Obwohl der Großteil der Unternehmen aus dem Bereich langlebiger Konsumgüter (75 Prozent) die Preise in den vergangenen zwölf Monaten bereits erhöht hat, setzt die Mehrheit (67 Prozent) trotz schwacher Nachfrage auf weitere Preissteigerungen. Nur rund jeder fünfte Hersteller (22 Prozent) glaubt, dass sich das Preisfenster geschlossen hat und keine weiteren Preiserhöhungen mehr akzeptiert werden. Jeder vierte Hersteller plant dabei Erhöhungen von mehr als 5 Prozent. Das sind Ergebnisse der „Business Health Study“ der Unternehmensberatung Simon-Kucher.
21 Prozent der Hersteller rechnen mit Umsatzrückgängen
„Für Verbraucher ist die Botschaft bitter: Der nächste Preisschub ist keine Drohkulisse, sondern bereits eingeplant“, sagt Björn Dahmen, Senior Partner im Consumer-Sektor von Simon-Kucher. „Auf Preissenkungen zu warten, ist aus Konsumentensicht der falsche Weg. Die nächste Preisrunde steht schon vor der Tür.“
Trotz der geplanten Preiserhöhungen rechnet ein Fünftel der Hersteller (21 Prozent) mit Umsatzrückgängen. Gleichzeitig bewertet der Großteil (62 Prozent) das Marktumfeld als unsicher bis kritisch.
„Kostendruck. Wettbewerbsdruck. Margendruck. Auf den Tischen der Hersteller türmt sich gerade ein Problem nach dem nächsten“, erklärt Kai Füller, Director bei Simon-Kucher. „Das Gefährliche daran: Viele Unternehmen sehen sich angesichts der Gemengelage zu Preiserhöhungen gezwungen. Doch wenn höhere Preise auf eine zunehmend preissensitive Nachfrage treffen, ist das eine riskante Mischung.“
Regelrechter Hoffnungsabsturz bei Entscheidern
„Wer bei schwacher Nachfrage einfach flächendeckend über das Portfolio die Preise hochsetzt, riskiert eine gefährliche Abwärtsspirale“, meint Dahmen.
Während bei der Befragung zum Jahresauftakt 2025 niemand pessimistisch war, schoss der Anteil der pessimistischen Entscheider im Sommer 2026 plötzlich von 0 auf 14 Prozent in die Höhe. Gleichzeitig befindet sich der Anteil der positiven Entscheider im freien Fall: Von 92 Prozent sank er auf 51 Prozent.
„Der Optimismus ist kollabiert. Innerhalb von 18 Monaten hat sich die Stimmung in der Branche fundamental gedreht; aus Zuversicht wird zunehmend Zukunftsangst“, so Füller.
Unsicherheit schlägt auf die Umsetzung durch
Die Unsicherheit schlägt inzwischen auf die Umsetzung durch: Fast jeder fünfte Hersteller (19 Prozent) bewertet die Umsetzung der geplanten kommerziellen Maßnahmen als gefährdet oder kritisch. Nur 14 Prozent sind voll zuversichtlich, ihre Pläne in den kommenden zwölf Monaten wie vorgesehen realisieren zu können.
Besonders deutlich wird die Lücke bei der Preisdurchsetzung: 35 Prozent der Hersteller fehlt es an Durchsetzungsfähigkeit bei Netto-Preisen oder leistungsbezogenen Handelskonditionen.
Nicht jede Erhöhung kommt beim Verbraucher an
„Preise erhöhen zu wollen, ist das eine. Sie am Markt durchzusetzen, ist das andere“, sagt Dahmen. „Preise ankündigen kann jeder. Entscheidend ist, was davon am Ende beim Hersteller tatsächlich ankommt. Nicht die Preisentscheidung ist der Engpass, sondern die kommerzielle Umsetzung. Genau daran droht nun jeder dritte Hersteller zu scheitern.“ Füller ergänzt: „Für Verbraucher ist das die gute Nachricht: Nicht jede geplante Erhöhung wird es bis zum Verbraucher schaffen.“
Die „Simon-Kucher Business-Health-Studie“ wurde im August 2026 von Simon-Kucher in Zusammenarbeit mit dem unabhängigen Marktforschungsinstitut Dynata durchgeführt. Befragt wurden 106 Entscheider von Herstellern beziehungsweise Markeninhabern langlebiger Konsumgüter aus Bereichen wie Home Electronics, Möbel, Heimtextilien und Spielwaren in Deutschland. Im Mittelpunkt standen Preiserhöhungen, der Marktausblick und strategische Unternehmensmaßnahmen.
