Die deutsche Zuckerwirtschaft steht nach eigenen Angaben unter so starkem Druck wie seit Jahrzehnten nicht. In der Kampagne 2025/26 ging die Anbaufläche für Zuckerrüben um fast 10 Prozent auf rund 348.700 Hektar zurück, wie die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker mitteilte. Die Zuckererzeugung aus Rüben sank demnach um etwa 5 Prozent auf 4,4 Millionen Tonnen. Auch die Rübenanlieferung lag mit rund 82 Tonnen pro Hektar etwa 3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Lediglich der durchschnittliche Zuckergehalt stieg dank günstiger Witterung um knapp 8 Prozent.
Als Ursache für die angespannte Lage nennt der Branchenverband eingebrochene Preise am europäischen und am Weltmarkt bei gleichzeitig steigenden Kosten. Zusätzlich erhöhten Importzugeständnisse an Länder wie Brasilien und Australien den Wettbewerbsdruck auf die heimischen Erzeuger. Allein in den ersten vier Monaten des Wirtschaftsjahres 2025/26 seien über die sogenannte aktive Veredlung rund 512.000 Tonnen Zucker in die EU importiert worden, beruft sich die Vereinigung auf Zahlen der Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission.
Die Branche begrüßt deshalb die von der EU-Kommission angekündigte befristete Aussetzung dieser aktiven Veredlung. „Die Aussetzung wäre ein wichtiges Signal und muss so schnell wie möglich kommen“, erklärte der Vorsitzende der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker, Stefan Streng, laut der Mitteilung. Zugleich betonte er, dass diese Maßnahme allein die Krise nicht lösen werde: „Unsere Betriebe liefern ein heimisches Produkt, hergestellt zu den höchsten Standards. Aber gegen verzerrte Märkte können sie langfristig nicht bestehen.“
Streng forderte die Politik auf, für gleiche Umwelt- und Sozialstandards im internationalen Wettbewerb zu sorgen. Die bestehenden Schutzmaßnahmen seien aus Sicht der Branche unzureichend oder für den Zuckermarkt ungeeignet. Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von rund 21.000 Rübenanbauern, vier Zucker erzeugenden Unternehmen sowie Firmen des Zuckerhandels in Deutschland.