Rat an mich Nicht jede Antwort selbst geben – Adriana Cerami von Dr. Beckmann über gute Führung

Hintergrund

Viele Wege führen zur Karriere. Persönlichkeiten aus der Branche erzählen, was sie heute anders machen würden. Diesmal: Adriana Cerami, Kommunikationschefin bei der Dr. Beckmann Group.

Montag, 26. Oktober 2026, 07:40 Uhr - Strategien
Elena Kuss
Adriana Ceramis Vater ist Italiener. Dass sie selbst kein Italienisch spricht, bedauert sie bis heute. Bildquelle: Dr. Beckmann Group

Wenn ich meinem jüngeren Ich heute einen Rat geben könnte, dann wäre es dieser: Kommunikation bedeutet nicht immer, etwas zu sagen. Manchmal ist es besser, zuzuhören. Als ich ins Berufsleben gestartet bin, dachte ich, aus fast allem ließe sich eine Geschichte machen. Heute frage ich zuerst: Interessiert dieses Thema auch Menschen außerhalb des Unternehmens oder finde ich es nur spannend, weil ich selbst daran gearbeitet habe? Wie wichtig dieser Blick von außen ist, habe ich beim Autohersteller Hyundai erlebt. In einer Nachrichten-App las ich, dass eine Region in Portugal eine Auszeichnung als nachhaltiges Reiseziel und für ihren Sternenhimmel erhalten hatte. Gleichzeitig wollte Hyundai ein neues Elektroauto vorstellen. Es besaß in einigen Ausführungen ein großes Dach und konnte externe Geräte mit Strom versorgen.

Wir fragten bei einer Sternwarte nach, ob sich ein Teleskop an das Auto anschließen lasse. Es funktionierte. Also luden wir keine klassischen Autojournalisten ein, sondern Journalisten von Lifestyle-Medien wie „Vogue“ und „Bunte“. Gemeinsam beobachteten wir in Portugal die Sterne. Das Auto wurde Teil einer Geschichte, die auch Menschen erreichte, die keine Autozeitschriften lesen. Heute bin ich für die internationale Kommunikation bei der Dr. Beckmann Group verantwortlich. In Großbritannien etwa spielen Teppiche sowie Hunde und Katzen im Haushalt eine größere Rolle als in anderen Märkten. Dort sind deshalb andere Produkte und Geschichten relevant als in Deutschland. Das gemeinsame Dach ist jedoch nicht ein einzelnes Produkt, sondern das Versprechen, ein Problem zuverlässig zu lösen.

Mit 29 Jahren übernahm ich erstmals Führungsverantwortung. Als mein Team eines der ersten gemeinsamen Projekte abgeschlossen hatte, durfte der Mitarbeiter, der es umgesetzt hatte, das Ergebnis präsentieren. Zuvor hatte ich meine Bestätigung da­raus gezogen, Aufgaben eigenständig zu lösen. Nun war ich stolz darauf, was jemand aus meinem Team erreicht hatte. Führung heißt für mich deshalb nicht, jede Antwort selbst zu geben. Ich muss Fragen stellen und erkennen, wann meine Unterstützung gebraucht wird. Wie wertvoll eine gute Frage sein kann, zeigte mir ein Mentor während meiner Master-Arbeit bei Audi. Wenn ich glaubte, mit einer Aufgabe fertig zu sein, stellte er oft noch eine kritische Frage. Manchmal bedeutete das, von vorne anfangen zu müssen. Das würde ich meinem jüngeren Ich heute mitgeben: Du musst nicht auf alles sofort eine Antwort haben. Oft ist eine gute Frage wertvoller als die Antwort, die du eigentlich geben wolltest. Ich habe gelernt, dass Zuhören und manchmal auch Schweigen wichtiger sein kann als schnelles Reagieren.

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