Nordsee-Krabbenfischerei Fressfeind Wittling dezimiert die Krabbenfänge an der Küste

Die deutschen Krabbenfischer fangen in dieser Herbstsaison mindestens 50 Prozent weniger als im Vorjahr. Schuld ist ein massenhaft auftretender Raubfisch, der den Krabbennachwuchs auffrisst. Die Erzeugerpreise steigen bereits – doch die Verbraucher kaufen ohnehin zurückhaltender.

Freitag, 23. Oktober 2026, 08:43 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
In Schleswig-Holstein sind derzeit noch etwa 60 Krabbenkutter im Einsatz. Neun Kutter wurden durch die jüngste Abwrackprämie aus dem Betrieb genommen. Bildquelle: Getty Images

Die deutschen Krabbenfischer an der Nordsee verzeichnen in der laufenden Herbstsaison deutlich schwächere Fänge als im Vorjahr. Nach dem Rekordjahr 2025, in dem niedersächsische Küstenfischer ihre Fangmengen nahezu verdoppelt hatten, liegen die Erträge in diesem Jahr weit unter dem Niveau der Vorsaison. „50 Prozent weniger als im letzten Jahr ist es auf jeden Fall, wenn nicht sogar noch mehr“, sagte Jan Möller, Vorsitzender der Sparte See- und Krabbenfischerei beim Landesfischereiverband Schleswig-Holstein.

Als Hauptursache für den Einbruch gilt der Wittling, ein Fisch aus der Familie der Dorsche und natürlicher Fressfeind der Krabbe. Der Wittling sei vor allem im Norden der niedersächsischen Küstengewässer massenhaft aufgetaucht und habe dort den Krabbennachwuchs dezimiert, erklärte Philipp Oberdörffer, Fischerei-Experte bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, den Angaben zufolge. „Der nördliche Bereich fällt dieses Jahr komplett aus“, sagte Oberdörffer. Bereits 2024 habe der Wittling für schwache Fänge gesorgt. In Richtung der Ostfriesischen Inseln und der Ems sowie in den angrenzenden Niederlanden falle die Bilanz etwas besser aus, da sich dort bislang weniger Wittlinge aufhielten. Das könne sich jedoch jederzeit ändern.

Die schwachen Fänge wirken sich bereits auf die Erzeugerpreise aus. Diese hätten im Herbst angezogen, was Oberdörffer als schlechtes Zeichen für die Gesamtsituation wertete. Im Einzelhandel verlangen Händler den Angaben zufolge derzeit rund fünf Euro pro 100 Gramm Krabbenfleisch. Die Preise dürften nach Einschätzung des Experten zwar noch leicht steigen, ein extremer Anstieg sei aber nicht zu erwarten. Bei den Fischern kommen laut Möller aktuell rund sechs Euro pro Kilogramm gefangener Krabben an. Seit Mai und Juni hätten Händler Schwierigkeiten gehabt, das Krabbenfleisch abzusetzen, da Verbraucher beim Kauf zurückhaltender geworden seien. „Krabben sind natürlich kein Grundnahrungsmittel“, sagte Möller. Zusätzlich belasteten hohe Energiekosten die Fischer, deren Boote mit Diesel betrieben werden.

Schleswig-Holsteins Krabbenkutter profitieren noch von der guten Vorsaison

In Schleswig-Holstein fahren nach Möllers Angaben derzeit noch etwa 60 Krabbenkutter zum Fang hinaus. Neun Kutter seien durch die jüngste Abwrackprämie aus dem Betrieb genommen worden. Von existenzbedrohenden wirtschaftlichen Problemen habe er bislang nichts gehört, was auch an der guten Vorsaison liege. Die Direktvermarktung vom Kutter an der Pier, wie sie etwa im Büsumer Hafen betrieben werde, sei keine grundsätzliche Alternative zum Großhandel, da bei guten Fängen die Mengen auf diesem Weg nicht abgesetzt werden könnten.

Die Fischer setzen nun ihre Hoffnung auf die verbleibenden Wochen der Saison. Bislang landeten vor allem kleine Tiere in den Netzen, die größeren Krabben müssten laut Oberdörffer „eigentlich langsam auftauchen“. Bis kurz vor Weihnachten sind die Kutter noch unterwegs, danach ziehen sich die Krabben in tiefere Gewässer zurück, und der Fang ruht in der Regel bis Anfang März.