Einkauf mit... Laura Opferkuch – wie die Hosta-Chefin Kultmarken behutsam modernisiert

Hintergrund

Mit klarer Haltung, direkt und offen entwickelt die Hosta-Geschäftsführerin Unternehmen und Sortimente weiter. Inklusive Blick über den Tellerrand.

Donnerstag, 26. März 2026, 07:40 Uhr
Susanne Klopsch
Artikelbild Laura Opferkuch – wie die Hosta-Chefin Kultmarken behutsam modernisiert
Vor dem Regal mit den Fruchtgummis: Laura Opferkuch nennt sie „Gewinner“. Die Schokoladenwaren verlieren wegen der hohen Kakaopreise Shopper an Frucht- und Weingummi.
Laura Opferkuch ist seit 2019, seit dem plötzlichen Tod ihres Vaters, Geschäftsführerin des von ihrem Opa gegründeten Süßwarenherstellers Hosta-Werk für Schokolade-Spezialitäten. Sie hat Jura studiert und ist Rechtsanwältin. Bildquelle: Melanie Pfördtner

Sellerie gehört dazu. Ebenso Möhren und Lauch. Was es eben braucht für eine klassische Suppe. Gleich an der ersten Station im E-Center Miller in Aalen hält Laura Opferkuch an. Samstags steht bei der Hosta-Chefin und ihrem Mann Michael Suppe­kochen an. Bevor der Sellerie in den Einkaufskorb kommen darf, wird er kurz von allen Seiten gecheckt. Er besteht die Prüfung. „Die Suppe lasse ich dann drei bis vier Stunden köcheln“, sagt sie. Mit Fleisch dazu. Mal Rind, mal Huhn. „Ich habe ja schließlich einen Hund.“ Der Hund bekommt Suppe? „Nein, nein“, lacht Opferkuch, „unser Dackel Fritz bekommt das Fleisch mit etwas Brühe, Karotten und Reis, und mein Mann und ich essen die Brühe.“ Sie finde Nassfutter für den Hund nicht so gut, sagt sie, sie gebe ihm lieber frisch zubereitetes Fleisch.

Natürlich gibt es nicht jedes Wochenende nur Suppe. Ihr Mann zum Beispiel isst am liebsten Coq au Vin, er kümmert sich dann ums Fleisch. Ihre Aufgabe: Sie macht die Spätzle. „Der Teig muss richtig Blasen schlagen, und die Spätzle müssen zwei Mal aufkochen.“ Opferkuch schwätzt, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Schwäbische Tönung. Dunkle Stimme. Dabei immer klar in der Sache. Direkt und offen.

Ein Stück weiter, bei den Packungen mit Nüssen, Studentenfutter und Snacks, bleibt sie vor dem Aufsteller eines Artikels mit Matcha stehen. Auch das Hosta-Neuprodukt Nippon Minis Matcha, eine Limited Edition, greift den Trend auf. Die im besten Sinne bewährte Marke wird für die Gen Z, für junge Leute modernisiert: im wiederverschließbaren Standbodenbeutel als kleinformatiger Snack zum Teilen. 2025 testeten die Stimpfacher das Format in einigen Verkaufsstellen – ein Erfolg. Nun gehören die Nippon Minis Original fest ins Sortiment.

„Ich schau mir immer an, was die Konkurrenz so macht“, sagt Opferkuch nach eingehender Inspektion des Artikels des Wettbewerbers. Und ja, sie findet es manchmal auch gut, Produkte zu sehen, an die sie selbst schon gedacht habe und nicht habe umsetzen können, etwa weil es nicht die Flexibilität in der Produktion gab: „Ich finde es dann umso schöner, dass die Idee trotzdem auf die Straße kommt, wir brauchen ja auch in der Süßware Innovationen.“

Drei starke Marken

Neben Nippon hat Hosta zwei weitere starke Süßwarenmarken im Portfolio: den Erdnussriegel Mr. Tom und die Kokosschokolade Romy. Laura Opferkuch modernisiert den Auftritt des Trios behutsam, aber stetig. Nach dem Erfolg der Nippon Limited Edition Weiß mit weißer Schokolade (inzwischen ein fester Teil des Sortiments) gibt es in diesem Jahr ab April die Edition Joghurt-Erdbeer. Beide Sorten sind in der klassischen 200-Gramm-Verpackung erhältlich. Gemeinsam mit dem Kölner Start-up Naughty Nuts hat Hosta im vergangenen Jahr den Erdnussriegel Mr. Tom als Aufstrich in die Regale des Handels gebracht. Und 2024 hatte Laura Opferkuch der fast 70 Jahre alten Marke mit der Variante Salted Caramel erstmals ein Neuprodukt gegönnt. ­Alles von der Chefin verkostet.

Denn Opferkuch ist als CEO von Hosta auch Leiterin der Produktentwicklung. Und sie testet alles. Wirklich alles. Auch wenn es manchmal wegen des empfindlichen Magens aufgrund einer Laktoseintoleranz nicht leicht ist. Bei den Nippon Minis mit Matcha war sie zunächst nicht zufrieden, der Geschmack zu flach. Zu wenig Matcha. Die Produktentwickler mussten noch mal ran. Die Zeit verging. Das Marketing habe geschwitzt, erzählt Opferkuch. ­Befürchtete gerissene Timings. Dass der Trend Matcha vorbei ist, bevor die Schwaben ein Produkt haben. „Ich habe gesagt, der Trend geht nicht so schnell vorbei, deswegen bleiben wir mal locker“, sagt Opferkuch. „Wenn das Produkt gut ist, dann machen wir’s, ansonsten nicht.“ Da bleibt sie hart. Natürlich gebe es Fälle, „wo ich sag, na gut, da habt ihr recht“. Opferkuch spricht von einer gesunden Balance. Aber: „Wenn ich innerlich nicht dahinter steh, kann ich nicht guten Gewissens sagen: ‚Ja, das bringen wir.‘ Da will ich unseren Namen nicht drauf sehen.“

Jetzt müssen noch die Nüsse mit in den Korb, für das Porridge. Die Packung mit dem Granola schaut sie sich genau an, stellt sie aber wieder zurück ins Regal: „Ich mache das lieber selbst.“ Mit Protein angereicherte Frühstücksprodukte kauft sie hin und wieder, findet die Entwicklung generell sehr interessant. Bei Proteinriegeln ist sie meistens schnell raus: „Das kann meine Verdauung oft nicht verwerten, vor allem bei zu viel Leinsamen.“

Auf zum Lieblingsregal

Wer mit Laura Opferkuch einkaufen geht, der kommt an zwei Abteilungen nicht vorbei: Wasch-/Putz-/Reinigungsmittel sowie Hygienepapiere. „Lassen Sie uns mal zu meinem Lieblingsregal in meine Lieblingsabteilung gehen“, sagt Opferkuch – und schon flitzt sie los. Bei den Weichspülern greift sie gezielt ins oberste Regal, dreht beherzt die Flasche auf, schnuppert kurz und lächelt versonnen: „Das ist mein derzeitiger Favorit.“ Es duftet kurz und intensiv nach Frühling. „Aber immer nur zwei Flaschen kaufen, sonst riecht ja alles nach dem Weichspüler.“ Beim nächsten Einkauf ist eine andere Variante dran. Weichspüler muss sie sich nicht auf den digitalen Einkaufszettel schreiben. Der Blick in dieses Regal ist feste Routine des Einkaufs.

Die Hygienepapiere werden ebenfalls regelmäßig fachmännisch unter die Lupe genommen. Die nächsten Minuten füllt ein munteres Gespräch über den Vorteil von vierlagigem Toilettenpapier, wie sich verschiedene Motivdrucke so machen und die neuesten Düfte. „Mandel, finde ich, geht immer“, sagt sie, „hier, schnuppern Sie mal.“

Jede Menge Führungsfragen

Im Laufe des Einkaufs sprechen wir immer wieder über das Thema Führung. Über ihren eigenen Weg an der Spitze des Unternehmens. Der Vater führte von oben. Top-down, wie es neudeutsch heißt. Sie hat es ausprobiert. Weil sie es nicht anders wusste. Woher auch? Sie hat Jura studiert. War 2019 mitten in den letzten Vorbereitungen für das Examen, als ihr Vater plötzlich starb. Kurz nach seinem 60. Geburtstag. Und von einem Tag auf den anderen wurde aus der 29 Jahre alten Jurastudentin die Erbin des Unternehmens Hosta – Werk für Schokolade-Spezialitäten. Ins kalte Wasser geworfen (die Firma zu verkaufen kam für sie nicht infrage), emotional mitgenommen übernahm sie das, was sie kannte. Von oben führen. Bis der Bauch rumorte. Bis sie merkte: Das bin ich nicht. Bis sie begriff: Ich muss einen anderen Weg gehen. Ein intensives Coaching später, nach vielen Gesprächen mit Führungskräften, Abteilungsleitern und Mitarbeitenden, entstand die Idee zur „Hostafari“.

Diese soll alle im Unternehmen mitnehmen auf dem Weg, eine neue Führungskultur, eine neue Kommunikation zu etablieren. Teamorientiert, wertschätzend und authentisch: So will Opferkuch führen. „Es gab zu viele Mitarbeiter, die einen anderen Führungsstil kannten. Diese müssen wir mitnehmen und ermutigen, die Dinge offen anzusprechen“, beschreibt Opferkuch. Die Hostafari fruchtet langsam. Mitarbeiter gekostet habe sie dieser Weg keine, sagt sie. Zumindest habe das niemand so kommuniziert. „Das Thema ist eher, dass sich manche immer noch fragen, was das soll“, sagt sie und nennt als Beispiel die All-Hands-Meetings. Dabei kommen alle vier Wochen alle zusammen „und es kommt alles auf den Tisch, was so passiert im Unternehmen“. Manche verstünden nicht, dass es ihre Chance ist, das Format mit Leben zu füllen. Nachzufragen, wenn sie etwas nicht verstehen, nachzufragen, was Neues in der Produktion ansteht. „Da heißt es dann: ‚Man erfährt ja gar nicht so viel‘“, sagt die CEO kopfschüttelnd. Am Format hält sie trotzdem fest. 

Coaching für die Führungskräfte

Abteilungsleiter und mittleres Management müssen ebenfalls mitgenommen werden. Bei Hosta können nun alle an einem Coaching zum Thema Leadership teilnehmen. Die Geschäftsführerin hat es auch absolviert. Sie weiß, dass dort die ihr wichtigen Werte vermittelt werden: „Nach dem Coaching sprechen dann alle eine Sprache und können das in die Teams transportieren.“ Wie haben die Mitarbeiter reagiert? „Die Mehrheit war wirklich dankbar“, sagt Opferkuch. Die Hostafari ist keine Eintagsfliege. Sie ist ein Prozess. 

Inzwischen sind wir in der Süßwarenabteilung angekommen. Hier stehen etliche Zweitplatzierungen. Fluch oder Segen? „Sowohl als auch“, sagt Opferkuch. Natürlich griffen die Kunden gerne bei Angeboten zu. Aber sie sollten bei Zweitdisplays nicht automatisch nur an „reduzierte Preise“ denken. „Es ist daher wichtig, auch Displays mit dem Normalpreis auf der Fläche zu haben, damit Handel und Hersteller gemeinsam profitieren können.“ Auch die Nippon Minis stehen zum regulären Preis auf der Fläche. 

Einmal um die Ecke geht sie direkt auf eine Packung Erdnüsse in der Variante Hot Honey zu. „Ich finde die richtig gut.“ Generell mag sie zudem bei salzigen Snacks die Varianten mit salzigem Karamell oder ruhig etwas schärfer gewürzt. Sie geht noch einmal um die Ecke und zeigt auf das breite Regal mit Fruchtgummis: „Das sind gerade die großen Gewinner.“ Durch die hohen Kakaopreise kaufen Shopper weniger Schokolade, gleichzeitig legen Fruchtgummis zu. „Und alles unter 1 Euro“, sagt sie kopfschüttelnd mit Blick auf die Preise. Sie kann nicht nachvollziehen, dass man statt zur Schokolade oder einem Schokoladenprodukt zur Zuckerware greift.

Snackaffine Briten im Visier

Mehr Spaß macht ihr das Gespräch über die Pläne für den englischen Markt. Auch wenn der erste Test enttäuschend war: „Bei einem Test in UK mit Nippon hieß es: ‚Nein, das ist nicht so unseres.‘“ Im Augenblick ist nicht ganz klar, was den Briten nicht gefiel. Möglicherweise war es ein Aroma in der Bindemasse, sagt Opferkuch, aber das müssten noch weitere Tests zeigen. Die Rezeptur soll jedenfalls angepasst werden an die britischen Vorlieben. Denn Opferkuch sieht in diesem snackaffinen Markt großes Potenzial. Mit Mr. Tom sind die Schwaben bereits gelistet. „Aber wenn ich bei den großen Händlern vertreten sein will, dann kann ich ja nicht nur mit einem Riegel auftauchen, da brauche ich ein gewisses Portfolio.“ Dieses Jahr will sie das Thema mit ihrem Team konzeptionieren, um dann im nächsten Jahr loszulegen, „da habe ich auch wirklich arg Lust drauf“.

„Laura, was ist denn hier los?“

Wo holt sie sich Feedback zu ihrer Arbeit? Wer sagt ihr (außer ihrem Ehemann) frank und frei, dass sie falschliegt, dass sie noch einmal nachdenken sollte bei Entscheidungen? „Das ist ­gerade der COO Max Schäuble“, sagt Opferkuch. „Ich kenne ihn seit 2013, und er fragt dann schon mal: ‚Laura, was ist denn hier los?‘“ Oft seien sie einer Meinung. Aber eben nicht immer. „Da kann es auch richtig hitzig werden, vor allem laut“, beschreibt Opferkuch. Für sie absolut kein Problem. Für andere schon. Opferkuch erstaunt das: „Wir streiten doch in der Sache und nicht persönlich!“ Es gehe konkret immer um die Firma, „und da müssen wir dann halt ran“. Raus mit der Sprache, nichts unter den Teppich kehren, das ist ihre Devise: „Unehrlichkeit bringt mich richtig zur Weißglut.“ 

Sortiment Süßwaren Schokoladenwaren bleiben unter Druck
Zuckerwaren

Schokoladenwaren hatten 2025 wegen der hohen Kakaopreise keinen guten Lauf im Lebensmitteleinzelhandel. Kein Wunder bei Preissteigerungen von 17 Prozent. Die Absatzverluste summierten sich insgesamt auf ein Minus von 9,6 Prozent (Yougov Consumer Index 12/2025). Die Rangliste des Schreckens führen Small Bites und Saison-Schokoartikel an (–16 Prozent), gefolgt von Tafelschokolade (–14 Prozent) und Pralinen (–11 Prozent). Alle genannten Kategorien verloren im Vergleich zum Vorjahr nicht nur Käufer (Einkaufsfrequenz): Die Shopper, die blieben, kauften auch weniger. 

Zuckerware profitiert

Für die Süßwaren insgesamt war 2025 ein sehr schwieriges Jahr, so die Bilanz bei Yougov. Konsumenten hätten durchschnittlich 6,8 Prozent mehr für die Produkte ausgeben müssen. „Damit wird ein Umsatzplus von 3,8 Prozent für das Jahr 2025 erreicht, der Absatz liegt jedoch mit minus 2,8 Prozent unter Vorjahr.“ Gewinner waren die Zuckerwaren mit einem Plus (Menge) um 2,8 Prozent. Wachstumstreiber sind dabei Frucht- und Weingummi sowie Lakritze mit einem Absatzplus von 4,9 Prozent.  

Der Januar 2026 war mit Blick auf den Vorjahresmonat kein schlechter für Süßware: Laut Yougov Consumer Index 1/2026 stieg der Absatz um 5,6 Prozent, der Umsatz um 10,1 Prozent. Die durchschnittlich bezahlten Preise legten weiter zu (+4,2 Prozent). Absatzwachstumstreiber sind die Handelsmarken mit einem Plus von 11,6 Prozent (Umsatz: +18,3 Prozent). Herstellermarken wuchsen in der Menge nur um 1,3 Prozent (Umsatz: 5,8 Prozent). Sie profitierten nach Aussage der Marktforscher stark vom Promotiongeschäft, Handelsmarken zögen aber nach. 

Es gibt positive Treiber

Die Kaufzurückhaltung bei Schokoladenwaren setzte sich auch im Januar 2026 fort: Das preisgetriebene Umsatzplus von 12,7 Prozent flankieren sinkende Absätze in allen Segmenten. Laut Yougov gab es aber auch Produkte, die trotz der hohen Preissensibilität der Shopper Kaufanreize auslösten: „Innerhalb der Schokoware sind weiterhin nur die Gesunden Riegel, unter anderem Müsliriegel, Proteinriegel, Fruchtschnitten, ein positiver Treiber; sie können neue Käufer gewinnen und die Nachfrage weiter ausbauen.“

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