Der stationäre Einzelhandel in Deutschland kämpft weiterhin mit schwierigen Rahmenbedingungen. Wie aus einer aktuellen Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) hervorgeht, erledigen viele Verbraucher ihre Einkäufe überwiegend in Klein- und Mittelstädten. Denn diese punkten vor allem mit kurzen Fußwegen, einer angenehmen Atmosphäre und Übersichtlichkeit.
Trotz dieser positiven Aspekte bleibt die Lage im Einzelhandel angespannt. Eine Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts IFH zeigt, dass der stationäre Handel weiter an Relevanz verliert. Der Anteil der Verbraucher, die beim Bummeln spontan etwas kaufen, sank innerhalb eines Jahres von 46 auf 42 Prozent. Mehr als jeder Dritte findet das Einkaufen in Innenstädten zunehmend langweilig, „weil überall die gleichen Anbieter sind“.
Die Branche leidet unter Fachkräftemangel und Insolvenzen. Seit 2020 mussten nach Angaben des HDE deutschlandweit etwa 46.000 Geschäfte schließen. In knapp 30 Prozent der Städte und Gemeinden beträgt die Leerstandsquote in den Fußgängerzonen mehr als zehn Prozent. Das ermittelte das Handelsforschungsinstitut EHI.
HDE erwartet nur geringes Umsatzwachstum
Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher bleibt ein großes Problem. Trotz rückläufiger Inflation achten die Kunden beim Einkaufen immer noch stark auf Preise und Angebote. Der HDE prognostiziert für den stationären Handel 2024 inflationsbereinigt lediglich ein Umsatz-Plus von einem Prozent.
„In allen Gebrauchsgüter-Branchen - Kleidung, Möbel, Elektronik und Freizeitprodukte - sehen wir einen weiteren Abfall der Käufe im stationären Handel und dagegen einen Anstieg der Onlinekäufe“, erklärte IFH-Direktor Werner Reinartz. Diese Tendenz werde sich 2025 fortsetzen.
Experten sehen aber weiterhin Chancen für den stationären Handel. Laut IFH schätzen Verbraucher vor allem, dass sie Produkte direkt mitnehmen, ausprobieren und anfassen können. Das sind die häufigsten Antworten von Kunden auf die Frage nach den Gründen für den stationären Kauf. Viele nennen auch die Sicherheit, hochwertige Produkte zu bekommen und nicht bei Fake Shops einzukaufen. Besonders Klein- und Mittelstädte könnten mit kurzen Wegen punkten. Das sei gerade für die älter werdende Gesellschaft zunehmend wichtig.

