Ob US-Präsident Donald Trump gerade den Zoll- und Sanktionshammer schwingt oder nicht – die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten werden vermutlich nie mehr so gut sein wie vor seiner Ära. Das ist eine bittere Pille für die deutsche Lebensmittelbranche. Denn die USA sind nach Angaben der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) einer der wichtigsten Drittlandmärkte für deutsche Speisen und Getränke.
Doch es hilft nichts, meint Prof. Dr. Andreas C. Goldthau im Gespräch mit der Lebensmittel Praxis. Die „neuen Realitäten“ seien der Handel als „Teil geoökonomischer Auseinandersetzung“ und der Güter- und Warenverkehr als „Mittel außenpolitischer Machtprojektion“. Schnell, überraschend, durchschlagend. Der Politikwissenschaftler Goldthau leitet die Willy Brandt School of Public Policy an der Universität Erfurt. Nach seiner Auffassung sind die Lieferketten und Geschäftsbeziehungen mit den USA unsicher, unberechenbar und schwankend. Diese Veränderung sei strukturell und habe nur begrenzt mit der „wankelmütigen US-Administration“ zu tun.
„Saubere und belastbare Daten“
Die Lebensmittelwirtschaft müsse „Resilienz gegen außenpolitisch motivierte wirtschaftliche Schocks“ aufbauen. Diesen Appell kann Janine Lampprecht unterschreiben. Sie leitet die Außenwirtschaftsberatung Grenzlotsen. Gegenüber der Lebensmittel Praxis hebt sie hervor: „Entscheidend ist nicht, ob Zölle tatsächlich kommen oder wieder zurückgenommen werden, sondern wie schnell sich Unternehmen der Lebensmittelbranche daran anpassen können.“ Grundlage dafür sind „saubere und belastbare Daten zur Risikobewertung“. Lieferketten und Zollklauseln sollten im US-Geschäft besonders genau geprüft werden, empfiehlt Janine Lampprecht.
Eine andere Option könnte der zumindest teilweise Abschied vom US-Geschäft sein. BVE-Geschäftsführer Olivier Kölsch berichtet von einer stärkeren Suche nach „alternativen, verlässlichen Absatzmärkten“ durch Unternehmen.
Dichtes Vertragsnetz
Der Leidensdruck ist in der Branche jedoch unterschiedlich ausgeprägt. Als Warengruppen mit erhöhtem Risiko für Umsatzverluste bei US-Zöllen nennt die BVE in ihrem jüngsten „Exportindikator“ Molkereiprodukte, Fleisch und Bier. Außerordentlich kritisch sei die Lage bei Obst und Gemüse.
Wo könnten die alternativen Absatzmärkte liegen, von denen Olivier Kölsch spricht? Zoll-Expertin Dr. Sonali Chowdhry vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und Rechtsanwalt Thomas Peterka von der Unternehmensberatung Grant Thornton verweisen auf das „dichte Netz der Freihandelsabkommen der EU“, das vielen Entscheidungsträgern nicht bewusst sei. Mit mehr als 70 Ländern und Wirtschaftsräumen hat die Europäische Union Freihandelsabkommen geschlossen – oder Präferenzabkommen mit weniger tiefgehenden Regelungen.
Die Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay zählen wider Erwarten bis auf Weiteres nicht dazu. Das nach 25 Jahren Verhandlungen vereinbarte Abkommen wird nach dem Willen der Mehrheit des EU-Parlamentes erst einmal vom Europäischen Gerichtshof geprüft. Auch das halten manche für einen Hammer.
Keine Besserung nach Trump
Meinung von LP-Redakteur Thomas Klaus
Die vielleicht schlechteste Nachricht bei den jüngsten amerikanischen Zoll-Querelen ist: Wenn Donald Trump eines Tages nicht mehr Präsident sein sollte, wird es möglicherweise nicht besser. Sollte sein Nachfolger aus dem republikanischen Lager kommen, ist eine Fortsetzung oder sogar Verschärfung des zerstörerischen handelspolitischen Kurses der Gegenwart vorprogrammiert. Bisherige Worte und Taten lassen keinen anderen Schluss zu. Ohnehin stellt sich die Frage, ob inzwischen so viel Porzellan zerschlagen und so viele Strukturen verändert wurden, dass auch ein US-Präsident der Demokratischen Partei nur wenig Erleichterung für das Verhältnis zwischen den USA und Deutschland/Europa brächte.

