Marktcheck Fertiggerichte mit Hülsenfrüchten sind besser als ihr Ruf – doch die Hersteller verschweigen es

Die meisten Fertiggerichte mit Hülsenfrüchten erfüllen die Vorgaben für die Auslobung als Proteinquelle – doch kaum ein Hersteller wirbt damit. Das zeigt ein bundesweiter Marktcheck der Verbraucherzentralen. Problematisch bleibt der hohe Salzgehalt vieler Produkte.

Donnerstag, 22. Oktober 2026, 10:01 Uhr
Theresa Kalmer
Drei von vier untersuchten Eintöpfen erreichten den Schwellenwert für die Auslobung als „proteinreich“. Bildquelle: KI-generiert

Die Lebensmittelindustrie lässt sich bei Fertiggerichten mit Hülsenfrüchten ein erhebliches Marketingpotenzial entgehen: Obwohl 91 Prozent der untersuchten Produkte die Vorgaben für die Auslobung als Proteinquelle erfüllen, nutzen nur 44 von 288 Herstellern diese Werbemöglichkeit auf der Verpackung. Das zeigt ein bundesweiter Marktcheck der Verbraucherzentralen, dessen Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden.

Die Verbraucherzentralen nahmen im Frühjahr 2026 insgesamt 288 Eintöpfe, Suppen und Fertigmahlzeiten mit Hülsenfrüchten unter die Lupe. Dabei zeigte sich, dass die Produkte beim Proteingehalt überwiegend gut abschneiden: 263 Gerichte erfüllten den Angaben zufolge die Anforderungen der Health-Claims-Verordnung für die Bezeichnung „Proteinquelle“, mehr als die Hälfte galt sogar als „proteinreich“. Besonders die Eintöpfe stachen hervor – drei von vier erreichten die Schwelle für „proteinreich“. Dennoch verzichtete die große Mehrheit der Hersteller darauf, diese Eigenschaft auf der Verpackung hervorzuheben. „Protein ist offenbar nicht nur Nährstoff, sondern vor allem Marketing“, kommentierte Elisabeth van Thiel, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, laut der Mitteilung. Van Thiel verwies darauf, dass spezielle Proteinprodukte den Eiweißgehalt zum zentralen Verkaufsargument machten, obwohl dieser häufig erst durch zugesetzte, hoch verarbeitete Zutaten entstehe – während Fertiggerichte mit Hülsenfrüchten von Natur aus gute Proteinquellen seien.

Neben dem Proteingehalt fielen auch die Ballaststoffwerte positiv auf: 125 Produkte erfüllten die Vorgaben für eine Ballaststoffquelle oder galten als ballaststoffreich. Der Anteil der Hülsenfrüchte in den Produkten schwankte allerdings erheblich. Bei Fertigmahlzeiten lag er laut den Verbraucherzentralen zwischen 0,8 und 64 Prozent. „Wir empfehlen einen Blick auf Zutatenliste und Nährwerttabelle. Dort zeigt sich, wie ein Produkt tatsächlich einzuschätzen ist“, erklärte van Thiel.

Verbraucherzentralen kritisieren hohen Salzgehalt und fehlende Herkunftsangaben

Kritisch bewerteten die Verbraucherzentralen den Salzgehalt der untersuchten Produkte. Dieser lag im Durchschnitt bei 0,9 Gramm pro 100 Gramm und verhinderte den Angaben zufolge bei vielen Produkten einen besseren Nutri-Score. Von 221 Produkten, bei denen der Nutri-Score ermittelt werden konnte, erhielten 107 die Bewertung „A“ oder „B“, 113 ein „C“ und nur eines ein „D“. Am häufigsten enthielten die Produkte Bohnen, Erbsen und Linsen, gefolgt von Kichererbsen und Sojabohnen.

Kaum Transparenz herrschte den Angaben zufolge bei der Herkunft der Hülsenfrüchte. Nur drei Unternehmen informierten freiwillig über das Herkunftsland – eine gesetzliche Pflicht dazu besteht nicht. Die Verbraucherzentralen fragten bei 62 Herstellern nach, erhielten aber nur sechs Rückmeldungen. Demnach stammen die Hülsenfrüchte nur vereinzelt aus Deutschland und überwiegend aus anderen EU-Ländern. Hülsenfrüchte, die hierzulande angebaut werden, landen laut den Verbraucherzentralen größtenteils im Tierfutter.

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