Backwarenindustrie Großbäckereien fordern moderate Lohnerhöhungen in der Tarifrunde

Der Verband Deutscher Großbäckereien warnt vor geringem wirtschaftlichem Spielraum und plädiert für moderate Tarifabschlüsse. Damit macht der Verband seine Position noch vor dem offiziellen Austausch der Forderungen öffentlich. Die Gewerkschaft NGG verweist dagegen auf die finanzielle Not der Arbeitnehmer.

Freitag, 06. November 2026, 12:04 Uhr
Theresa Kalmer und Manuel Glasfort
94 Prozent der befragten Großbäckereien verzeichneten zuletzt höhere Kosten für Logistik und Verpackung. 87 Prozent meldeten gestiegene Personalkosten. Bildquelle: Verband Deutscher Großbäckereien

Der Verband Deutscher Großbäckereien hat vor der anstehenden Tarifrunde seine Position als Arbeitgeberverband öffentlich gemacht und dabei auf den geringen wirtschaftlichen Spielraum der Branche hingewiesen. Laut einer Mitteilung des Verbandes bewerten 56 Prozent der befragten Betriebe ihre Geschäftslage lediglich als befriedigend, 19 Prozent sogar als schlecht. Fast die Hälfte der Unternehmen sehe eine Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr.

Gleichzeitig steigen den Angaben zufolge die Kosten auf breiter Front: 94 Prozent der Betriebe verzeichneten höhere Ausgaben für Logistik und Verpackung, 87 Prozent beim Personal und 67 Prozent bei der Energie. Dennoch hätten 69 Prozent der Unternehmen ihre Verkaufspreise in den vergangenen zwölf Monaten weitgehend stabil gehalten, weil Erhöhungen am Markt nicht durchsetzbar gewesen seien. 63 Prozent der Bäckereien nannten den Preisdruck im Handel als größte Herausforderung der kommenden zwölf Monate. Ein Viertel der Betriebe meldete zudem eine schlechte Kapazitätsauslastung, und drei Viertel erwarteten, dass sich daran kurzfristig nichts ändere.

Der Arbeitgeberverband plädiert nach eigenen Angaben für moderate Lohnerhöhungen und längere Laufzeiten der Tarifverträge. Diese sollten beiden Seiten Planungssicherheit geben – den Unternehmen für Lieferverträge und Investitionen, den Beschäftigten für ihre persönliche Finanzplanung. Verbandspräsident Norbert Lötz betonte in der Mitteilung: „Wir sprechen über ein Gesamtpaket aus verlässlichem Entgelt, gemeinsam mit der Gewerkschaft aufgebauter Altersversorgung, Qualifizierung und einem Arbeitsplatz, der auch dann noch da ist, wenn andere Branchen Kurzarbeit anmelden.“

NGG verweist auf Bezahlbarkeitskrise der Beschäftigten

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) verwies auf Anfrage der Lebensmittel Praxis auf die „Bezahlbarkeitskrise für die Beschäftigten“ angesichts steigender Kosten für Wohnen, Mobilität und Lebensmittel. Die Lage der Lohnabhängigen sei viel dramatischer, als es in der Stellungnahme der Großbäckereien anklinge, sagte NGG-Vertreter Stephan Gastmeier. Der Referatsleiter Getreide/Handwerk bei der NGG betonte: „Wir erkennen eine Konsolidierungssituation und keine Krisensituation für die Brotindustrie“. Die Beschäftigten bräuchten ein deutliches Lohnplus. Die konkreten Forderungen für die ab Februar beginnenden Tarifverhandlungen würden die NGG-Landesbezirke derzeit ausarbeiten.

Auf der Arbeitgeberseite warb Hauptgeschäftsführer Tobias Schuhmacher für einen schnellen Einstieg in die Verhandlungen. „Sicherheit und gute Arbeitsbedingungen bieten wir gern. Beides setzt Augenmaß bei Löhnen voraus, die schon heute zu den höchsten gehören, die in dieser Republik gezahlt werden“, zitierte ihn der Verband in der Mitteilung. Dass der Verband seine Position bereits vor dem offiziellen Austausch der Forderungen öffentlich macht, bezeichnete Schuhmacher selbst als ungewöhnlich.