Produktwissen Kaffee-Ersatz wird zum Profilierungssortiment – diese Sorten sind gefragt

Hintergrund

Für den Lebensmitteleinzelhandel gewinnt Kaffee-Ersatz als eigenständige Warengruppe an Relevanz. Das zeichnet die Sorten und Zielgruppen aus.

Dienstag, 06. Oktober 2026, 07:40 Uhr - Lebensmittelbranche
Andrea Rodat
Artikelbild Kaffee-Ersatz wird zum Profilierungssortiment – diese Sorten sind gefragt
Getreidekaffee entstand im 18. Jahrhundert als kostengünstige Alternative zu zeitweise kaum erhältlichem und somit teurem Bohnenkaffee. Während der Weltkriege gehörte er zum Alltag.
Kaffee-Ersatz gibt es mit und ohne Koffein. Bildquelle: Adobe Stock, Getty Images, Illustration: Nina Vahrenkampf (mit Unterstützung durch KI), Bildgrundlage: Getty Images, Adobe Stock

Kaffee-Alternativen wie Lupinen- und Getreidekaffee sind vielseitig und aromatisch. Die dafür verwendeten Zutaten wachsen direkt vor unserer Haustür: In jeder Portion kann somit ein Stück Regionalität stecken. Neben gesundheitlichen Aspekten, die insbesondere für Schwangere relevant sind (siehe Kasten), beeinflussen auch steigende Rohstoffpreise für Bohnenkaffee und der Klimawandel die Entscheidung für die Alternativen.

Auch unter ökologischen Gesichtspunkten können Kaffee-Ersatzprodukte Vorteile bieten. Der CO₂-Fußabdruck von Kaffee-Ersatz liegt nach den vorliegenden Angaben bei 10 bis 20 Gramm pro in Deutschland konsumierter Tasse. Kaffee verursacht dagegen 74,9 Gramm CO₂ pro Tasse. Ein Grund dafür ist, dass die Zutaten für Kaffee-Ersatz überwiegend aus Europa, teilweise sogar aus Deutschland und der Schweiz, stammen. Klassischer Kaffee legt dagegen weite Wege zurück.

Zudem benötigen Kaffeeproduzenten für den Anbau große Mengen Wasser – häufig in Regionen, in denen dieser Rohstoff ohnehin knapp ist. Laut Water Footprint Network verbraucht die Herstellung einer Tasse Kaffee bis zu 130 Liter Wasser. 

Unterschiedliche Zielgruppen

Kaffee-Alternativen bieten damit Ansatzpunkte für eine bewusste Sortimentsgestaltung und weisen weiteres Wachstumspotenzial auf. Der klassische Malzkaffee und der zunehmend beliebte Lupinenkaffee gehören dabei zu den am häufigsten konsumierten Getreide- beziehungsweise Pflanzenkaffee-Ersatzprodukten. „Im Trend liegen vor allem Instant-Kaffees“, heißt es beim Bio-Pionier Naturata. Die Zielgruppe besteht vor allem aus gesundheits- und nachhaltigkeitsorientierten Konsumenten. Instant-Getreidekaffees sprechen Personen zwischen 20 und 80 Jahren an, Getreidekaffee zum Filtern wird von Menschen zwischen 40 und 80 Jahren gekauft.

Abverkäufe fördern

Kaffee-Ersatz ist im Bio-Fachhandel bereits ein Profilierungssortiment. Das Angebot ist heute sehr vielfältig. Die Produkte kombinieren teils verschiedene Rohstoffe, einige sind mit Koffein angereichert, zum Beispiel mithilfe von Guarana. Inzwischen bauen viele klassische Supermärkte ihr Angebot aus. Für die Platzierung im Regal hat sich eine Position auf Augen- oder Brusthöhe bewährt, beispielsweise direkt neben entkoffeiniertem Kaffee.

Als Promotion-Anlass empfiehlt sich der Jahresanfang. In dieser Zeit greifen Kunden vermehrt zu Produkten für eine bewusstere Ernährung. Wichtig im Handling: Händler sollten die Produkte vor zu starker Lichteinstrahlung schützen. Ultraviolette Strahlung (UV-Licht) zerstört die empfindlichen Aromastoffe und beschleunigt den chemischen Abbau der Inhaltsstoffe.

Klimawandel bedroht Kaffee

Kaffee bleibt laut Statista immer noch das am häufigsten regelmäßig konsumierte Getränk in Deutschland vor Wasser. Im Schnitt trinken die Deutschen etwa 161 Liter Kaffee im Jahr, was rund 450 bis 1.000 Tassen entspricht. Dabei entfallen 70 Prozent des Umsatzes auf „Außer-Haus-Kaffee“, also „to go“ oder im Café. Laut Deutschem Kaffeeverband importiert Deutschland mehr als 1 Million Tonnen Rohkaffee jährlich, wovon 44 Prozent aus Brasilien kommen.

Bis 2050 könnten rund 50 Prozent der heutigen Kaffeeanbaufläche unbrauchbar werden. Den Bohnen wird es schlicht zu heiß, denn der Klimawandel ist in den Anbaugebieten des Globalen Südens bereits spürbar.

Koffeinkonsum

Ob klassischer Bohnenkaffee oder koffeinhaltige Kaffee-Alternativen – nach Empfehlungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gilt für Erwachsene als Einzeldosis eine Menge von 200 Milligramm Koffein als gesundheitlich unbedenklich. Das entspricht etwa zwei Tassen Kaffee. Über den Tag verteilt gilt sogar die doppelte Menge, also bis zu 400 Milligramm Koffein pro Tag, als unbedenklich. Für Schwangere empfehlen EFSA und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) eine Obergrenze von maximal 200 Milligramm Koffein über den Tag verteilt.

 

Bilder zum Artikel

Bild öffnen Getreidekaffee entstand im 18. Jahrhundert als kostengünstige Alternative zu zeitweise kaum erhältlichem und somit teurem Bohnenkaffee. Während der Weltkriege gehörte er zum Alltag.
Bild öffnen Dinkelkörner: Dinkelkaffee gilt als starker Aufsteiger im Markt, schmeckt nussig und leicht herb. Die Dinkelkörner kommen in eine Rösttrommel. Durch die Hitze karamellisieren die im Korn enthaltenen Kohlenhydrate leicht, wodurch die typische Kaffeefarbe und -note entstehen.
Bild öffnen Kichererbsen: Kaffeealternativen auf Basis von Kichererbsen schmecken mild, dezent, aber vollmundig. Die Rohstoffe röstet man ein bis zwei Stunden bei Temperaturen zwischen 150 und 200 Grad Celsius.
Bild öffnen Zichorienwurzel: Aus den Wurzeln der Zichorienpflanze, also der Wegwarte, oder aus gezüchtetem Chicorée entsteht Zichorienkaffee. Er zeichnet sich durch eine kräftige Bitternote aus.
Bild öffnen Gerstenkörner: Basis für das kaffeeähnliche Aroma von Malzkaffee sind gekeimte Gerstenkörner. Der malzige Geschmack und die dunkle Farbe entstehen durch Röstung der Gerste.
Bild öffnen Lupinenkerne: Lupinenkaffee kommt im Geschmack „echtem“ Bohnenkaffee am nächsten. Helle Röstungen schmecken süßer und nussiger.