Vorhergesagt Social-Media-Hypes nutzen – von Kampagnen mit Haltung bis Fake-Desserts

Hintergrund

Social-Media-Trends beeinflussen das Geschäft immer stärker. Welche Hypes das Potenzial haben, Sortimente zu verändern.

Freitag, 23. Oktober 2026, 07:40 Uhr - Strategien
Lina Arnold
Bildquelle: Screenshot

Oktoberfest-Food

Von Ende September bis Anfang Oktober stand Deutschland im Zeichen des Oktoberfests – nicht nur in München auf der Wiesn, sondern auch in vielen anderen Städten und bei den Menschen zu Hause. Vor allem in den sozialen Medien zeigten Creator, wie sie ihr eigenes Oktoberfest feierten: wie sie dekorierten, Drinks zubereiteten und typisches Wiesn-Essen wie Brezeln, Obazda, Käsespätzle und natürlich Weißwurst mit süßem Senf servierten. Saisonale Anlässe regen Menschen dazu an, mehr zu konsumieren und Inhalte in sozialen Netzwerken zu teilen. Hersteller und Märkte sollten dies für sich nutzen – und rechtzeitig planen, denn die Saison und der damit einhergehende Hype kommen nicht überraschend. Viele Märkten nutzten die Oktoberfest-Zeit, um Produkte auffällig zu platzieren, Kunden vor Ort probieren zu lassen oder gar den ganzen Markt zu dekorieren. Das funktioniert auch zu Anlässen wie dem Herbst, bei Weltmeisterschaften oder auch mal bei Nischenthemen wie Tischtennis oder einem neuen Videospiel. Im November etwa erscheint Teil VI des Erfolgsklassikers Grand Theft Auto.

Ohne Netz mit Followfood

Was beim Mobilfunkvertrag der absolute Horror wäre, ist in der neuen Followfood-Kampagne der Best Case: Die Marke wirbt mit „keinem Netz“ – eine ethische Grundhaltung beim modernen Fischfang. Denn beim Thunfischfang mit großen Netzen landen häufig Delfine, Haie oder Schildkröten als Beifang im Netz. Genau hier setzt die Kampagne an: Die Clips nehmen angedeutete Mobilfunkmarken aufs Korn und zeigen, wie sinnvoll ein Leben ohne Netz sein kann. Während Followfood in der Vergangenheit mit Schockmomenten im Marketing oft für gemischte Reaktionen sorgte, ist die aktuelle Kampagne vergleichsweise harmlos und zurückhaltend. CEO Jürgen Knoll erklärte, die Menschen hätten seit Corona wohl genug Schockmomente erlebt. Eine gelungene Kampagne, wie ich finde: Sie zeigt eindrucksvoll, wie verheerend die Netzfischerei heute ist und wie sich eine Marke ohne extreme Bilder klar dagegen positionieren kann. Davon können Food-Marken lernen.

Reversed Restaurant

In Paris sorgt gerade das wohl verwirrendste Restaurant der Welt für Aufsehen. Im „Privé de Dessert“ gibt es zwar ganz klassisch Vorspeisen, Hauptgerichte und Desserts – allerdings in vertauschter Optik: Die Küche präsentiert Vor- und Hauptspeisen wie Desserts. Sie sehen aus wie Cheesecake, Pain au chocolat oder Cappuccino, sind in Wirklichkeit aber herzhafte Gerichte. Umgekehrt richtet die Küche alle Nachspeisen wie herzhafte Gerichte an. Diese entpuppen sich erst beim Probieren als süße Desserts. Das Konzept stellt Auge und Geschmack gleichermaßen auf die Probe, und auf Social Media diskutieren Nutzer angeregt darüber: Von „Das muss ich unbedingt testen“ bis „Das könnte ich niemals essen“ ist alles dabei. Der Hype aus Paris könnte auch nach Deutschland überschwappen und hier Nachahmer finden. Für Produkthersteller, Gastronomen und Märkte lohnt es sich deshalb zu prüfen, ob sie die Idee für die eigene Marke umsetzen können.

Die LP-Kolumnistin Lina Arnold ist CEO von Joli und Expertin für Food-Trends und Konsumverhalten. Mit viel Gespür und Einblick in große Datenbanken zeigt sie, welche Trends den Lebensmittelhandel beeinflussen und wie Marken davon profitieren. Social Media Agentur | TikTok Agentur – Joli

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