Ecocare Beispielhaft

Nachhaltigkeit hat viele Facetten. Die überzeugendsten Konzepte zeichneten LP und die Inter-Messen mit dem ECOCARE-Award 2011 aus. Die Preisträger.

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Oft steckt hinter der Jury-Arbeit eines Branchenwettbewerbs weitaus mehr Aufwand, als es sich die meisten – vor allem wohl die Juroren selbst – vorab vorstellen können. Auf den internationalen Nachhaltigkeitswettbewerb ECOCARE von LEBENSMITTEL PRAXIS und dem Fachmessetrio InterMopro/InterCool/InterMeat trifft dies in jedem Fall zu.

Immerhin mehr als 12 Wochen lang beschäftigte sich das siebenköpfige Gremium in diesem Jahr mit den Bewerbungen, das klare Ziel vor Augen, aus der Vielzahl der eingereichten Beiträge jeweils die drei überzeugendsten in den Kategorien Produkt, Projekt und Technik/Prozess herauszufiltern. Keine leichte Aufgabe. Schließlich können bei einem Nachhaltigkeits-Wettbewerb selten harte Zahlen miteinander verglichen werden. Bei einer so heterogenen Bewerberlage muss ganz genau hingeschaut, diskutiert und noch einmal nachgehakt werden.

Entsprechend komplex ist der Ablauf: Erste Einsicht in Auszüge der Bewerbungen erhielten die Experten bereits vorab zur Vorbereitung auf die erste Jury-Sitzung im Juli. Schließlich mussten zahlreiche Einzelentscheidungen darüber getroffen werden, wer in die zweite Runde aufsteigt und wer leider ausscheidet. Mehrere Stunden wurde dann gemeinsam in Köln diskutiert, verglichen, abgewägt, ausgeschlossen – und wieder diskutiert. Dennoch standen am Ende des Tages noch nicht alle Nominierten fest. Insbesondere in der Kategorie Technik/Prozess galt es in diesem Jahr noch, zusätzliche Experten zu befragen. Acht Kandidaten hatten es schließlich in die Finalrunde geschafft und mussten sich am Morgen des 1. September noch einmal den Fragen der Juroren stellen.

Mitreißend. Mit diesem einfachen Wort lassen sich die Auftritte der Nominierten vor der Experten-Jury auf den Punkt bringen. Zwar blitzte zu Beginn zum Teil noch ein wenig Nervosität durch – schließlich lag für die meisten eine vergleichliche Prüfungssituation einige Jahre zurück –, insgesamt überzeugten die Finalisten in den Kategorien Produkt, Projekt und Prozess jedoch durch die Bank durch ihr Know-how und vor allem durch viel Herzblut.

Nicht schlecht gestaunt hat die Jury an einer Stelle: Gepa-Geschäftsführer Robin Roth hielt noch seinen Fahrradhelm in der Hand, als er den Jury-Raum betrat. Er hatte einen Teil des Weges von Bonn ins Neuwieder Food Hotel mit dem Klapprad zurückgelegt. Wenige Stunden später machte er sich mit gerahmter Urkunde im Rucksack, geschützt mit besagtem Fahrradhelm, auf dem Rad Richtung Rheinfähre in Linz.

Zuvor wurde jedoch erst einmal gefeiert. Denn unmittelbar, nachdem auch die Preisträger der letzten Kategorie feststanden, folgte im exklusiven Rahmen die Verleihung des ECOCARE-Awards 2011. Mit zwei ersten Plätzen schlug sich der Handel in diesem Jahr sehr gut. In der Kategorie Produkt ging der erste Platz an Tegut für das eigene LandPrimus Qualitätsschweinefleisch-Programm. Mit dem zweiten Platz wurde Teigwarenspezialist Alb-Gold ausgezeichnet und auf den dritten Platz kam Gepa-The Fair Trade Company. In der Kategorie Projekt wählte die Jury (mit Ausnahme von Frau Dr. Büchel, die sich natürlich enthalten hat) die Rewe Group mit ihrem ProPlanet-Programm auf den ersten Platz, Platz zwei erkämpfte sich Unilever, Platz drei ging an die Migros-Tochter Micarna. In der Kategorie Technik/Prozess wurde Beemster-Cono Kaasmakers für das Nachhaltigkeitssystem „Caring Dairy“ mit dem ersten Platz geehrt. Der Bundesverband Deutsche Tafel e.V. kam auf den zweiten Pla tz. Mehr zu den prämierten Konzepten lesen Sie auf den folgenden Seiten.

Produkt

1. Platz

Landprimus Schweinefleisch / Tegut

Premium Konzept

Dass Nachhaltig nicht unbedingt Bio sein muss, beweist Tegut seit 1996 mit seinem konventionellen Markenfleischprogramm unter dem Namen LandPrimus. Ziel des Konzepts ist es, eine deutlich über dem Durchschnitt liegende Fleischqualität zu produzieren und Wertschöpfung über die gesamte Kette zu generieren. Wesentliches Merkmal des Programms ist der Aspekt Regionalität. Diese ist dank der von Tegut aufgebauten regionalen Strukturen über die Prozesskette hinweg, von der Tierzucht, Futtermittelproduktion, Schlachtung, Verarbeitung bis zur Vermarktung, gewährleistet. Angeschlossen sind heute 52 Landwirte mit einer Kapazität von maximal 58.000 Schweinen. Seit 2010 ist LandPrimus zu 100 Prozent gentechnikfrei. Das Ergebnis: Der Absatz konnte 2010 trotz der allgemein rückläufigen Nachfrage nach Schweinefleisch um knapp 2 Prozent gesteigert werden.

2. Platz

Eiernudeln „Ohne Gentechnik“ / Alb-gold Teigwaren

Regionale Erzeuger

Die Rohwarenbeschaffung entlang einer eigenen gentechnikfreien Erzeugerkette mit Vertragspartnern vom Saatgutzüchter über Landwirte und Futtermittelhersteller bis hin zu Hühnerhaltern und Mühlen ist die Basis für die „Alb-Gold Hausmacher Eiernudeln ohne Gentechnik“. Damit hat das Trochtelfinger Unternehmen nach eigenen Angaben eine gewisse Unabhängigkeit vom Rohstoff-Weltmarkt geschaffen und regionale Arbeitsplätze gesichert. Mittlerweile wird das gesamte Alb-Gold-Sortiment gentechnikfrei produziert. Dies entspricht aktuell einer Menge von rund 50 t Nudeln und Spätzle pro Tag. Kurze Transportwege durch vorwiegend regionale Rohstoffbeschaffung sowie ein eigenes Saatzuchtprogramm, um Ersatz für Hartweizen in der Region anzubauen, sind weitere Beispiele für das Nachhaltigkeits-Engagement des schwäbischen Familienunternehmens.

3. Platz

GEPA-Schokoladensortiment / Gepa

Neue Verwender

Mehr als 35 Jahre steht Gepa – The Fair Trade Company für Fairen Handel. Für rund 90 Mio. Euro wurden im letzten Geschäftsjahr Kaffees, Schokoladen, Tees, Honig oder Handwerksartikel von GEPA gekauft. Der Großhandelsumsatz in Deutschland stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr (Ende 31. 3. 2011) im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent auf 58 Mio. Euro. Überzeugt hat Gepa die Jury vor allem durch die Weiterentwicklung des Sortiments sowie der Markenführung. Das neue vielfältige Schokoladensortiment, bestehend aus 22 Sorten, das exemplarisch zum Wettbewerb eingereicht wurde, wurde zur Anuga 2009 vorgestellt und sollte neue Schokoladenfans für das Gepa Sortiment gewinnen. Trendige, teils exotische Geschmackskompositionen zumeist in Bio-Qualität sowie eine modernisierte Verpackung zeichnen das Sortiment heute aus. 24 Prozent Umsatzplus sprechen für sich.

Projekt

1. Platz

Pro Planet / Rewe Group

Orientierung

Nachhaltigen Konsum zu fördern und nachhaltige Produkte zu attraktiven Preisen anzubieten. Das ist der Kern von Rewe Pro Planet. Das Label kennzeichnet Eigenmarkenprodukte der Rewe Vertriebslinien, die über ihre hohe Qualität hinaus positive ökologische oder soziale Eigenschaften besitzen – sich durch eine besondere Nachhaltigkeitsleistung auszeichnen und Verbrauchern eine Orientierungshilfe bieten. Dabei setzt sich die Rewe Group dafür ein, Probleme in der Wertschöpfungskette zu analysieren und systematisch zu lösen. In einem transparenten, mehrstufigen Verfahren wird die Nachhaltigkeit der Produkte geprüft und in enger Zusammenarbeit mit den Handelspartnern verbessert. Hierbei wird das Unternehmen von verschiedenen Projektpartnern, NGOs sowie staatlichen Institutionen beraten und unterstützt. Der Vergabeprozess wurde durch den TÜV Rheinland validiert.

2. Platz

„Anbau für die Zukunft“ / Unilever

Klares Ziel

1998 startete Unilever das Knorr-Programm „Anbau für die Zukunft“. Letztes Jahr wurde das Projekt „öffentlich“ gemacht, im Juli 2010 wurden die ersten Suppen und Fixe von Knorr gelauncht. Heute umfasst das Programm den Großteil der Knorr Produktrange (Suppen, Fixe, Salatkrönung). Der Fokus des Programms liegt auf vier Kernbereichen: Bodenfruchtbarkeit, Wasserverfügbarkeit, Biodiversität sowie Landwirte und Landarbeiter. Beispiele für aktive Maßnahmen sind wassersparende Tröpfchenbewässerung, der Schutz der Artenvielfalt und sichere Arbeitsbedingungen für Beschäftigte in der Landwirtschaft. Schon heute nehmen 60 Prozent der Lieferanten, die für Knorr Rohstoffe liefern, an dem Programm teil. Im nächsten Jahr sollen es bereits 100 Prozent sein. 2020 sollen alle Gemüse und Kräuter für die Knorr-Produkte aus nachhaltiger Landwirtschaft kommen, so das Ziel von Unilever.

3. Platz

MAZUBI / Micarna Sa

Nachwuchs gefördert

Dass es um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern, motivierter und gut ausgebildeter Mitarbeiter bedarf, hat die Migros-Tochter Micarna nicht nur erkannt, sondern sie hat auch gehandelt. MAZUBI – Das ist der Name einer eigenständigen Firma für Lernende der Micarna SA für eine nachhaltige und ganzheitliche Ausbildung. Das Projekt startete am 1. Oktober 2008 in Bazenheid, der Start der Mazubi AG in Courtepin war am 1. Januar 2010. Die Lernenden verkaufen Fleisch der Rinder-Rasse Aubrac und kümmern sich in ihrem eigenen Unternehmen um alle Geschäftsbereiche selbst: vom Einkauf über die Produktion und Logistik bis zum Marketing und Verkauf. Ziele: Horizont erweitern, kreatives und vernetztes Denken fördern, Verantwortungsbewusstsein fördern. Die Produkte von MAZUBI wurden schon mehrfach mit DLG-Gold ausgezeichnet.

Technik / Prozess

1. Platz

Caring Dairy / Beemster - Cono Kaasmakers

Tierwohl im Fokus

Caring Dairy ist ein Konzept zur systematischen Verbesserung der Nachhaltigkeit entlang der Wertschöpfungskette von der Kuh bis zum Käse bzw. Eis. Entwickelt wurde das Nachhaltigkeitssystem von der Universität Wageningen, gemeinsam mit Ben & Jerry’s. Seit Anfang 2008 wurde es von Beemster bei ca. 500 Milchlieferanten implementiert, die u. a. die gesamte Milch für Ben & Jerry’s-Eis in Europa liefern. Bereits 95 Prozent aller Milch wird bei Beemster unter Caring Dairy erzeugt. Bald sollen es 100 Prozent sein. Neben ökologischen, ökonomischen und sozialen Kriterien ist auch der Aspekt Tierwohl integriert. Entwickelt wurden Mess- und Beurteilungsinstrumente wie der „Kuh-“ und der „Umwelt-Kompass“. Ein Bauern-Kompass wird in Kürze folgen. So konnte der Treibhausgas-Ausstoß innerhalb der ersten zwei Jahre über die gesamte Kette um 10 Prozent reduziert werden.

2. Platz

Logistikprozess / Bundesverband Deutsche Tafel e.V.

Kräfte gebündelt

Großspenden schnell, sicher sowie gerecht über mehrere Bundesländergrenzen hinweg an möglichst viele Tafeln zu verteilen. Um diesen gewaltigen logistischen und organisatorischen Aufwand bewältigen zu können, hat der Bundesverband Deutsche Tafel 2007 einen eigenen Logistik-Prozess aufgebaut. Dazu arbeitet der Verband mit Logistikunternehmen im gesamten Bundesgebiet zusammen, unterstützt die Mitgliedstafeln dabei, ihre logistische Infrastruktur auf- oder auszubauen, sich in Tafel-Verbünden zu organisieren und koordiniert die Verteilung von Großspenden. Das Ergebnis: Die Zahl der Tafel-Verbünde wurde seit 2007 von zehn auf 30 gesteigert. 620 der insgesamt 884 Tafeln sind angebunden. Die so bundesweit verteilte Warenmenge stieg seit 2009 von damals 975 Paletten auf seither insgesamt über 6.000 Paletten – das entspricht 126 Sattelzügen.

Die Jury

Uwe Bergmann, Leiter Sustainability/CSR Management Henkel AG & Co. KGaA

Dr. Daniela Büchel, Leitung Strategie/Konzernmarketing der Rewe Group

Dr. Axel Kölle, ZNU - Zentrum für nachhaltige Unternehmensführung, Uni Witten/Herdecke

Elke Möbius, Director InterMopro/InterCool/InterMeat, Messe Düsseldorf

Bettina Röttig, Redakteurin LEBENSMITTEL PRAXIS, LPV Media GmbH

Marion Sollbach, verantwortlich für Nachhaltigkeit bei Galeria Kaufhof

Hans-Günter Trockels, Geschäftsführer Kuchenmeister GmbH

Bildquelle

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