Retaildesign Hier ist die Ware der Star

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Materialien und Auftritt müssen zur Marke des Kunden passen, zu seinen Produkten: Dafür baut Retaildesignerin Heike Brandt auf fundierte Vorarbeit und weniger auf die derzeit angesagten Trends.

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Lösungen von der Stange gibt es bei Retaildesignerin Heike Brandt nicht. Egal für welches Produkt oder Unternehmen. „Wir wollen die Marke des Kunden stärke, das heißt, Materialien und Auftritt müssen zum Kunden und seinen Produkten passen“, sagt die 45-jährige Berlinerin, „die Ästhetik entwickeln wir aus den Eckdaten und Vorstellungen des Kunden.“ Was nicht authentisch sei, das überzeuge nachher auch nicht. Da hilft es schon, wenn der Kunde seinen eigenen Stil kennt und seine Kunden: Warum kommt der Kunde zu mir, was soll er bei mir finden? Gute, detaillierte Planung ist vonnöten, bis ein Retailkonzept umgesetzt wird. Das könne dann schon mehrere Monate in Anspruch nehmen, doch diese Vorbereitung zahle sich für das Unternehmen aus, sagt Brandt.

Wie sie vorgeht, das beschreibt Heike Brandt anhand der Arbeit ihres Berliner Büros für den Bäcker Ruetz im österreichischen Tirol. In ausführlichen Gesprächen und Analysen gingen sie und ihr Team zum Start des Projekts den Bedürfnissen und Wünschen ihres Kunden auf den Grund. In der neuen Filiale in der Maximilianstraße in Innsbruck sollten die Verbundenheit und Verankerung des Unternehmens mit und in der Region zum Ausdruck kommen – die traditionsreiche Brotkompetenz des Bäckers für den Kunden sichtbar werden. Nach der Umgestaltung und Erweiterung der Verkaufs- und Gasträume (insgesamt etwa 200 qm) vermittelt eine moderne Hüttenästhetik nun Offenheit und viel Natürlichkeit: Dielenfußboden, Wandverkleidung und Bestuhlung des Cafés sind aus hellem Eichenholz. Eine optische Trennung zum Verkaufsraum wird durch die klassischen Schachbrettfliesen in grau und weiß mit einem ungewöhnlichen Muster erreicht.

Große Schautafeln, Fotos und typische Handwerkszeuge des Bäckers sind nicht nur reine Dekoration: Sie geben Auskunft über die handwerkliche Herstellung und Qualität der Produkte. Der Kunde sieht, wo und wie gebacken wird: Er kann in die hinter dem Verkaufstresen liegende Backstube schauen. Gratis gibt es dazu noch den appetitanregenden Duft, der beim Backen in die Verkaufsräume zieht. Der Verkaufstresen selbst ist mit hellem Eichenholz verkleidet, wirkt ruhig und aufgeräumt. „Die Möbel nehmen sich insgesamt zurück“, beschreibt Brandt, „das Produkt muss im Mittelpunkt stehen.“ Dazu gehöre es auch, dem Unternehmen zu vermitteln, dass es durchaus sinnvoll sein kann, mit reduziertem Warendruck zu arbeiten. „Ordnung und visuelle Ruhe erleichtern nicht nur dem Kunden die Auswahl, sie unterstützen auch die Wertigkeit der Produkte. Dazu passt eine unstrukturierte und zu volle Auslage nicht“, sagt die Designerin. Wertig und köstlich sind die Stichworte.