Marktrundgang Schutz gegen Totalausfall – warum Kaufmann Frank Sauter auf Waterloop-Kältetechnik setzt

Das Rewe-Center im Westerwald, eine Umsatz-Granate, hat sich weit mehr als nur ein neues Outfit verpasst. Bei der Modernisierung hat Betreiber Frank Sauter sogar die Kälteanlage getauscht. Jetzt kühlt er mit Wasser.

Mittwoch, 04. Februar 2026, 07:40 Uhr
Heidrun Mittler
Artikelbild Schutz gegen Totalausfall – warum Kaufmann Frank Sauter auf Waterloop-Kältetechnik setzt
Die Serviceabteilung sind nun komplett umgestaltet, hier ein Blick auf die Käseabteilung mit Arbeitsstation.
Das Einkaufszentrum Hüter ist eine Institution in Wirges im Westerwaldkreis. Es umfasst das Rewe-Center, 20 Fachgeschäfte und einen Toom-Baumarkt. Frank Sauter managt das Zentrum als geschäftsführender Gesellschafter. Bildquelle: Ingo Hilger

 Ein katholischer Pfarrer, der im Supermarkt auf der Suche nach seinen Schäfchen ist? Nicht ungewöhnlich, zumindest im Rewe-Center Hüter. Hier im Westerwald teilt Pfarrer Andreas Fuchs das „Aschekreuz to go“ aus. Und weilt sogar, mit einem rosa Einkaufskorb ausgestattet, in der Obst- und Gemüse-Abteilung. Etwa zum Flirten, wie das Plakat am Eingang der Abteilung ankündigt? „Natürlich nicht“, lacht Kaufmann Frank Sauter. Der Pfarrer will signalisieren, dass er ansprechbar ist für alle Sorgen und Nöte der Menschen in Wirges. Er hat den Markt schon bei der Wiedereröffnung im letzten Jahr gesegnet – nicht zuletzt hat die Betreiberfamilie Sauter den Westerwälder Dom an einer Tür neben der Abholstation plakatiert. Frank Sauter sieht sein gesamtes Einkaufszentrum als „Treffpunkt“ für die 6.000 Bewohner des Städtchens Wirges und aus einem Einzugsgebiet von rund 30 Kilometern.

Gut behütet im Westerwald

Die Geschichte des Einkaufszentrums reicht bis ins Jahr 1919 zurück. 1959 stieg der Namensgeber Werner Hüter ins Unternehmen ein. Dass er immer einen Hut auf dem Kopf trug, prägte das Logo des Geschäftes: Bis heute zeigt es die Kopfbedeckung. 1989 schließlich übernahm die Familie Sauter das Einkaufszentrum, ließ aber den Namen unverändert. Im Westerwald heißt es: „Wir gehen zum Hüter einkaufen“, weiß Frank Sauter.

Das Jahr 2025 stand ganz im Zeichen der Modernisierung. Im Rewe-Center „ist kein Stein auf dem anderen geblieben“. Zwar blieb die Verkaufsfläche nur sechs Wochen lang geschlossen. Aber die Handwerker sind Anfang 2026 noch immer mit ihren Leitern unterwegs im Markt, sie basteln an den letzten Feinheiten. Eine anstrengende Zeit. Doch vom Ergebnis sind Geschäftsführer Sauter und Marktmanager Ingo Lippert überzeugt. Der Markt ist um 500 Quadratmeter Fläche gewachsen. Es gibt einen separaten Getränkemarkt mit zusätzlichem Eingang und zwei Kassen. Der Fußboden wurde erneuert, ebenso die gesamte Innenausstattung. „Wir kombinieren das Center-Konzept der Rewe für die Wände mit dem braunen Boden, der eigentlich für die Supermärkte vorgesehen ist“, erläutert Marktmanager Lippert.

Die größte Änderung betrifft die Kältetechnik: Die CO₂-Anlage ist einem Waterloop-System vom Ladenbauer Schweitzer gewichen. Und das nicht nur auf der Verkaufsfläche, sondern auch in einem neuen Kühlhaus, der Metzgerei und einem Vorbereitungsraum, der „Schnippelküche“. Beim Waterloop-System sorgen Wasser und Propylenglykol dafür, dass die entstehende Wärme eines Kühlmöbels abgeleitet wird.

Warum sich Frank Sauter für diese Art der Kühlung entschieden hat? Der wichtigste Grund: Anders als bei herkömmlichen CO₂-Kälteanlagen fällt bei einer Störung nicht das gesamte System aus. „Wobei Störungen dummerweise immer vor einem Wochenende oder einem Feiertag auftreten“, schildert der Handelspraktiker seine Erfahrungen. „Und dann geht die Suche nach einem Techniker los, der die CO₂-Anlage repariert!“ Diese Fachleute sind knapp, viele zudem kurz vor dem Ruhestand.

Beim Waterloop-System hingegen kann meist der örtliche Sanitärbauer helfen und die Störung der einzelnen Komponenten beheben. Eine Havarie mit hohen Abschriften wird also weniger wahrscheinlich. Auch weil die neuen Kühlmöbel mit einer zweiten Pumpe ausgestattet sind, die bei Bedarf einspringen kann. Das Möbel kühlt weiter, nur weniger stark. Ein weiteres Argument für die neue Kühltechnik war für Frank Sauter, dass er die Kühlmöbel einfach ergänzen kann. Als Beispiel nennt er die Obst- und Gemüse-Abteilung, die er beim Umbau auf 500 Quadratmeter erweitert hat. Er geht davon aus, dass er den riesigen Schrank (siehe Foto S. 37) mit Convenience-Produkten wie Salaten und Smoothies in ein paar Jahren weiter vergrößern wird: „Die Nachfrage nach Convenience in diesem Bereich wächst.“ Dann kann er unkompliziert ein neues Kühlmöbel anschließen, ohne Umbaumaßnahmen. Sollte überdies einmal ein Leck im System auftreten, findet man es, da die Waterloop-Flüssigkeit blau eingefärbt ist. Das neue System kühlt im Getränkemarkt auch einen begehbaren Raum, in dem alkoholfreie Getränke und Bier auf die richtige Temperatur gebracht werden, um eine Sommerparty zu feiern.

Rewe-Center Hüter, Samoborstraße 5, 56422 Wirges

Wiedereröffnung 31.07.2025
Umbaukosten 8 Mio. Euro
Verkaufsfläche 4.000 qm
Artikel 50.000
Mitarbeiter (Köpfe) 100
Öffnungszeiten Mo.- Sa. 8 bis 21 Uhr
Parkplätze 700
Anzahl Kassen 5
Kaufkraft Ort 98,0*
Durchschnittsbon 30 Euro
Einkaufszentrum 14.000 qm
Umsatzziel/Jahr 20 Mio Euro

* Kaufkraftindex 100 = 30.555 Euro, das entspricht im Westerwaldkreis einer durchschnittlichen Kaufkraft pro Kopf in Höhe von 29.968 Euro. Der Index gibt an, wie hoch die finanziellen Mittel der Bevölkerung sind, um Güter und Dienstleistungen zu erwerben. Quelle: MB Research.

Produkte mit Heimatbezug

Einen Schwerpunkt legt man im Rewe-Center auf regionale Produkte aus dem Westerwald, und zwar in allen Warengruppen. Besonders stark fragen die Kunden die Lebensmittel mit Heimatbezug bei Fleisch und Wurst nach. Marktmanager Lippert freut sich, dass gerade ein vierter Metzger ins Team kommt, „dann können wir die Eigenproduktion deutlich erweitern“.

Breite Auswahl verspricht ebenso das Wein-Sortiment, in dem ausgesuchte Flaschen von 20 regionalen Winzern zu finden sind. Im verschlossenen Schrank stehen zudem Schätze wie ein „Opus One“ aus dem Napa Valley, Kostenpunkt: 499 Euro. Für probierfreudige Kunden hat Sauter einen neuen Probierschrank angeschafft: Erwachsene Kunden melden sich über ein Display an und bekommen ein Schlückchen ins Glas. Jeweils acht Flaschen stehen zur Wahl, darunter auch zwei Weine der Hüter-Eigenmarke. Marvin Nann, der für die Warengruppe zuständig ist, tauscht einmal im Monat die Probierweine aus. Er betreut das sechs Meter breite Regal, in dem Spirituosen aus der Region stehen. Mit von der Partie sind Erzeugnisse vom Birkenhof aus Nistertal, Schilbach-Eierlikör aus Frücht oder Maur’s Deichstadt-Eierlikör aus Neuwied.

Schräg gegenüber der Weinabteilung findet der Kunde Lebensmittel für besondere Ansprüche in der Ernährung, wie Bio oder Glutenfrei. Ungewöhnlich groß ist die Auswahl an Sportlernahrung in allen Darreichungsformen: Eiweißshakes, Riegel, Pulver, Sirup, Highprotein-Kaffeegetränke und Co. von sechs verschiedenen Anbietern. Das Sortiment boomt, weiß Marktmanager Lippert, „wir kommen mit dem Disponieren kaum hinterher“. Grund für den Hype bei der Sportlernahrung ist das Fitnessstudio, das im Hüter-Einkaufszentrum liegt und an 365 Tagen im Jahr fast rund um die Uhr geöffnet hat.

Das Studio ist laut Sauter ein gutes Beispiel für das Zusammenwirken verschiedener Geschäfte und Branchen. Seine Aufgabe ist es, für einen guten Mix im Einkaufszentrum zu sorgen. Insgesamt sind hier 20 Fachgeschäfte angesiedelt. Rund 8.500 Quadratmeter betreibt die Familie Sauter selbst, so ist seine Frau Nicole beispielsweise Chefin der „Hüter-Spielewelt“, eines Fachhandelsgeschäfts für Spielwaren und Vertragspartners von Vedes.

Außerdem ist Frank Sauter Franchisenehmer eines Toom-Baumarktes mit angeschlossenem Gartencenter. In eigener Hand hält er zudem die Postfiliale und eine Änderungsschneiderei. Als „Center-Manager“ kümmert sich Sauter um die Vermietung und Verwaltung der übrigen Flächen, darunter sind eine Tankstelle, Friseur, Eisdiele, Apotheke, Zoofachhandel sowie Ketten wie Woolworth, Kik und Tedi.

Welches Geschäft am meisten abwirft? Ganz klar das Rewe-Center. Wobei Sauter einschränkt, dass der richtige Mix aller Geschäfte den Erfolg bringt. Er sieht es sofort in den Umsatzzahlen des Rewe-Centers, wenn der Baumarkt wegen Renovierung geschlossen ist. Die Kunden erledigen gern alles in einem Stopp: Sie tanken, parken, holen ein Päckchen ab und kaufen ihre Lebensmittel und Getränke ein.

3 Fragen an ...

Christian Milk, Vertriebsleiter Deutschland, Schweitzer Ladenbau

Wie viele Waterloop-Kühlanlagen sind derzeit in Deutschland in Betrieb?

Schweitzer hat in Deutschland 22 Waterloops auf der Fläche, international haben wir 70 Anlagen am Netz. Insgesamt sind in Deutschland sicher 3.000 Waterloop-Anlagen in Betrieb, ein großer Discounter hat sein Filialnetz damit ausgestattet.

Welche Vorteile bringt Waterloop dem Kaufmann im Vergleich zu einer CO₂-Kühlanlage?

Ganz klar: die Einfachheit. Und zwar, wenn man die Anlage in Betrieb nimmt, im laufenden Betrieb sowie bei Service und Wartung. Außerdem beim Thema Betriebssicherheit, eine Waterloop-Anlage fällt anders als eine CO₂-Anlage nicht komplett aus. Dritter Vorteil ist die Flexibilität, man kann bei Waterloop einfach Kühlmöbel ergänzen.

Der Name lässt auf Wasser als Kühlmittel schließen. Ist wirklich nur Wasser im System?

Wasser ist das Medium, das Wärme vom Kühlmöbel wegtransportiert. Das eigentliche Kühlmittel ist natürliches Propan, ein umweltverträgliches Gas.

Bilder zum Artikel

Bild öffnen Die Serviceabteilung sind nun komplett umgestaltet, hier ein Blick auf die Käseabteilung mit Arbeitsstation.
Bild öffnen Der Probier-Automat für Wein.
Bild öffnen Der Dom zu Wirges, plakatiert neben der Abholstation.
Bild öffnen Der Kunststoff-Punkt ist an jedem Parkplatz zu finden. Wenn man mit einem Rad des Einkaufswagen hineinfährt, bleibt dieser stehen, auch wenn der Parkplatz Gefälle hat.
Bild öffnen Neu: Tickets ziehen für die Bedienungsabteilungen.
Bild öffnen Beliebt: die Fleischwursttreppe für Kinder.

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