftig?
Die Händler prüfen die Herkunftsdaten, übernehmen diese korrekt in ihre Systeme und passen bei Eigenmarken die Etiketten an.
Mehr Klarheit für Verbraucher
Björn Keyser, Inhaber von Rewe Keyser, begrüßt die neue Regelung: „Die bisherigen Angaben ‚aus EU‘ und ‚Nicht-EU‘ waren wenig transparent.“ Genauere Herkunftsangaben könnten regionale Produkte sichtbarer machen und Verbrauchern eine bessere Orientierung geben. „Regionaler Honig überzeugt viele Kunden durch seinen individuellen Geschmack. Trotzdem entscheidet häufig der Preis.“ Honig aus der Region kostet laut Keyser etwa sieben bis acht Euro pro Glas, während Markenhonig teilweise für fünf bis sechs Euro erhältlich ist.
Die neue Kennzeichnung bietet Verbrauchern mehr Orientierung. Für Abfüller und Händler bedeutet sie mehr Kontrolle, Dokumentationsaufwand und Verantwortung. Wer die Herkunft verständlich erklärt, kann daraus jedoch einen Vorteil ziehen – und mit Transparenz Vertrauen bei Kunden und Partnern schaffen.