Kinder haben bereits ein ausgeprägtes Markenbewusstsein. Laut der Kids-Verbraucher-Analyse des Egmont Ehapa Verlages sucht fast die Hälfte der 6- bis 13-Jährigen immer den gleichen Brotaufstrich aus, 38 Prozent bevorzug einen einzigen Schokoladenhersteller, und etwa ein Drittel entscheidet sich regelmäßig für das bekannte Müsli. Ähnlich ist es, wenn es um die Wurst geht, insbesondere um die für Kinder. Solche Wurstspezialitäten bieten nicht (mehr) viele Hersteller an. „Wir haben seit geraumer Zeit keine speziellen Wurstprodukte für Kinder mehr im Sortiment, da wir festgestellt haben, dass in den meisten Familien doch eher die ,gemeinsame’ Wurst für alle Familienmitglieder präferiert wird“, sagt Christina Herrmann, Produktmanagerin beim Wurstspezialisten Heinrich Nölke – und teilt diese Meinung mit anderen Produzenten. Die, die welche anbieten, nennen sie „Bärchenwurst“, oder stellen ihnen Figuren wie Lupo Lustig (Wolf), Ferdi Fuchs (Stockm eyer) oder Leo Lausemaus (zur Mühlen) an die Seite. Die Reinert Bärchenwurst sei „inzwischen synonym für die gesamte Kategorie“, sagt Hans-Ewald Reinert, Geschäftsführer der gleichnamigen Privat-Fleischerei. Die Bärchenwurst rangiert in der Beliebtheit im LEH laut SymphonyIRI (SB-Wurst, Märkte mit 200 qm oder größer, inkl. Aldi) hinter Salami, Frikadellen und Fleischwurst von Ferdi Fuchs, der allein für 41 Prozent des Umsatzes in diesem Segment sorgt. Der Gesamtumsatz mit den Kinderprodukten lag von Juni 2010 bis Juni 2011 bei 1 Prozent des Gesamtumsatzes mit SB-Wurst. Das klingt wenig, ist es jedoch nicht: 1 Prozent sind laut SymphonyIRI ca. 70 Mio. Euro.
Vor einigen Monaten drohte die Kinderwurst in Verruf zu kommen. Foodwatch prangerte einen zu hohen Salzgehalt und zu viel Fett an. Die Hersteller halten dagegen: „Die Rezepturen für die Bärchen-Produkte basieren auf den Empfehlungen der Optimix-Studie des Dortmunder Instituts für Kinderernährung. Im Hinblick auf den Salzgehalt empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in diesem Kontext für Kinder eine Tagesmenge von 3,3 bis 5 g. Der Salzgehalt bspw. von Bärchen-Streich liegt damit unter 10 Prozent der empfohlenen Tageszufuhr“, sagt Reinert.
Auch Davide Elia, Kommunikationsspezialist beim Schweizer Fleischverarbeiter Bell, der für Private Label Kinderwurstprodukte produziert, erklärt, Fett und Salz würden so sparsam eingesetzt, wie sensorisch und technologisch möglich. Man verwende keine gehärteten Fette, sondern qualitativ hochwertige Fette und Öle wie Raps- oder Olivenöl. Palmfett oder Palmöl stammten möglichst aus nachhaltiger Produktion. Die Portionsgrößen seien für Kinder zwischen vier und neun Jahren geeignet, auf den Packungen jeweils im Zusammenhang mit der Nährwertkennzeichnung angegeben, wie groß eine Kinderportion ist. Bei Friki setzt man weniger auf Comicfiguren und exotische Experimente als auf familientaugliche Klassiker wie Jagdwurst, Lyoner und Mortadella. Letztlich träfen die Kaufentscheidung die Eltern, sagt Geschäftsführer Bernhard Lammers. Wenig Fett, wenig Salz und viel Eiweiß seien wichtig, noch wichtiger aber, eine „allergenfreie Aufschnittrange“ anzubieten, bei der man auf Laktose und Gluten verzichte.
Wurst Ran an die Wurst
Kleine Kunden wollen Kinderwurst . So sorgen sie für ein Umsatzpotenzial von mehr als 70 Mio. Euro.
Das könnte Sie auch interessieren
Hintergrundbeiträge zur Fleischwirtschaft
-
So entsteht...Vom Fleischwolf bis in die Dose – die Produktion der Bockwurst „Dicke Sauerländer“Vom frischen Fleisch bis in die Dose: Mit ausgewählten Zutaten, traditioneller Rezeptur und viel Handarbeit entsteht die „Dicke Sauerländer“-Bockwurst.
-
FleischVom Stall bis zur Fleischtheke – so setzt Kaufland gemeinsam mit Landwirten mehr Tierwohl umEin Besuch im Stall zeigt, wie der Kirchbühl-Hof Tierwohl konkret umsetzt – und wie Kaufland mit langfristigen Verträgen, Kontrollen und Vermarktung Verantwortung entlang der Lieferkette übernimmt.
-
So entsteht...Zwei Produkte, ein Snack – wie bei Mar-Ko Salami und Teig zusammenfindenIm Mar-Ko-Werk in Blankenhain bei Weimar entstehen Salami und Teig getrennt, bevor sie gemeinsam gebacken werden.
-
Interview mit Michael und Max Ponnath„Wir wollen die Abhängigkeit vom freien Markt reduzieren“ – so baut Ponnath eine eigene Bio-Lieferkette aufIm Interview sprechen Michael und Max Ponnath über den neuen Traditionshof, eine integrierte Bio-Lieferkette vom Ferkel bis zum fertigen Produkt, den Generationenwechsel und die Zukunft des Unternehmens.
-
So entsteht...Wie Südtiroler Speck Schritt für Schritt seinen typischen Geschmack bekommtIn Naturns entsteht bei Merano Speck ein Südtiroler Produkt mit Herkunft und Zukunft. Der Betrieb setzt auf Handarbeit, Kontrolle und Reifung.
-
Heidemark-CEO im InterviewWas aus dem Putenfleischanbieter unter den neuen Eigentümern wirdMit dem geplanten Einstieg von Boparan/Storteboom stellt Heidemark die Weichen auf Wachstum. CEO Andres Ruff macht im Interview deutlich: Es geht nicht um Konsolidierung, sondern um Weiterentwicklung.
-
Rewe-Category-Manager im InterviewGrilltheke als Erlebnisfläche – so steigert Cross-Selling den UmsatzGeflügel legt zu, Schweinefleisch bleibt Klassiker und Grillfans setzen zunehmend auf Vielfalt statt großer Einzelstücke. Matthias Gaude von Rewe Nord erklärt im Interview, welche Produkte sich in der Grillsaison besonders gut verkaufen und wie Händler ihr Sortiment optimal inszenieren.
-
AngrillenDer Fleischkonsum verändert sich – und damit, was auf den Rost kommtBratwurst und Steak bleiben die unangefochtenen Favoriten – doch im Frühjahr 2026 setzen Hersteller und Handel zunehmend auf Vielfalt, Veredelung und neue Genusskonzepte rund um den Grill.
-
So entsteht...Westfälischer Schinken braucht viel Handarbeit – und die richtige Menge SalzWie wird man größter Hersteller von Westfälischem Schinken? Die Fleischwarenfabrik Klümper in Schüttorf kennt die Antwort.
Viel gelesen in Hersteller
-
TabaksteuerBis zu 11,78 Euro für die Schachtel – bricht der legale Handel zusammen? -
Marken-RelaunchRügenwalder Mühle erneuert ihr Verpackungsdesign -
HeimtiermarktGesünder, funktionaler, individueller – wie die Vermenschlichung von Hund und Katze die Tiernahrung verändert -
Einkauf mit...Schluss mit Krise: Wie Eckes-Granini-Deutschlandchef den Käufern wieder Lust auf Orangensaft macht